Medizinische Versorgung

Als der Traum vom Gesundheitszentrum platzte

Wolfgang Peetz bedauert heute noch, dass das Gesundheitszentrum für Wülfrath nicht realisiert werden konnte. Foto: Ulrich Bangert
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Wolfgang Peetz bedauert heute noch, dass das Gesundheitszentrum für Wülfrath nicht realisiert werden konnte.

Wülfrath. Wuppertaler Kliniken St. Antonius wollten Fachärzte nach Wülfrath bringen.

Von Andreas Reiter

Ein Foto aus den 1960er Jahren: Das Wülfrather Krankenhaus in seiner damaligen Pracht.

Das Wülfrather Krankenhaus blickte bis zur Schließung im Dezember 2006 auf eine mehr als 100-jährige, wechselhafte Geschichte zurück. Über den Versuch, dort trotzdem noch eine hervorragende medizinische Versorgung anzubieten, berichtet nun Wolfgang Peetz, der damals das Wülfrather Gesundheitszentrum der Kliniken St. Antonius als Verwaltungsdirektor geleitet hat. „Das war ein super Angebot für die Kalkstadt. Die medizinische Versorgung hat die Bereiche Gynäkologie, Allgemeinmedizin, Hautärzte, Augenarzt, Anästhesist, Schmerztherapeut und Internist (Privatambulanz) abgedeckt. Zudem hatten wir einen Top-Operationssaal“, sagt Wolfgang Peetz rückblickend.

„Vor allem der Internist Saria El Mohammed war eine Koryphäe, auch der Augenarzt Mohammed Al Kayem war sehr beliebt. Die Leute haben ihm die Praxis eingerannt“, sagt Wolfgang Peetz. Er war damals auch auf der Suche „nach dem einen oder anderen Facharzt, zum Beispiel Chirurgen“.

„Für eine Kleinstadt ist ein solches Fachzentrum ein enormer Gewinn.“

Wolfgang Peetz, ehemaliger Verwaltungsdirektor

Auch der ehemalige ärztliche Leiter des Wülfrather Krankenhauses, Ulrich Mairose, war als Facharzt für Innere Medizin (Privatambulanz) bekannt, beliebt und ein wichtiger Teil des Gesundheitszentrums. Insgesamt neun Fachärzte sollten für Patienten zur Verfügung stehen. „Ich setze auf Kooperation und wünsche mir eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten zum Wohle der Patienten. Ich wünsche mir aber auch, dass die Wülfrather das Juwel Gesundheitszentrum zu schätzen wissen. Für eine Kleinstadt ist ein solches Facharztzentrum ein enormer Gewinn, insbesondere für eine immer älter werdende Bevölkerung“, sagte Wolfgang Peetz in einem Interview am 3. November 2008.

Die Freien Aktiven Schulen hatten bereits das Gebäude gekauft

Das Gesundheitszentrum mit den verschiedenen medizinischen Angeboten war im OP-Trakt des ehemaligen Krankenhauses beheimatet. Die Freien Aktiven Schulen hatten bereits das komplette Gebäude und Flächen für den Schulhof und eine Sporthalle gekauft. In den früheren Bettentrakt zog zunächst die Schule ein. „Wir hatten einen Mietvertrag“, so Wolfgang Peetz. Die Kapelle sollte für Vortragsveranstaltungen und für gesundheitsnahe Dienstleistungen wie etwa Physiotherapie vermietet werden.

Während es um das Vorhaben Wülfrather Gesundheitszentrum Ende des Jahres 2008 noch sehr rosig bestellt schien, stoppte laut Wolfgang Peetz im Folgejahr eine Klage der Kassenärztlichen Vereinigung alle angelaufenen Bemühungen. Niedergelassene Ärzte hatten offenbar die Konkurrenz in der eigenen Stadt nicht gewollt. „Die internistische Praxis durfte nicht kassen–ärztlich tätig werden, damit konnte das Gesundheitszentrum nicht wirtschaftlich betrieben werden“, erklärt Wolfgang Peetz, der das Ende im Jahr 2009 bis heute immer noch als verpasste Großchance ansieht, die medizinische Versorgung in Wülfrath zu optimieren. „So ein Angebot in so einer kleinen Stadt, alles unter einem Dach, das wäre es gewesen. Heute muss man fahren, wenn man zum Beispiel zu einem Dermatologen muss“, sagt er.

Als Verwaltungsdirektor musste Wolfgang Peetz das Gesundheitszentrum 2009 abwickeln, inklusive Mobiliar, alten Patientenakten und alten Röntgenaufnahmen. „Ich bin in diesem Haus geboren und ich habe das Gebäude besenrein an Robert Freitag, den Geschäftsführer der Freien Aktiven Schulen, übergeben. Die Schlüsselübergabe werde ich nie vergessen“, beschreibt er die Situation an dem Tag, als die medizinische Versorgung an diesem Standort endgültig Geschichte wurde.

Hintergrund

Zu den Aufgaben von Wolfgang Peetz als Verwaltungsdirektor zählten unter anderem Vertragsverhandlungen mit Stadt und evangelischer Kirche, Fragen bezüglich des Personals und der Organisation, Rechtsfragen rund um das Gesundheitszentrum und alle Finanzangelegenheiten sowie das Marketing.

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