Flucht

Als Sportlehrer von Bosnien nach Beyenburg

Hamdija Kubura flüchtete als Kind vor dem Krieg in Bosnien und Herzegowina - heute ist er Sportlehrer in Wuppertal. Foto: Anna Schwartz
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Hamdija Kubura flüchtete als Kind vor dem Krieg in Bosnien und Herzegowina - heute ist er Sportlehrer in Wuppertal.

Hamdija Kubura kam als Flüchtling nach Deutschland, musste zurück in seine Heimat – und unterrichtet heute Schüler auch in Solingen

Von Stephan Eppinger

Wuppertal. In den vergangenen Wochen musste sich der Wuppertaler Hamdija Kubura damit abfinden, dass er seinen Job als Sportlehrer nicht in der Halle, sondern vom Homeoffice aus ausüben musste. „Das ist eine Herausforderung, aber man muss kreativ sein und die zwölf Unterrichtsstunden, die ich gebe, möglichst kreativ nutzen. Das reicht von der digitalen Fitnessstunde mit Dehnübungen bis zur Online-Beratung der Schüler bei Themen wie Sport, Bewegung und Ernährung“, berichtet der 30-Jährige.

Mit seinem Job als Sportlehrer ist der Wuppertaler, der seine Wurzeln in Bosnien und Herzegowina hat, absolut zufrieden und das, obwohl er ursprünglich als Sportmanager im Profifußball arbeiten wollte. „Ich habe mehr Spaß am Lehramt, als ich mir das hätte vorstellen können. Der soziale Aspekt ist mir da sehr wichtig. Es ist schön, der jungen Generation etwas weitergeben zu können. Mein Ziel ist es, so bald wie möglich über weitere Jobs an Schulen 30 Unterrichtsstunden zu geben und damit in Vollzeit zu arbeiten.“

Kubura floh 1992 hierher, musste 1999 wieder gehen

Erstmals nach Deutschland gekommen ist Kubura 1992 als Zweijähriger, der mit seiner Familie vor dem Balkankrieg nach Oberhausen geflohen war. „1999 mussten wir dann wieder in die alte Heimat zurück, weil Bosnien und Herzegowina als sicheres Land angesehen wurde. Das war für mich als Neunjähriger extrem schwer. Ich war hier im Kindergarten und in der Grundschule. Als Kind hatte ich Fuß gefasst und Freunde gefunden. In meiner Muttersprache war ich nicht gerade perfekt.“ In Bosnien und Herzegowina absolviert er den Rest der Grundschule und das Gymnasium. Schnell steht der Entschluss fest, Sportwissenschaften zu studieren. „Eigentlich wäre ich dazu gerne nach Deutschland zurückgekehrt, aber die bürokratischen Hürden waren einfach zu hoch.“ So studiert er in Sarajevo und macht dort nach sechs Semestern seinen Bachelor und nach weiteren vier Semestern seinen Masterabschluss. „Sarajevo ist die Sport-uni auf dem Balkan. Da waren auch viele prominente Sportler. Das ist in etwa vergleichbar mit der Deutschen Sporthochschule in Köln.“

Den Weg zum Master absolviert Kubura im Bereich Sportmanagement. „Mein Ziel war es, im Profifußball zu arbeiten. Ich habe bei mehreren Vereinen und beim nationalen Fußballverband dafür Praktika absolviert.“ Der Fußball war ihm schon immer wichtig. Bis zum 20. Lebensjahr spielte der Bayern-Fan in Bosnien und Herzegowina bei einem Klub auf Bezirksliganiveau. „Leider konnte ich damit mein Studium nicht finanzieren und habe dann als Verkaufsberater bei den Niederlassungen von deutschen Unternehmen in Sarajevo gearbeitet. Zuletzt hatte ich es sogar geschafft, den Posten als Sales Director zu bekommen. Der Vorteil war, dass ich bei dieser Arbeit mein Deutsch auffrischen konnte.“

Der Wunsch nach der Rückkehr nach Deutschland besteht auch nach dem Studium weiter. „Dafür muss man aber mindestens zwei Jahre lang in einem sogenannten Mangelberuf arbeiten, wo Arbeitssuchende dringend gebraucht werden. Da ich sehr affin für Informatik war, habe ich drei Jahre beim Subunternehmen eines Telekommunikationsanbieters gearbeitet.“

Zweites Standbein in Solingen

Dann kommt der Wunsch, im alten Studienberuf einen Job zu finden. „Leider hatte ich im Profifußball nur wenige Kontakte, und da kam der Vorschlag von einem Freund, als Seiteneinsteiger im Lehramt anzufangen.“ Doch der Weg dorthin erweist sich als steinig: „Bei 60 Bewerbungen kamen 50 Absagen zurück. Meine Chance habe ich beim Ita-Wegman-Berufskolleg in Beyenburg bekommen, wofür ich sehr dankbar war. Allerdings dauerte die Einarbeitung etwa ein halbes Jahr, weil ich mit dem deutschen Schulsystem nicht vertraut war. Da hat mir mein Arbeitgeber viel Geduld und Vertrauen entgegengebracht.“ Eine zweite Stelle als Sportlehrer findet Kubura bei der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft in Solingen.

Dass er ins Bergische Land kam, lag übrigens an seiner damaligen Freundin, die heute seine Frau ist. „Ich bin nach dem Studium zunächst im schwäbischen Kirchheim unter Teck gewesen. Meine damalige Freundin war Krankenpflegerin in Wuppertal und so bin ich dann schließlich auch hergezogen.“

Berufskolleg

Das Ita-Wegman-Berufskolleg ist eine anerkannte Ersatzschule für Ausbildungen in sozialen Berufen. Die Einrichtung, die in Beyenburg Am Kriegermal beheimatet ist, orientiert sich nach eigenen Angaben am ganzheitlichen Menschenbild der Anthroposophie. Benannt wurde es nach Ita Wegman, einer Ärztin, die zusammen mit dem Anthroposophen Rudolf Steiner Wegbereiterin der anthroposophischen Medizin war.

https://fachschule-wuppertal.de/

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