Wehrhahn-Prozess

Anwalt: „Mandate kosten mich Freundschaften“

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Olaf Heuvens (l.) mit dem Angeklagten Ralf S. Ihm wurde der Wehrhahn-Anschlag zur Last gelegt. Der Prozess endete mit einem Freispruch. 

DÜSSELDORF Olaf Heuvens war unter anderem Verteidiger beim Prozess um den Wehrhahn-Anschlag.

Das Gespräch führte Dieter Sieckmeyer

Jeder Angeklagte hat das Recht auf eine Verteidigung. Doch es gibt Mandanten, die von vielen Anwälten abgelehnt werden. Olaf Heuvens nimmt auch schwierige Fälle.

Herr Heuvens, mit Ralf S., der wegen des Wehrhahn-Anschlags angeklagt war, und Werner C., der einen Schweizer Jungen entführt hatte und jetzt wieder vor Gericht stand, haben Sie zwei Mandanten vertreten, die viele Ihrer Kollegen abgelehnt haben. Warum haben Sie die Aufgabe trotzdem übernommen?

Olaf Heuvens: Das ist nichts Schönes, eine Person zu verteidigen, die wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt ist. Aber als Rechtsanwalt bin ich wie Richter oder Staatsanwälte ein Organ der Rechtspflege. Meine Aufgabe ist es, Mandanten so gut es geht zu verteidigen. Darauf haben sie einen Anspruch. Man kann nicht einfach bestimmte Themen aussparen. Das muss ich wissen, wenn ich den Beruf ergreife. Beide Fälle sind völlig unterschiedlich.

Worin liegt der Unterschied?

Heuvens: Bei Ralf S. bin ich überzeugt davon, dass er unschuldig ist. Ich halte ihn weder intellektuell noch von seinen technischen Kenntnissen her in der Lage dafür, dass er den Anschlag begangen hat. Ich kann sein Verhalten in dem Prozess sogar verstehen. Er ist 14 Jahre lang wie kaum ein anderer überwacht worden und fühlt sich ungerecht behandelt. Ich halte es bei jemandem, der so viel redet, auch für ausgeschlossen, dass er so lange nichts sagt und dann plötzlich ein Geständnis ablegt.

Und bei Werner C.?

Heuvens: Das war völlig anders. Er ist bei unserer ersten Begegnung auf mich zugekommen und hat gesagt: „Herr Heuvens, ich brauche Hilfe.“ Hätte er anders reagiert und die Taten abgestritten, hätte ich das Mandat wahrscheinlich nicht übernommen. Natürlich sind die Taten abscheulich und schrecklich. Trotzdem war der Mann selbst auch Opfer. Ich sehe da auch andere Behörden und Institutionen in der Verantwortung. In dem Fall hat der ganze Staatsapparat versagt.

Haben Sie Reaktionen nach dem Ende der beiden Prozesse bekommen?

Heuvens: Ja. Nachdem Ralf S. freigesprochen wurde, war der Zuspruch von den Kollegen sehr positiv. Anders war es, als ich das Mandat für Werner C. übernommen habe. Das hat mich Freundschaften gekostet. Menschen haben plötzlich den Kontakt zu mir abgebrochen, weil sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Das hätte ich so nicht eingeschätzt. 

Würden Sie das Mandat noch einmal übernehmen?

Heuvens: Ja.

Zweifeln Sie manchmal an dem Rechtssystem?

Heuvens: Ich frage nicht danach, ob ich mich in einem Prozess beim Richter unbeliebt mache und danach keine Pflichtverteidigungen mehr zugewiesen bekomme. Es gibt aber bestimmt Anwälte, die versuchen, den Richtern zu gefallen. Das kann nicht richtig sein, denn der Mandant muss so gut es geht vertreten werden. Allerdings sind wir auf der anderen Seite an der Grenze des Machbaren. Mehr gibt das deutsche Rechtssystem nicht her.

DARUM GING ES BEI DEN FÄLLEN

RALF S. Der 51-Jährige wurde beschuldigt, den Bombenanschlag am S-Bahnhof Am Wehrhahn verübt zu haben. Dabei wurden zehn meist jüdische Sprachschüler zum Teil lebensgefährlich verletzt. Drei Frauen (damals 50, 48 und 24) und ein Mann (43) kamen aus Solingen, die 24-Jährige verlor ihr ungeborenes Baby. Der Prozess endete mit einem Freispruch.

WERNER C. Der Koch hatte den damals Zwölfjährigen aus der Schweiz nach Düsseldorf gelockt und in seiner Wohnung tagelang sexuell missbraucht. Dafür wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt. Während des Prozesses meldeten sich weitere Opfer. Dafür wurde C. zu 8,5 Jahren Haft Gesamtstrafe verurteilt und in die Psychiatrie eingewiesen.

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