Abwasser: Wuppertal ist teuerste Großstadt

Remscheider und Solinger zahlen viel weniger. Grund seien steile Straßen und eine Wuppertaler Besonderheit, sagt Johannes Slawig.

Von Katharina Rüth

Bergisches Land. Beim Vergleich der Abwassergebühren schneidet Wuppertal nicht gut ab. Eine Musterfamilie (zwei Erwachsene, zwei Kinder) bezahlt derzeit pro Jahr 843,50 Euro, weit über dem Landesdurchschnitt von 723,34 Euro. Das hat der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen in einer aktuellen Erhebung festgestellt. Die Höhe der Gebühren liege unter anderem an der speziellen Wuppertaler Topographie, erläutert Stadtkämmerer Johannes Slawig (CDU).

Die Musterfamilie lebt in einem Haus mit 130 Quadratmetern überbauter Fläche und verbraucht 200 Kubikmeter Frischwasser im Jahr. Am niedrigsten liegen die Gebühren in Reken im Kreis Borken: Dort bezahlt die Musterfamilie nur 246,50 Euro im Jahr. Die höchsten Gebühren muss sie in Monschau zahlen: 1231,60 Euro.

Wuppertal bewegt sich im Vergleich von rund 400 Kommunen in NRW in der oberen Hälfte. Auch im Ranking der zehn größten NRW-Städte hat sie einen negativen Spitzenposten.

Kämmerer Johannes Slawig nennt drei Hauptgründe. Erstens: Wegen der Topographie braucht das Kanalsystem Pumpen, zudem ist es in den steilen Straße Wuppertals teurer, Kanäle zu legen und zu warten. Zweitens: „Wir haben ein getrenntes System für Niederschlagswasser und Abwasser.“ 95 Prozent der Leitungen seien doppelt vorhanden. Das ist ökologisch besser, aber auch teurer in der Wartung. In Wuppertal wurde das vor 100 Jahren so angelegt. Drittens: „Unser Kanalnetz ist ausgerichtet auf 450 000 Einwohner, wir haben aber 90 000 weniger.“ Dadurch würden die Kosten auf weniger Personen umgelegt.

Slawig: Andere Kommunen haben hohe Investitionen noch vor sich

Und dann gibt es noch die Kosten, die bereits ins Kanalsystem investiert wurden, etwa 170 Millionen Euro für den Bau des Wuppersammlers, die sich durch Abschreibungen und Verzinsung niederschlagen. „Das sind Investitionen, die andere Städte noch vor sich haben.“ Immerhin sei es gelungen, die Gebühren seit 2013 nicht mehr zu erhöhen.

Hermann-Josef Richter, Vorsitzender des Eigentümerverbands Haus und Grund Wuppertal und Umgebung, ist sich der besonderen Umstände Wuppertals bewusst. Aber er warnt: Im Wettbewerb mit den Nachbarstädten seien hohe Gebühren ein Standortnachteil.

VERGLEICH

ABWASSERGEBÜHREN Mit Abwasser dürfen Kommunen keine Gewinne machen, es werden also nur reale Kosten umgelegt. Die höheren Kosten auf dem Land resultieren meist aus höheren Unterhaltungskosten durch verzweigtere Rohrnetze.

VERGLEICH So viel zahlt die Musterfamilie laut Berechnung des Steuerzahlerbundes in der Region:

BURSCHEID 999,70 Euro (2018 waren es 1018,00 Euro)

HÜCKESWAG. 896,90 € (911,60 €)

LEICHLINGEN 911,50 € (932,10 €)

RADEVORM. 777,10 € (736,60 €)

REMSCHEID 699,40 € (693,40 €)

SOLINGEN 734,70 € (703,55 €)

WERMELSK. 820,90 € (832,10 €)

WUPPERTAL 843,50 € (843,50 €)

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

400 Gäste bei Nikolaus-Küchenparty auf Schloss Burg
400 Gäste bei Nikolaus-Küchenparty auf Schloss Burg
Wenn die Kita plötzlich geschlossen bleibt
Wenn die Kita plötzlich geschlossen bleibt
Lichtscheid: Umbau ab Frühjahr 2020
Lichtscheid: Umbau ab Frühjahr 2020
Streit um neue Feuerwehrwohnungen
Streit um neue Feuerwehrwohnungen

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren