Wer braucht schon Winter?

Überdachte Alternativen für das Skifahrvergnügen

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warten auf Schnee

Nach einem neuerlichen milden Winter ohne die rechte Menge an Schnee zum Skifahren warten nun noch schlechtere Nachrichten auf Wintersportbegeisterte.

Laut Schätzung der Bundesregierung dürften in den kommenden Jahren viele deutsche Skigebiete in den Alpen und den Mittelgebirgen ihren Status als schneesichere Region verlieren. Befürchtet wird eine Verlagerung der Schneegrenze um 300 Meter, als Gegenmaßnahme hilft vielfach nur die künstliche Beschneiung der Pisten.

Die gute Nachricht: Allein im Umkreis von rund 60 Kilometern um Solingen herum lassen sich zwei ganzjährig schneesichere Locations finden. Mit den Skihallen in Neuss und Bottrop steht ein Drittel aller deutschen Anlagen in Nordrhein-Westfalen, das Skifahrvergnügen liegt somit gewissermaßen vor der Haustür.

Jever Skihalle Neuss

Der Titel „Allrounder“, den die Neusser Skiregion in ihrem Internetauftritt trägt, ist angesichts der Möglichkeiten kaum übertrieben. Die älteste deutsche Skihalle – erbaut wurde sie vor mittlerweile 15 Jahren – versucht schon durch die Gestaltung der Piste ein möglichst breites Publikum anzusprechen. 

Die Skihalle in Neuss bei Düsseldorf

Das Gefälle der 300 Meter langen und 60 Meter breiten Abfahrt liegt bei bis zu 28 Prozent im oberen Teil, ein separater Hang mit moderaten 10 bis 15 Prozent Gefälle ist wiederum für Kinder und Anfänger die erste Wahl. Wie anspruchsvoll die Anlage ist, zeigt sich daran, dass sie sogar von den Profis genutzt wird: Sie dient den Mannschaften des Deutschen Skiverbands als Trainingshalle. 

Insgesamt drei Lifte – zwei Schlepplifte und ein Vierer-Sessellift – erleichtern den Besuchern den Aufstieg auf den 110 Meter hohen „Gipfel“. Für die Kleinen stehen mit den „Zauberteppichen“ eigens für sie hergerichtete Anfängerlifte bereit. 

Das Angebot an möglichen Aktivitäten ist ebenfalls breit gefächert. Abfahrer und Snowboarder gleichermaßen können die Piste nutzen, Kinder können die leichtere Abfahrt mit dem Schlitten in Angriff nehmen. Freestyler können ihre Tricks an den Obstacles des Funparks testen. Diese unterschiedlichen Aktivitäten setzen natürlich jeweils anderes Equipment voraus. Wer die Ausrüstung nicht erst vor Ort beschaffen möchte, sollte aufgrund der verschiedenen Anforderungen an die Ski eine entsprechende Beratung in Anspruch nehmen, die von Fachhändlern auch online angeboten wird

Sollte der Reiz dieser „herkömmlichen“ Wintersportaktivitäten nicht mehr groß genug, der Wunsch nach etwas Neuem dafür umso größer sein, besteht auch dazu die Gelegenheit: In der Halle stehen pistentaugliche Skibikes zur Verfügung, deren Handhabung Anfänger im Rahmen eines Kurses erlernen können. Darüber hinaus können sich Besucher natürlich auch abseits der Piste vergnügen, dafür sorgen eine Eisstockschießanlage und der 70 Stationen umfassende Kletterpark.

Alpincenter Bottrop

Kaum jünger als ihr Pendant in Neuss – die Eröffnung fand ebenfalls im Jahr 2001 statt – hat die Skihalle auf der Bergehalde der Zeche Prosper in Bottrop mit dem mehrfachen Skiweltmeister und Skiweltcupsieger Marc Girardelli einen ungleich prominenteren Initiator. Der hat dafür gesorgt, dass die längste Indoor-Skipiste der Welt tatsächlich im Ruhrgebiet liegt. Die ist insgesamt 640 Meter lang und 30 Meter breit und punktet zudem mit einer Kurve im Abfahrtsverlauf, die wie die schiere Länge ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Piste ist. 

