Apfelstadt-Schlemmer-Tour ist Genuss pur

+
Den Genuss muss man sich auf der Apfelstadt-Schlemmer-Tour mit Radeln verdienen. Angesichts der Umgebung könne man aber kaum von „müssen“ sprechen, finden die Tour-Testerinnen Kerstin Reemen (l.) und Anne Tweer.

Tönisvorst lässt sich auf dem Fahrrad am besten erkunden. Angeboten werden spannende kulinarische Etappenziele.

Von Kerstin Reemen

Tönisvorst. Das Rührei kommt aus der Küche. Pfannenwarm. Es krönt unser Frühstück am Tisch: Lachs an Meerrettich. Schinken und Käse. Brötchen und Mandelbrot. Wie gut, dass wir den Beginn dieser Tagestour durch die Tönisvorster Stadtteile und Honschaften auf das benachbarte Süchteln verlegt haben. Von dort sind es etwa zehn Kilometer Anfahrt, die sogenannte Schlufftrasse entlang, bis zum Café „eigenwillig“. Hier startet um 10 Uhr die gebuchte Apfelstadt-Schlemmer-Tour.

Die Stärkung mit Kaffee gewährt Einsichten in den denkmalgeschützten Wasserturm von St. Tönis. Der 46 Meter hohe, achtstöckige Backstein-Bau anno 1928 ist als Wasserspeicher außer Dienst. Er beherbergt seit einigen Jahren diesen gastronomischen Treffpunkt. Heute ist mal wieder kein Platz unbesetzt.

Um 11.30 Uhr empfiehlt sich das Zahlen. Abfahrt! Die ersten Meter des 27 Kilometer langen Rundkurses von S wie Schlemmerfrühstück bis A wie Apfelcidre rollen wir wieder über die Schluff-Strecke. Auf diesem Teilabschnitt durch St. Tönis schnauft schon lange keine Dampflok mehr. Unsere Räder rollen über glatten Asphalt, nicht über Gleise. Schon wenige Minuten später lassen wir die bebaute Stadt hinter uns und radeln durch Felder, Wiesen und Weiden.

Im weiten Bogen durch Kehn geht es Vorst entgegen, dem kleineren der beiden Tönisvorster Stadtteile. Vorbei an dem mittelalterlichen Adelssitz Gelleshof, der zu den ältesten Höfen im Kehn gezählt wird. Das typische Aussehen eines Rittergutes hat er allerdings verloren.

Einige Kilometer weiter passieren wir die Toreinfahrt zu Haus Donk, einem weiteren der insgesamt fünf Herrenhäuser in Vorst. Das schöne Rittergut liegt abgeschirmt im Grünen. Nur Dach und Turmspitze sind deutlich sichtbar. Immer wieder geben Hinweisschilder an Kreuzungen die Richtung vor. Der in der Ferne aufragende Kirchturm der Vorster Pfarrkirche St. Godehard ist ebenfalls ein guter Wegweiser. 100 Meter von ihm entfernt liegt Schlemmer-Etappenpunkt zwei.

Doch vor der nächsten Getränkebestellung führt die Feld-Wald- und Wiesen-Strecke an Höfen und Bauerngärten, Pferdekoppeln und Einfamilienhaus-Vorgärten vorbei. Zu gucken gibt’s genug. Wer sich zum Mittagessen gegen 13.15 Uhr angemeldet hat, hat Zeit für Foto-Pausen und Selfie-Stopps am Wegesrand. Das ist ein Muss am gepflegten Haus Neersdonk, der schneeweißen Sehenswürdigkeit. Das Herrenhaus unweit des Gotthardusweges mit seinen Kreuzwegstationen stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es ist bewohnt und wird bewirtschaftet.

„Himmelsgucker“ warten entlang der Strecke. Genauer gesagt an einem Aussichtspunkt, für den man sich unbedingt einige Minuten Zeit nehmen sollte. Es handelt sich dabei um geschwungene Liegebänke, die zur Himmelsschau und in aufrechter Sitzposition zu einem Blick über den See am Kiesausgrabungspunkt Graverdyk einladen.

Die Strecken-Halbzeit liegt längst hinter uns. Die nächste Rast ruft. Im einladenden Kulturcafé Papperlapapp mitten in Vorst muss man sich entscheiden: drinnen oder draußen? Beides hat seinen Reiz. Die gemütliche Stube mit Blick auf die Limetten-Torte in der Vitrine? Oder doch der Innenhof? Bei schönem Wetter bekommt er zweifellos den Zuschlag. Schlemmen unterm Sonnenschirm, abgeschirmt vom Alltag – die Ruhe des Hofes ist eine Wohltat.

Das Aufsitzen nach Rast Nummer zwei fällt bereits deutlich schwerer als beim Start am Morgen. Die nächste und letzte Genuss-Station hat der Veranstalter tatsächlich zur besten Kaffee- und Kuchen-Zeit eingeplant. Die Radelstrecke dorthin führt mitten durch die Huverheide, das Obstanbaugebiet von Tönisvorst. Längst wachsen hier nicht mehr nur Äpfel, die der Stadt „typisch Tönisvorst“ den Beinamen gaben. Wir radeln auf den Wegen durch die Plantagen, vorbei an Kirsch-, Birnen- und Aprikosenbäumen, an Feldern mit hochgebundenen Beerenzweigen und Wildblumen am Wegesrand. Irgendwie stellt sich schon wieder Appetit ein.

Da kommt der Stopp im St. Töniser Obsthof von Rudolf Steves gerade recht. Kaffee? Ein Stück Kuchen? Dazu ein Glas Apfelcidre? Zweimal sagen wir nicht nein. Unsere Kuchenstücke werden aber eingepackt und später im Fahrradkorb mit nach Hause genommen. Im täglich geöffneten Obsthof kann man drinnen oder draußen Platz nehmen. Wenn das Wetter stimmt, ist der mit Blumen dekorierte Innenhof ein Platz an der Sonne. Wir sind uns einig: Hier will man sitzenbleiben, bis der Hofladen schließt.

Nach einem Abendessen verlangt nach diesem Tag in der Apfelstadt aber niemand mehr. Wir jedenfalls nicht.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Ein Brief an Greta Thunberg

Ein Brief an Greta Thunberg

Tote Rentnerin in Wuppertal: Tatverdächtiger gefasst

Tote Rentnerin in Wuppertal: Tatverdächtiger gefasst

Kasino könnte die Kasse klingeln lassen

Kasino könnte die Kasse klingeln lassen

Jetzt fahren Rollstühle auch Treppen hoch

Jetzt fahren Rollstühle auch Treppen hoch

Der Protest gegen A-3-Ausbau wird stärker

Der Protest gegen A-3-Ausbau wird stärker

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren