Schlaflied vom Band

Jedes zehnte Kleinkind schläft mit Kopfhörern ein

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Kopfhörer sind praktisch, doch für Babys gefährlich. 

Rituale helfen Babys und Kleinkindern beim Einschlafen. Vorlesen oder Vorsingen gehören dazu. Statt selbst ein Lied zu trällern, gibt es die Gute-Nacht-Musik per Kopfhörer. Experten sind beunruhigt. 

Fast jedes zehnte Kind unter zwei Jahren schläft eine Umfrage zufolge in Frankreich mit Kopfhörern ein. "Wir sind sehr beunruhigt, dass das Schlaflied durch den Kopfhörer ersetzt wird", sagte der Hörgeräteakustiker Jean-Louis Horvilleur zu den Ergebnissen der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Demnach nutzen 21 Prozent der unter Sechsjährigen bereits Kopfhörer, während es bei den Sieben- bis Zwölfjährigen 74 Prozent und bei den Jugendlichen sogar 95 Prozent sind.

Kopfhörer zum Einschlafen

Die große Überraschung gab es aber bei den Kindern unter zwei Jahren. Den befragten Eltern zufolge nutzen 15 Prozent in diesem Alter schon Kopfhörer, neun Prozent wiederum beim Einschlafen. Ärzte reagierten besorgt, weil sie Auswirkungen auf das Gehör fürchten. Denn in diesem Alter könnten die Kinder noch nicht einmal sagen, ob der Ton aus den Kopfhörern zu laut sei. "Das ist erschreckend", sagte der Präsident des Hals-Nasen-Ohren-Ärzteverbandes in Frankreich, Jean-Michel Klein. "Man macht aus ihnen Taube im Alter von 30 Jahren."

Es ist einfach zu laut - Hörschaden

Bei den Jugendlichen sind es 67 Prozent, die der Umfrage zufolge mit Kopfhörern bei längeren Autofahrten einschlafen und 69 Prozent zu Hause im Bett. Für Experten ist auch das beunruhigend, denn angesichts der Geräusche in einem fahrenden Auto werde der Ton auf eine gefährliche Lautstärke gedreht. Immerhin 85 Prozent der Eltern gaben an, dass sie mithören könnten, was ihr Kind mit dem Kopfhörer hört, wenn sie im Auto zusammen unterwegs sind.

In Frankreich hatte Gesundheitsministerin Marisol Touraine im Januar angekündigt, dass eine Begrenzung der Lautstärke bei Kopfhörern geprüft werde. Die Umfrage unter 1500 repräsentativ ausgewählten Erwachsenen und Kindern hatte die Vereinigung "Die Woche des Klangs" zusammen mit der Gesundheitsbehörde in Auftrag gegeben.

Kopfhörer und Ohrstöpsel sind nicht nur für das Hörvermögen eine Gefahr, sondern erhöhen auch das Unfallrisiko im Straßenverkehr.

So schützen Sie Ihr Ohr: Die wichtigsten Tipps

Das Ohr ist ein Sinnesorgan. Zu viel Lärm, eine Beschallung ab 85 Dezibel, kann zu einem Hörschäden führen. Schützen Sie Ihr Gehör. Bei Konzerten (etwa 100 dB) können Ohrstöpsel und ein ausreichender Abstand zur Geräuschquelle Gehörschäden vermeiden.
Das Ohr ist ein Sinnesorgan. Zu viel Lärm, eine Beschallung ab 85 Dezibel, kann zu einem Hörschäden führen. Schützen Sie Ihr Gehör. Bei Konzerten (etwa 100 dB) können Ohrstöpsel und ein ausreichender Abstand zur Geräuschquelle Gehörschäden vermeiden. © dpa
Beim Musikhören über Kopfhörer die 60/60 Regel beachten: täglich nicht länger als 60 Minuten Musik über Kopfhörer hören und dabei nicht über 60 Prozent des Maximalvolumens des Gerätes aufdrehen.
Beim Musikhören über Kopfhörer die 60/60 Regel beachten: täglich nicht länger als 60 Minuten Musik über Kopfhörer hören und dabei nicht über 60 Prozent des Maximalvolumens des Gerätes aufdrehen. © dpa
Zur Regeneration bewusst akustische Pausen einlegen und alle Lärmquellen (Radio, Fernsehen etc.) abschalten. Dies gilt vor allem nach Diskobesuchen, der Arbeit in einem lauten Umfeld etc. – hier sollte man den Ohren mindestens 10 Stunden Ruhe gönnen.
Zur Regeneration bewusst akustische Pausen einlegen und alle Lärmquellen (Radio, Fernsehen etc.) abschalten. Dies gilt vor allem nach Diskobesuchen, der Arbeit in einem lauten Umfeld etc. – hier sollte man den Ohren mindestens 10 Stunden Ruhe gönnen. © dpa
Gehör regelmäßig durch einen Hörgeräteakustiker oder spezialisierten Arzt überprüfen lassen. © dpa
Falls es doch passiert und Symptome wie ein Druckgefühl im Ohr, ein dumpfer Höreindruck oder anhaltende Ohrgeräusche auftreten, sollten man dem Gehör dringend Ruhe gönnen, viel Flüssigkeit zu sich nehmen und schnellstmöglich einen HNO-Arzt aufsuchen. © dpa
Bereits eine dauerhafte Lärmeinwirkung über 85 dB kann zu einem irreparablen Hörverlust führen. Das entspricht etwa einem elektrischen Rasenmäher. © dpa
Bei einem Lärmpegel von etwa 100 dB – wie sie bei Konzerten oder bei maximal aufgedrehtem MP3-Player erreicht werden – riskiert man schon bei 20 Minuten Beschallung pro Tag eine spätere Hörminderung. © dpa

AFP

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