Phänomen

Warum wir immerzu ans Essen denken

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Die Suche nach Nahrung ist ein Urinstinkt von Mensch und Tier. Aber was sich dabei genau im Gehirn abspielt, war bislang unbekannt. Nun haben Forscher das Rätsel gelöst.

Kühlschranktür auf, Kühlschranktür wieder zu - jeder kennt das wohl: selbst mit einer Portion Nudeln im Bauch riskieren wir einen Blick. Warum wir das überhaupt machen, war bislang ein Rätsel. 

Die Suche nach Nahrung ist ein angeborener Instinkt. Wenn unsere Gedanken jeden Tag mehrmals ums Essen kreisen, obwohl wir überhaupt keinen Hunger haben, ist das normal.  

Das Phänomen ist ein Überbleibsel der Evolution. Jagen und Sammeln waren in grauer Vorzeit für unsere Vorfahren überlebenswichtig. Doch uns führt das Phänomen zum Kühlschrank, in den Supermarkt oder zur Currywurstbude, selbst wenn wir nicht hungrig sind.

Was sich dabei genau im Gehirn abspielt, war bislang ein Rätsel. Aus Sicht von Neurowissenschaftlern ist dieser Vorgang jedoch hochinteressant, um möglicherweise Essstörungen wie Magersucht auf die Spur zu kommen.

Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin und dem Exzellenzcluster NeuroCure haben nun eine erste Erklärung für das Verhalten gefunden:

Im Gehirn von Mäusen haben die Forscher einen neuronalen Schaltkreis entdeckt, der die Nahrungssuche steuert. Verblüffend daran: Der Signalweg wird aktiv, auch wenn die Mäuse keinen Hunger hatten.

Nahrungssuche ohne Hunger

Nahrungssuche und Essverhalten werden im Gehirn unabhängig gesteuert, wie Dr. Tatiana Korotkova und Dr. Alexey Ponomarenko im Fachmagazin „Nature“ berichten.

„Geeignetes Futter zu finden, ist in der freien Natur ein zeitraubendes Unterfangen“, sagt Korotkova in einer FMP-Pressemitteilung, „deshalb beginnen Tiere schon damit, bevor sie hungrig werden und es vielleicht zu spät sein könnte.“

Mäuse sind zwar keine Menschen, doch die Erkenntnisse wären nach Ansicht der Biologin auch für uns bedeutsam. „Wahrscheinlich ist es dieser Schaltkreis, der uns veranlasst, die Restaurants in einer fremden Stadt abzuchecken oder immer wieder einen Blick in den Kühlschrank zu werfen“, sagt Korotkova.

Ursache für Essstörungen 

Nahrungssuche ist nach Ansicht der Wissenschaftler vom physiologischen Bedürfnis nach Nahrung entkoppelt. Bei Essstörungen scheint dieser Mechanismus jedoch nicht richtig zu funktionieren. Während die einen über den Hunger hinaus essen, meiden andere jeden Kontakt zur Nahrung.

Die Forscher hoffen nun, dass sich aufgrund der Erkenntnisse neue Therapien gegen Essstörungen entwickeln lassen, die vor allem Magersüchtigen helfen können.

Blitzschnelle Wellen im Hypothalamus 

Dem neuronalen Schaltkreis waren die Forscher mit Hilfe der Optogenetik auf die Spur gekommen. Es ist ein Verfahren, das durch Lichteinwirkung die Steuerung spezieller Signalwege im Gehirn erlaubt. 

Es zeigte sich, dass sogenannte Gamma-Oszillationen die Signale im Gehirn organisieren und blitzschnell Informationen an den Hypothalamus senden. Diese Hirnregion war bislang dafür bekannt, hauptsächlich auf chemische und hormonelle Signale zu reagieren.

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ml

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