Zwei Förderbänder bringen Abfahrtwütige auf den Gipfel, von dem aus verschieden anspruchsvolle Pistenabschnitte erreicht werden können. Fortgeschrittene wagen daher die Abfahrt im mittelschweren Bereich, Könner versuchen sich am sogenannten „Shredmill“ mit einem Gefälle von bis zu 24 Prozent. Anfängern hingegen steht ein eigener Seil-Lift zur Verfügung, der sie auf den „Anfängerhang“ hinaufbefördert. Bei allzu großer Unsicherheit auf den Brettern ist auch der Besuch von verschiedenen Kursen möglich. Freestyler finden auch in Bottrop mit einem eigenen Funpark ausreichend Gelegenheit, ihrer Vorliebe nachzugehen. 

Das Aktivitätenangebot des Alpincenters beschränkt sich aber weder auf das Skifahren im Speziellen, noch auf den Indoorbereich im Allgemeinen. Wer sich lieber drinnen aufhält, aber vorläufig genug vom Skifahren hat, kann es zur Abwechslung mit einem Ausflug auf die 800 Quadratmeter große Paintballanlage versuchen. In der Talstation besteht zudem die Möglichkeit, beim Indoor-Skydiving einmal abzuheben. Im Außenbereich wartet darüber hinaus eine Sommerrodelbahn. Die einen Kilometer lange Abfahrt bietet unter anderem einen 360° Kreisel und einen Tunnel sowie Spitzengeschwindigkeiten von 42 Stundenkilometern.

Niederländische Alternative: SnowWorld Landgraaf

Nachdem sich die Pläne für eine weitere Skihalle auf nordrhein-westfälischem Gebiet zerschlagen haben – die seit 2010 geplante Anlage in Oberhausen konnte letztlich doch nicht umgesetzt werden – handelt es sich bei der nächstgelegenen Alternative zu Neuss und Bottrop um die SnowWorld im niederländischen Landgraaf. 

Zehn Kilometer hinter der deutsch-niederländischen Grenze und damit rund 120 Kilometer von Solingen entfernt warten ganzjährig insgesamt 1,5 Pistenkilometer auf Anhänger des Wintersports. Die längste Abfahrt hat eine Länge von 520 Metern und liegt damit im weltweiten Vergleich auf Platz drei. Platz eins in Europa gebührt der Anlage wegen ihrer Gesamtgröße: 35.000 Quadratmeter umfasst die Skihalle, die sich zudem als die einzige Skihalle mit einer eigenen FIS-Rennstrecke bezeichnen kann. Theoretisch könnten in Landgraaf also überdachte Weltcuprennen stattfinden. 

Angesichts der Größe verwundern daher auch die fünf vorhandenen Pisten nicht, für die insgesamt acht Lifte zur Verfügung stehen. Neben vier Teppichliften zählt auch ein Sessellift für sechs Personen dazu. Der zu überwindende Höhenunterschied beträgt etwas mehr als 90 Meter, die Pisten bieten Abfahrtsmöglichkeiten für jeden Anspruch. Zwei leichtere Pisten für Anfänger finden sich im unteren Bereich der Anlage, eine weitere ist Kindern vorbehalten. Zu den übrigen beiden gehört die schon erwähnte FIS-Strecke, das Schwierigkeitsniveau richtet sich also eher an Fortgeschrittene. Auf Freestyler wartet auch in Landgraaf ein separater Funpark mit einer Vielzahl an Hindernissen, darunter ein Sprung über 10 Meter. Anleitungen im Rahmen von Ski- und Snowboardkursen der angeschlossenen Skischule sind hier selbstverständlich ebenfalls obligatorisch. 

tyrolienne

Über die Sommermonate besteht daneben die Möglichkeit, zahlreichen Aktivitäten außerhalb der Halle nachzugehen. Dazu zählt unter anderem der Kletterpark, der mit einer Gesamtfläche von 25.000 Quadratmetern der größte dieser Art in Europa ist. Der Park umfasst einen Hochseilgarten, eine Sommerrodelbahn und mehrere Ziplines. Die sind zum Teil über den sogenannten Adventure Trail zu erreichen, der weitere Hindernisse für Kletterfreudige bereithält.

Quelle: Solinger Tageblatt

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