Parkour und Freerunning

Möglichkeiten und Risiken fast identischer Trendsportarten

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Parkour und Freerunning – Möglichkeiten und Risiken zweier (fast) identischer Trendsportarten in Freizeit und Unterricht

Seit einigen Jahren erfreut sich die Trendsportart PARKOUR besonders bei jüngeren Akrobatikfans großer Beliebtheit.

Sie macht sich nicht nur Turngeräte, sondern auch Bauten und Geräte des Alltags, in Hallen oder im Freien stehend, zunutze und trainiert die Kraft, die Schnelligkeit, Kondition und Koordination des jeweiligen Sportlers. Schulen und Vereine bieten entsprechende Kurse an, Lehrer, Trainer oder Übungsleiter nehmen an Fortbildungsmaßnahmen teil, um sich mit den Möglichkeiten zu beschäftigen und auf mögliche Gefahren vorbereitet zu sein. Im Zusammenhang mit „Parkour“ fällt immer wieder auch der Begriff „Freerunning“ und deutet bereits an, dass beide Bewegungsarten nur bedingt voneinander zu trennen sind.

Sportlich-alternativ unterwegs

Parkour bzw. Parcours zielt darauf ab, mit dem eigenen Körper auf besonders wirksame Weise von einem Punkt zu einem anderen zu gelangen. Dazu bedient sich der Läufer, der Traceur, zwar der Gegebenheiten seines natürlichen oder architektonischen Umfelds, doch auf andere Weise, als dies im Alltag der Fall bzw. gedacht ist. Vielmehr gelangt er durch einzelne oder kombinierte sportliche Bewegungen und Techniken zum Ziel, und zwar möglichst geschmeidig und zugleich rasch – die Stadt wird somit zum persönlichen Trainingsgelände. Die Begriffe „Parcours“ und „Traceur“ weisen darauf hin, dass die offiziell nicht als Sportart geltende Fortbewegungsart französischer Herkunft ist. Sie wurde von Raymond und David Belle – Vater und Sohn – Ende der 80er-Jahre entwickelt. Letzterer agierte unter anderem als Stuntman in berühmten Filmen, darunter „Die purpurnen Flüsse 2“ oder „Transporter“, die unter anderem mit Parkour-Elementen für Action sorgen.

Hauptsache akrobatisch

Mit „Freerunning“ ist kein Synonym für „Parkour“, sondern im engeren Sinne eine eigene Fortbewegungsart gemeint. Die Bewegungsabläufe beider Disziplinen ähneln einander zwar und das „völlig freie sich Bewegen“ macht sich ebenfalls die Umgebung zunutze, jedoch bestehen durchaus auch Unterschiede: Geht es beim Freerunning, vordergründig darum, einfach den Körper auf jede erdenkliche Art zu bewegen; die Ästhetik und Akrobatik steht eher im Vordergrund als die Effizienz, worauf Parkour hauptsächlich abzielt.

Der Erfinder des Freerunning ist Sébastien Foucan, der vor allem als Darsteller des Terroristen in der spektakulären Verfolgungsjagd zu Beginn des James-Bond-Streifens „Casino Royale“ bekannt wurde. Im wahren Leben war er zwar Trainingspartner Belles, entwarf jedoch „seine“ Bewegungsart parallel zum Parkour und hob sie davon ab, auch um in Großbritannien damit mehr Anhang zu finden. Dennoch gestaltet sich die Trennung beider Arten voneinander mitunter als schwierig, sodass viele Anhänger pragmatischerweise meinen: "Vergesst die Begriffe und fangt lieber einfach an euch zu bewegen!"

Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

Für beide Bewegungsarten empfehlen sich lange, bequeme Jogginghosen. Diese haben nicht nur den Vorteil, dass sie, besonders wenn sie aus Baumwolle bestehen, Schürfverletzungen reduzieren und weitgehende Bewegungsfreiheit ermöglichen – als vielseitige Freizeitbekleidung liegen sie momentan voll im Trend und lassen sich deshalb als solche auch in den akrobatikfreien Alltag integrieren.

Da sowohl Parkour als auch Freerunning die Muskulatur und das Skelett, je nach Bewegungsabläufen und Techniken, unter enorme Belastung stellen, sollten die Läufer sich zum einen intensiv aufwärmen und zum anderen die eigenen Erwartungen nicht allzu hoch setzen: Die sehr sportlichen Fortbewegungsarten erfordern hohe Ausdauer – sowohl bei der eigentlichen Ausführung als auch während des langwierigen Erlernprozesses. Den Lehrenden ist dringend geraten, die Schüler auf alle relevanten Sicherheitsmaßnahmen hinzuweisen. Zudem bieten sich Gruppentrainings im Unterricht und auch außerhalb an, um sich zum einen gegenseitig anzuleiten und zum anderen zu motivieren, jedoch ohne in Zugzwang zu geraten. Wichtig ist vor allem auch der gebotene Respekt vor den Hindernissen, wie Parkour-Profi Amadei Weiland im Interview zu bedenken gibt.

Risiken und (mögliche) Nachwirkungen

Zu den mit den vorangegangenen Tipps teilweise in Verbindung stehenden Nachteilen von Parkour und Freerunning zählen vor allem

  • die Gefahr der Selbstüberschätzung
  • die hohe Verletzungsgefahr durch zu gewagte Techniken
  • starke Belastung v. a. der Sprunggelenke
  • sehr unterschiedliche körperliche Ausgangssituationen der Läufer
  • verhältnismäßig langsam einsetzende Erfolgserlebnisse
  • schwer kontrollierbare Bewegungen besonders bei Anfängern
  • mangelnde Ausstattung vieler Turnhallen für umfassendere Aktionen
  • genaue Kenntnisse der Lehrenden von Sicherheitsvorkehrungen

Trotz dieser durchaus vielfältigen Risiken fassen beide Bewegungsarten seit einiger Zeit auch im Schulsport Fuß. Sie gelten neben beispielsweise Slackline, Speed-Badminton oder verschiedenen Beach-Ballsportarten zu den neuartigen Sport-Disziplinen und kommen dennoch großenteils mit altherkömmlichen Geräten aus.

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