Obdachlosigkeit

600 Wuppertaler haben keine eigene Wohnung

In Wuppertal gibt es verschiedene Möglichkeit, in Unterkünften unterzukommen. Doch nicht jeder Obdachlose möchte das Angebot auch nutzen. Foto: Anna Schwartz
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In Wuppertal gibt es verschiedene Möglichkeit, in Unterkünften unterzukommen. Doch nicht jeder Obdachlose möchte das Angebot auch nutzen.

Bis zu 40 Menschen schlafen auch bei eisigen Temperaturen jeden Tag draußen.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Unter der B7-Brücke an der Ohligsmühle ist eine wilde Müllkippe entstanden. Auf den ersten Blick. Beim genauen Hinsehen ist dort zwischen Jacken, Tüten, Planen, Büchern, Matten und einem bunten Regenschirm ein schlafender Mensch zu erkennen. Auch jetzt, wo in der Nacht die Temperatur unter den Gefrierpunkt fällt, liegt er da. Kümmert sich da keiner?

Doch. Stadt und Diakonie schicken aktiv Streetworker zu den sogenannten „Draußenschläfern“. Laut Sozialdezernent Stefan Kühn gibt es aktuell 30 bis 40 Menschen, die regelmäßig unter freiem Himmel nächtigen. Die Stadt bietet ihnen – dazu ist sie rechtlich verpflichtet – eine Schlafstelle an. Doch einige schlagen dieses Angebot immer wieder aus. Auch unter der B7-Brücke ist die helfende Hand nicht erwünscht.

„Uns ist der Fall bekannt“, sagt Sozialarbeiter Klaus Krampitz von der Zentralen Beratungsstelle für Obdachlose bei der Diakonie. Ohne auf den konkreten Fall näher eingehen zu wollen, nennt Krampitz einige Gründe dafür, warum Menschen lieber draußen schlafen als in einer der Obdachlosenunterkünfte von Stadt und Diakonie.

Krampitz sagt: „In der Notschlafstelle gelten gewisse Regeln.“ So ist dort etwa der Konsum von Alkohol und Drogen verboten. „Wenn mein Suchtdruck zu groß ist, bleibe ich lieber draußen“, erklärt der Sozialarbeiter. Außerdem schlafen die Menschen in der Unterkunft für Männer an der Friedrich-Ebert-Straße in einem Schlafsaal mit anderen zusammen. „Auch das ist für manche ein Problem“, sagt Krampitz.

Im öffentlichen Raum zu campieren, ist nicht erlaubt

Eigentlich ist es nicht erlaubt, im öffentlichen Raum mit Zelt zu campieren und sein Hab und Gut über die Wiese zu verteilen. Aber Krampitz weiß, dass solche Schlafstellen in der Stadt geduldet werden – vor allem wenn sie versteckt gelegen sind und keine Gefahr von ihnen ausgeht. Wenn etwa an einer Schlafstelle herumliegende Spritzen ein Verletzungsrisiko darstellen, steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Stadt das Lager räumt.

Krampitz warnt davor, bei diesen Menschen – gerade wenn sie sich bewusst versteckt halten – ins Wohnzimmer zu marschieren. „Einige wollen in Ruhe gelassen werden“, sagt er. Die Reaktion auf ein Ansprechen könne auch Aggression sein. Das müssen die Streetworker immer mal wieder erfahren. Krampitz rät Menschen, die sich Sorgen um einen Obdachlosen machen, dazu, das Ordnungsamt anzurufen.

Zudem hat die Stadt eine Kältehotline geschaltet (Tel. 5 63-40 20). Dort können sich Bürger melden, die Obdachlose bei lebensgefährlicher Kälte vorfinden. Diese Nummer wurde im November und Dezember bereits 122 Mal gewählt. Juliane Steinhard aus dem Bereich Sozialplanung der Stadt ordnet ein: „Das ist mehr als noch im vergangenen Jahr.“ Auch die Belegung der Obdachlosenunterkünfte steigt wieder an, auf derzeit 70. An der Friedrich-Ebert-Straße schlafen derzeit bis zu neun Männer, im Hopster-Fiala-Haus an der Deweerthstraße bis zu 14 Frauen. Zusätzlich werden Obdachlosen an der Hermannstraße spartanische Wohnungen zur Verfügung gestellt, die allein oder mit mehreren Personen belegt werden.

In der Pandemie wurde das Angebot mit den Wohnungen ausgeweitet, um die Ansteckungsgefahr im Gruppenschlafsaal an der Friedrich-Ebert-Straße zu verringern. „Wir haben die Belegung entzerrt“, so Sozialdezernent Stefan Kühn. Kommen mehr Obdachlose, werden sie an die Hermannstraße verlegt. Das habe auch einen Vorteil, so Kühn: „Wir konnten mehr Menschen aus der Obdachlosigkeit an die Wohnfähigkeit heranführen.“

Der Weg zurück in eine eigene Wohnung ist für viele Obdachlose schwer. In der Pandemie wurde die Hürde noch einmal höher, sagt Steinhard. „Die Menschen bleiben inzwischen länger in den Unterkünften“, sagt sie. Nicht nur sei der Wohnungsmarkt auf dem infrage kommenden Sektor angespannt, es sei für Menschen, die sowieso Probleme mit Behördengängen haben, eine schwierige Situation. Steinhard sagt: „Vieles läuft nur noch telefonisch. Es ist schwerer, Behördentermine zu organisieren.“

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