Unnötige Behandlung?

Rückenschmerzen: Ärzte röntgen oft vorschnell

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Bertelsmann-Studie zu Rückenschmerzen.

Patienten mit Rückenschmerzen werden zu häufig geröntgt oder in einen Tomographen geschoben, wie das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. 

Von den jährlich etwa sechs Millionen Bildaufnahmen mittels Röntgengerät, Computer- oder Magnetresonanz-Tomograph seien viele vermeidbar, so das Ergebnis einer am Dienstag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung. So wurde jeder fünfte Patient bereits im Quartal der Erstdiagnose durchleuchtet - dabei empfehlen die medizinischen Leitlinien dies frühestens, wenn herkömmliche Therapien wie Schmerzmittel oder Krankengymnastik keinen Erfolg hatten.

Ursache für Rückenschmerzen

Entgegen der Erwartungen einer Mehrheit von Patienten können Ärzte trotz bildgebender Verfahren höchstens bei 15 Prozent der Fälle eine spezifische Ursache für den Rückenschmerz feststellen, so die Experten der Bertelsmann-Stiftung.

Wer geht mit Rückenschmerzen zum Arzt

Wer mit Rückenschmerzen wie häufig zum Arzt geht, variiert nach Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung regional sehr stark. So suchen beispielsweise Betroffene in Berlin oder Bayern häufiger den Arzt auf als in Hamburg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz.

Die Zahl der Behandlungsfälle pro 1.000 Versicherten und Jahr variiert auf Bundeslandebene zwischen 370 in Hamburg und 509 in Berlin.

Bundesland

Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen

Sachsen-Anhalt

337,8

Sachsen

342,3

Mecklenburg-Vorpommern

344,5

Brandenburg

355,4

Berlin

365,2

Thüringen

366,6

Hessen

374,2

Schleswig-Holstein

387,2

Niedersachsen

401,5

Nordrhein-Westfalen

406,0

Bremen

413,7

Bayern

414,2

Hamburg

415,3

Baden-Württemberg

428,7

Rheinland-Pfalz

433,8

Saarland

440,7

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Anzahl von Bildgebungen der Wirbelsäule je 1.000 Versicherte mit Rückenschmerzen, Zeitraum:2009 bis 2015. Standardisiert nach Alter und Geschlecht.

Die Bertelsmann-Stiftung hat eine interaktive Karte zu den ambulanten Behandlungsfällen in Deutschland ins Netz gestellt.

Bei Rückenschmerzen reagieren Patienten und Ärzte übertrieben

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Rückenschmerzen oft einfach kommen und wieder gehen, so die Ansicht der Experten der Bertelsmann-Stiftung. Obendrein würden Ärzte die falschen Erwartungen der Patienten häufig nicht zurecht rücken. 85 Prozent der akuten Rückenschmerzen gelten als medizinisch unkompliziert und nicht spezifisch.

Auch Schulterschmerzen können sehr unangenehm sein. Dänische Ärzte haben eine Ursache für die Schmerzen gefunden und für ihre Patienten einen ganz einfachen Rat. Leider funktioniert die Methode nur bei Ehepaaren.

Die häufigsten Rücken-Irrtümer

Rückenschmerzen kennt fast jeder, sie haben sich mittlerweile zu einer Volkskrankheit entwickelt. So existieren auch diverse Mythen über den Rücken. Hier die häufigsten Rücken-Irrtümer.
Rückenschmerzen kennt fast jeder, sie haben sich mittlerweile zu einer Volkskrankheit entwickelt. So existieren auch diverse Mythen über den Rücken. Hier die häufigsten Rücken-Irrtümer. © Bayer Health Care
Falsch: Harte Matratzen sind besser: Studien zeigen, dass bei Rückenschmerzen mittelharte Schlafunterlagen besser sind. Auf harten Matratzen verspannt sich der Rücken, was die Beschwerden verstärkt. Die Unterlage muss sich an die natürliche Krümmung der Wirbelsäule anpassen.
Falsch: Harte Matratzen sind besser: Studien zeigen, dass bei Rückenschmerzen mittelharte Schlafunterlagen besser sind. Auf harten Matratzen verspannt sich der Rücken, was die Beschwerden verstärkt. Die Unterlage muss sich an die natürliche Krümmung der Wirbelsäule anpassen. © Bayer Health Care
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dpa/ml

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