Mehr als nur Melancholie

Erhöhtes Schlafbedürfnis und empfindlich? Welche Symptome auf eine hochfunktionale Depression hindeuten

Unter einer hochfunktionalen Depression leiden die Betroffenen, ohne dass ihr Umfeld etwas davon mitbekommt. Welche Anzeichen Sie ernst nehmen sollten.

Depression ist nicht gleich Depression, es gibt verschiedene Formen der Krankheit. Bei der hochfunktionalen Depression scheinen Betroffene ihren Alltag im Griff zu haben – doch ihre Gefühlswelt ist alles andere als ausgeglichen und geordnet. Wie die Krankenkasse AOK informiert, wird die hochfunktionale Depression im Gegensatz zu einer klassischen Depression* als eher leichte Form klassifiziert, die jedoch über Jahre andauern kann. Folgende Symptome können der AOK und dem Portal Selfapy zufolge für eine hochfunktionale Depression sprechen:

  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Alkohol- und Tablettenmissbrauch
  • untypische Schlaf- und Essenszyklen
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Grübeln
  • Reizbarkeit
  • Konzentrations- und Entscheidungsprobleme
  • soziale Interaktion findet zwar statt, laugt die Betroffenen aber eher aus, als dass sie ihnen gut tut
  • auch möglich: Betroffene isolieren sich sozial
  • Gefühl, dass Lebensfreude fehlt
  • Gefühle innerer Leere
  • Energiemangel
  • Erschöpfung
  • Stress und Verzweiflung ausgelöst durch starken Perfektionismus
Ständig müde und erschöpft? In Verbindung mit einer Reihe weiterer Symptome kann das Zeichen einer atypischen Depression sein.

Atypische Depression erkennen und behandeln

Eine hochfunktionale Depression* (auch atypische Depression) sei deshalb so tückisch, weil sie nach außen hin kaum zu erkennen ist, informiert das Portal Selfapy. Betroffene zeigen keinerlei Symptome in der Öffentlichkeit und scheinen ihr Leben richtig gut im Griff zu haben, so der Anbieter von Online-Kursen bei psychischen Belastungen wie Depression, die auf Rezept kostenlos für Betroffene zur Verfügung stehen. Jedoch kann auch eine hochfunktionale Depression mit Selbstmordgedanken einhergehen und muss daher dringend behandelt werden. „Dabei ist es immer wichtig zu erkennen, dass eine Depression auch eine Erkrankung des Gehirns ist und Betroffene nichts für ihre Erkrankung können. Es ist nicht ihre Schuld“, zitiert die AOK Professor Ulrich Hegerl als Psychiater und Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

„Atypische Depression ist zwei bis dreimal wahrscheinlicher bei Frauen als bei Männern, das Erstauftreten erfolgt in einem jüngeren Alter als bei der endogenen Depression, und der Verlauf ist eher chronisch als episodisch“, heißt es in einer Veröffentlichung, die von zwei Schweizer und einem US-amerikanischen Forscher verfasst wurde. Doch jede Depression kann – und muss – behandelt werden. So verspricht psychologische Therapie oder kognitive Verhaltenstherapie Erfolg. Wer den Verdacht hat, an einer Depression zu leiden, kann sich beim Hausarzt oder direkt bei Psychologen/Psychotherapeuten Informationen über die ersten Behandlungsschritte einholen. Wenn die Therapie noch nicht sofort starten kann, können Betroffene die Wartezeit mit Online-Therapie überbrücken. Verschiedene Krankenkassen wie etwa die Knappschaft bieten ihren Versicherten Online-Psychotherapie an. Ihre Krankenkasse kann Sie auch über die Kostenübernahme für Online-Selbsthilfeprogramme wie Selfapy oder European Alliance Against Depression iFightDepression beraten. (jg) *Merkur.de und 24vita.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Weiterlesen: Vermehrt Depressionen durch Corona: Hier finden Sie Hilfe

Rubriklistenbild: © Vasily Pindyurin via www.imago-images.de

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