863 bewilligte Anträge

Hochwasser-Soforthilfe: Anzeigen wegen Betrugs

Das Hochwasser im Juli 2021 hat vor allem in Beyenburg (Foto) und in der Kohlfurth große Schäden verursacht.
+
Das Hochwasser im Juli 2021 hat vor allem in Beyenburg (Foto) und in der Kohlfurth große Schäden verursacht.

Wuppertal. Das Hochwasser im Juli 2021 hat in Wuppertal viele Häuser beschädigt und in manchem Keller Eingelagertes zerstört.

Von Katharina Rüth

Schnelle Unterstützung war die Soforthilfe des Landes – bis zu 3500 Euro pro Haushalt. Einige Wuppertaler versuchten, diese Hilfsbereitschaft des Landes auszunutzen. Zur Anzeige gekommen sind aber nur wenige Fälle.

Zuständig für die Annahme der Anträge war die Stadt, Anträge konnten bei den Geschäftsstellen der Jobcenter und online gestellt werden. Nach Angaben der Stadt wurden insgesamt 1770 Anträge von Privatpersonen gestellt, knapp 400 von Gewerbetreibenden. Von Privatpersonen gingen 52 Anträge erst nach Ablauf der Frist am 31. August 2021 ein und konnten deshalb nicht bewilligt werden. Von den rechtzeitigen Anträgen wurden mehr als die Hälfte entweder abgelehnt oder von den Antragstellern zurückgezogen – insgesamt 907.

Stadtsprecherin Martina Eckermann berichtet, dass Jobcenter-Mitarbeiter in Zweifelsfällen die Angaben vor Ort überprüft haben. Dass ein Antrag wohl nicht berechtigt war, „war manchmal schon an der Adresse erkennbar“, erklärt sie. Denn Anträge aus Quartieren, die nicht vom Hochwasser betroffen waren, fielen natürlich auf. Nur einige wenige Fälle seien darunter gewesen, in denen zwar kein Wupperwasser ins Haus gelaufen, aber unglücklich geleitetes Regen- oder Bachwasser Schäden verursacht hat.

War bei Besuchen der Jobcenter-Mitarbeiter offensichtlich, dass die Angaben nicht stimmten, „wurden die Anträge oft zügig zurückgezogen“, sagt Martina Eckermann. In solchen Fällen seien auch keine Anzeige erstattet worden.

Nur wenn die Antragsteller trotz Nachfrage auf ihrem Antrag bestanden, gab es Anzeigen, Martina Eckermann spricht von „ganz wenigen“ und „keine Handvoll“. Wolf-Tilman Baumert, der zuletzt viele Betrugsfälle mit Coronahilfen auf dem Tisch hatte, hat jetzt den einen oder anderen Fall mit Betrug bei Soforthilfen in den Akten. Zahlen kann er aber nicht nennen, weil die Statistik unter den Betrugsfällen nicht die mit Hochwasser-Soforthilfe gesondert erfasst.

Ein Fall ist Baumert aber im Gedächtnis: Da hatte jemand Schäden an zahlreichen Geräten angemeldet, die im Keller durch Wasser zerstört worden sein sollten. Weil es in dem Stadtbereich durchaus Schäden durch den Schwarzbach gab, schien der Antrag glaubwürdig. Dennoch prüften die Jobcenter-Mitarbeiter die Angaben und klingelten auch bei den Wohnungsnachbarn. Von denen erfuhren sie dann, dass es nur einen Gemeinschaftskeller gibt und dieser komplett trocken geblieben ist. Den Antragsteller erwartet ein Verfahren wegen Betrugs. „Auch da hat die Gelegenheit Täter gemacht“, sagt Baumert.

Auch Martina Eckermann berichtet, dass einige offenbar versucht haben, durch die Soforthilfe alte Schäden ausgleichen zu lassen. Die Versuchung habe auch am Verfahren gelegen: „Wichtig war die unbürokratische und schnelle Umsetzung. Die Botschaft war, dass schnell geholfen wird.“ Das sei auch so geschehen: „Wir haben schnell viel Geld ausgezahlt“ Aber auch die Kontrolle habe sofort stattgefunden: „In der Hochzeit wurden täglich Schadensorte besichtigt.“ Insgesamt wurden 863 Anträge bewilligt und über zwei Millionen Euro an Soforthilfe an Privatleute ausgezahlt, bei den Gewerbetreibenden waren es rund 1,2 Millionen Euro.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Hagelschauer im Bergischen: Drei Unfälle auf den Autobahnen
Hagelschauer im Bergischen: Drei Unfälle auf den Autobahnen
Hagelschauer im Bergischen: Drei Unfälle auf den Autobahnen
Pizzafahrer fährt in Wuppertal eine Treppe runter und bleibt stecken
Pizzafahrer fährt in Wuppertal eine Treppe runter und bleibt stecken
Pizzafahrer fährt in Wuppertal eine Treppe runter und bleibt stecken
„Es geht nicht ums Geld, es geht um die Moral“
„Es geht nicht ums Geld, es geht um die Moral“
„Es geht nicht ums Geld, es geht um die Moral“
Stichwahl in Wuppertal: Der Tonfall wird schärfer
Stichwahl in Wuppertal: Der Tonfall wird schärfer
Stichwahl in Wuppertal: Der Tonfall wird schärfer

Kommentare