Gefährliche Bakterien

Antibiotika helfen immer häufiger nicht mehr

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Indikatorkulturplatte zum Nachweis von resistenten Bakterien: Die Zahl der Krankheitsfälle mit Erregern, die gegen alle gängigen Antibiotika resistent sind, ist 2015 erneut gestiegen.

Antibiotika versagen immer häufiger gegen Bakterien. Die Zahl der resistenten Keime nimmt zu. Bis zu 25.000 Todesfälle werden jährlich in Europa auf Bakterien zurückgeführt. 

Immer öfter gibt es gegen resistente Bakterien kein einziges wirksames Medikament mehr. Der Anteil von Patienten mit dem Atemwegs-Keim Klebsiella pneumoniae, denen auch Reserve-Antibiotika wie die Carbapeneme nicht halfen, sei in Europa binnen vier Jahren von 6,2 auf 8,1 Prozent gewachsen.

Dies berichtete das Europäische Präventionszentrum ECDC. Gefährliche Resistenzen nehmen demnach generell weiter zu. Doch es gebe auch positive Trends, sagte die amtierende ECDC-Direktorin Andrea Ammon in Brüssel.

Resistenz gegen Antibiotika hat tödliche Folgen

"Acht Prozent bedeutet, dass von 100 Patienten acht praktisch nicht mehr behandelbar sind", sagte Ammon. "Und das sind einfach acht zu viel." Im Jahr 2015 seien europaweit rund 9100 Patienten betroffen gewesen. Sie seien nicht "in jedem Fall dem Tod geweiht". Doch steige das Risiko und Ärzte hätten praktisch keine Optionen zur Behandlung.

Noch sind dies nach den Daten des ECDC seltene Extremfälle. Doch waren 2015 bereits mehr als ein Drittel der untersuchten K.-pneumoniae-Keime gegen mindestens ein Antibiotikum resistent. Das heißt, dass Ärzte zumindest Alternativen suchen mussten.

Einen ähnlichen Trend meldet das Präventionszentrum für dasBakterium Escherichia coli, einen der häufigsten Verursacher von über die Blutbahn verbreiteten Infektionen. Es gebe eine erhebliche Zunahme von Fällen, in denen das Bakterium gegen einzelne oder auch gegen eine Kombination von modernen Antibiotika resistent sei.

Anders sieht es bei den seit Jahren mit großer Sorge betrachteten MRSA-Erregern aus, resistenten Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus: Sie wurden 2015 europaweit deutlich seltener festgestellt als noch 2012. Viele Länder hätten gezielt Maßnahmen ergriffen und Erfolg gehabt, sagte Ammon. "Daran kann man sehen, dass es möglich ist, einen solchen Trend nicht nur zu stoppen, sondern umzukehren. Das heißt, es besteht überhaupt kein Anlass zu verzweifeln."

Gefährliche Bakterien

  • Atemwegs-Keim Klebsiella pneumoniae
  • Darmbakterium Escherichia coli
  • Methillicin-resistenter Staphylococcus aureus

Einsatz von Antibiotika reduzieren

In Europa laufen seit Jahren Kampagnen, um die Ausbreitung resistenter Keime einzudämmen. Ein Grund für die Resistenzen ist der falsche Einsatz von Antibiotika: Sie werden zu häufig verordnet oder nicht richtig eingenommen. Bakterien können sich in der Folge so anpassen, dass ihnen die Wirkstoffe nichts mehr anhaben. Sind sie gegen mehrere oder alle antibakteriellen Medikamente gewappnet, kann es für Patienten gefährlich werden. Experten führen bis zu 25.000 Todesfälle in Europa jährlich auf Resistenzen zurück.

Gegenmaßnahmen setzen nach Ammons Worten auf verschiedenen Ebenen an. Antibiotika sollten nur verschrieben und genommen werden, wenn es nötig ist. Krankenhäuser müssten streng auf Hygiene achten und Patienten mit resistenten Keimen von anderen Kranken abschirmen. Das Bewusstsein "ist gewachsen, aber es reicht noch nicht". Anlass der Veröffentlichung war der neunte Europäischer Antibiotikatag (European Antibiotic Awareness Day).

Wann ist Antibiotika grundsätzlich unwirksam? 

Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien. Gegen die echte Grippe (Influenza) und die meisten Erkältungen können Antibiotika nichts ausrichten. Denn gegen Viren helfen selbst hochwirksame Antibiotika nicht. 

Hinter einer Erkältung können 200 völlig unterschiedliche Viren stecken. Allerdings gibt es nur gegen Grippe-Viren einen Impfung, die vor einer Infektion schützen kann. Der Grippe-Impfstoff enthält Antigene gegen aktuell zirkulierende Influenzaviren.

 

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.  
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
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Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
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Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
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Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
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Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa



dpa

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