Stadt will Situation beobachten

Amazon: Verteilzentrum soll im November starten

Bis zu 370 Lieferfahrzeuge sollen täglich das neue Verteilzentrum von Amazon an der Dieselstraße nutzen.
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Bis zu 370 Lieferfahrzeuge sollen täglich das neue Verteilzentrum von Amazon an der Dieselstraße nutzen.

Bürgerverein und Lokalpolitik warnen vor Verkehrsproblemen.

Von Manuel Praest

Wuppertal. Amazon will sein Verteilzentrum an der Dieselstraße in Langerfeld im November in Betrieb nehmen. 350 bis 370 Vans, laut Konzern Lieferfahrzeuge der Vito-Klasse, werden täglich dort ein- und ausfahren. Im nächsten Jahr könnte der Verkehr in dem Bereich dann noch einmal zunehmen: Bekanntlich zieht die Recycling- und Baustofffirma Ernenputsch von Ronsdorf auf das ehemalige Metrogelände direkt gegenüber an der Dieselstraße. 150 Fahrzeugbewegungen pro Tag sind zu erwarten, heißt es von der Geschäftsführung.

Zahlen, die schon vor dem Start Bürger und Lokalpolitik in Sorge versetzen. Tenor: „Der Verkehr wird ein Problem.“ Margret Hahn, Vorsitzende des Bürgervereins Langerfeld, macht keinen Hehl daraus, dass sie den Lastverkehr am liebsten aus dem Ortskern heraushalten würde. Eine Haltung, die größtenteils auch die Bezirksvertretung vertritt.

Radspur statt Autospur auf der B7 lehnt die Politik ab

Die Diskussion spielte zuletzt auch in die Planung der sogenannten Achse 6 des Radverkehrskonzeptes hinein. Die Idee der Verwaltung, auf der B7 zwischen Kohlenstraße und Anschlussstelle A1 einen Radweg einzurichten, lehnte das Stadtteilgremium erst einmal ab. Begründung: Das würde auf Kosten jeweils einer Autofahrspur gehen. Anderswo im Tal habe man auch Lösungen parallel zur B7 gefunden, hatte Bezirksbürgermeister Eberhard Hasenclever (SPD) in der BV erklärt. „Für alles gibt es Bürgerbeteiligung. Hier nicht. Sowas kann man nicht machen ohne die Menschen vor Ort.“

Eine Spur weniger für den Verkehr würde die Probleme verschärfen, ist auch Hahn überzeugt. Wozu gerade mehr Lkw führen, habe Langerfeld erst kürzlich wieder erfahren müssen, erzählt Karl Grünewald (CDU), der stellvertretende Bezirksbürgermeister: Weil auf der A 46 aufgrund eines Unfalls nichts mehr ging, hätten die Navis die Fahrer durch das Langerfelder Zentrum geführt. „Dann ging hier für zwei Stunden auch nichts mehr“, erinnert sich Grünewald. Seit Jahren kämpfe die BV zudem für einen Umbau der Straße und für eine bessere Radwegeführung, betont Grünewald.

Die Unternehmen – Amazon und Ernenputsch – haben im Zuge der Planung Verkehrskonzepte vorlegen müssen. „Es waren insgesamt diverse Gutachten notwendig“, sagt Andreas Schmitz, Geschäftsführer von Ernenputsch.

Bei der Stadt zeigt man sich überrascht ob der Kritik aus dem Wuppertaler Osten. Verkehrsdezernent Frank Meyer, der auch Pate der Bezirksvertretung Langerfeld-Beyenburg und damit regelmäßig Gast der Sitzungen ist, sei keine Kritik aus dem Gremium bekannt geworden, heißt es aus dem Rathaus. Nichtsdestotrotz werde die Stadt die Situation beobachten und bei Problemen nachsteuern.

Dass die Stadt von Kritik aus Langerfeld nichts wisse, sorgt bei Grünewald allerdings für ein Lächeln. „Die BV wurde ja auch gar nicht beteiligt.“ Von dem Großprojekt habe er, wie so viele, eher zufällig erfahren: Auf dem Neujahrsempfang des Bürgervereins Langerfeld im Januar hatte OB Andreas Mucke von der Ansiedlung des Logistikriesen erzählt. Im Nachhinein, so war zu hören, war ihm die aus Sicht der Stadt frohe Kunde, aber wohl eher „herausgerutscht“. In die Öffentlichkeit sollte die Info zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht. Auch im Stadtentwicklungsausschuss war Amazon zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema, sagt der Ausschussvorsitzende Michael Müller.

Dabei ist der Verkehr nicht der einzige Kritikpunkt. Dass auf der Fläche von 7800 Quadratmetern gerade mal rund 160 Arbeitsplätze bei Amazon entstehen, wird von vielen ebenso negativ gesehen wie der Ruf, was die Bezahlung der Mitarbeiter angeht. Verdi sprach gegenüber unserer Redaktion vom „Lohndrücker der Branche“. Ein Vorwurf, gegen den Amazon sich zur Wehr setzte. Das Unternehmen zahle am oberen Ende vergleichbarer Jobs, biete Zusatzleistungen und „hervorragende Möglichkeiten zur Weiterentwicklung“, hieß es.

Zahlen

Amazon: Circa 160 Arbeitsplätze; bei den Lieferpartnern werden ca. 400 Fahrer für die Auslieferung der Pakete zuständig sein; am Tag sind zwischen 250 und 370 Vans im Einsatz; das Gebäude ist rund 7800 Quadratmeter groß. Zum Investitionsvolumen macht der Konzern keine Angaben.

Ernenputsch: Die ehemalige Metro-Fläche betrögt 38 00 Quadratmeter. Aktuell betreibt das Traditionsunternehmen in Ronsdorf ein Recyclings- und Baustoffzentrum auf einer Fläche von rund 15 000 Quadratmetern. Ernenputsch beschäftigt 70 Mitarbeiter, der Fuhrpark umfasst rund 40 Fahrzeuge, darunter zahlreiche Spezialfahrzeuge. In den Standort in Langerfeld investiert Ernenputsch laut Geschäftsführer Andreas Schmitz einen knapp zweistelligen Millionenbetrag.

Post: Die DHL fährt von der neuen Zustellbasis an der Schwesterstraße mit bis zu 100 Lieferwagen aus. Zum Start im Sommer dieses Jahres waren es erst einmal nur 43. 8000 Sendungen sollen täglich von dort ausgeliefert werden.

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