Angeklagte aus Remscheid und Solingen: Großprozess steht vor dem Abschluss

Cannabis- und Kokain-Handel – Hauptangeklagter soll Gruppenmitglieder brutal bestraft haben

Von Dirk Lotze

Solingen/Wuppertal Ein Großprozess um internationale Drogengeschäfte in der Solinger Innenstadt steht vor dem Abschluss: Vor dem Landgericht Wuppertal beantragte die Staatsanwaltschaft am gestrigen Mittwoch Haftstrafen von bis zu acht Jahren und zehn Monaten gegen sechs Angeklagte aus Solingen und Remscheid im Alter von 23 bis 32 Jahren. Zu brutalen Bestrafungsaktionen beim Umschlag von Cannabis und Kokain hatten Zeugen erstmals im Gericht ausgesagt. Dazu laufen bereits neue Ermittlungen gegen den 32-jährigen Hauptangeklagten. Der Mann hat auf 190 000 Euro verzichtet, die bei ihm sichergestellt wurden. Sein Coupé soll das Gericht als Tatwerkzeug einbeziehen.

Drehpunkt des Geschehens zwischen Frühjahr und Herbst 2019 war ein früheres Lokal des Hauptangeklagten. Kunden sollen per Handy-Anruf bestellt haben. Das Verfahren konzentriert sich auf die Beschaffungsfahrten: Vier der Angeklagten sollen im Oktober 2019 sieben Mal in wechselnder Besetzung Cannabis aus Holland und Kokain aus Dortmund geholt haben. Dazu gibt es umfangreiche Telefonmitschnitte und Überwachungsdaten. Das Cabrio habe die Fahrt eines zweiten, unauffälligen Wagens abgesichert, des eigentlichen Transportfahrzeugs. So sei man Kontrollen der Polizei ausgewichen.

Die Vorwürfe hatten die Angeklagten bereits zu Prozessbeginn im September 2020 bestätigt – nur wurden dadurch für die Richterinnen und Richter Fragen aufgeworfen: Die überwiegend kleinen Mengen Cannabis und Kokain für wenige Tausend Euro passten nicht zum großen Aufwand mit mehreren Autos bei den Fahrten. Geschürt wurden die Zweifel von dem großen Bargeldfund und einer Cannabis-Menge von 12,1 Kilogramm in Top-Qualität bei der Festnahme der Beteiligten. Es folgte eine akribische Spurensuche.

Als Strafe: Schuss in den Oberschenkel vor Zeugen

Das Ergebnis: Hinsichtlich der Kurierfahrten wurden zusätzliche Einzelheiten bekannt, die Mengen bleiben aber wie angeklagt. Dazu kamen allerdings erschreckende Zeugenaussagen: Der Hauptangeklagte soll einem Gruppenmitglied vor Zeugen in einen Oberschenkel geschossen haben, nachdem Drogen abhandengekommen waren. Einem anderen Mann habe er über Stunden mit einem Aschenbecher immer wieder ins Gesicht geschlagen, bis der schwer verletzt war – auch das vor Zeugen und teils zu deren Abschreckung. Dazu muss sich der Mann in einem eigenen Prozess verantworten. Zum Wochenende wird das Urteil erwartet.

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