"Kein Täter werden"

Therapieangebot für Pädophile erreicht bislang mehr als 7000 Männer

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"Kein Täter werden" - Prävention hilft Pädophilen.

Mehr als 7000 Männer haben sich bislang an das bundesweite Therapieprojekt für Pädophile gewandt.

Knapp 660 davon begannen an der Berliner Charité oder einem der zehn anderen Standorte in Deutschland eine Therapie, wie die Charité am Dienstag in einer Bilanz mitteilte. Etwa 250 Männer schlossen die Therapie ab, 265 sind aktuell in Behandlung.

Das "Präventions-Projekt Dunkelfeld" war 2005 an der Charité gestartet. Mittlerweile gibt es weitere Standorte unter anderem in Düsseldorf, Leipzig, Kiel und Regensburg. Menschen mit pädophilen Neigungen wird dort therapeutische Hilfe angeboten. Durch Verhaltenstrainings, Gesprächstherapien und impulsdämpfende Medikamente sollen die Betroffenen lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren.

Ziel des Präventionsnetzwerks "Kein Täter werden" ist es, Sexualstraftaten an Kindern sowie die Nutzung von Kinderpornografie bereits im Vorfeld zu verhindern. Die wissenschaftlichen Nachuntersuchungen hätten gezeigt, "dass das Behandlungsprogramm geeignet ist, bekannte Risikofaktoren für sexuellen Kindesmissbrauch zu senken und bei den Betroffenen eine erfolgreiche Verhaltenskontrolle aufzubauen", erklärte Klaus Beier, Sprecher des Netzwerks und Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité.

Unter den Berliner Teilnehmern habe keiner nach der Therapie sexuellen Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen begangen, hieß es weiter. In Deutschland haben Befragungen zufolge zwischen drei und sechs Prozent der Männer pädophile Neigungen. Das Dunkelfeld in diesem Bereich schätzen Experten als groß ein.

"Jede verhinderte Tat schützt ein Kind", erklärte Jerome Braun von der Kinderschutzstiftung "Hänsel+Gretel", die das Projekt seit 2005 unterstützt. Das Therapieangebot sei "ein wichtiger Baustein in der Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs".

"Die meisten Fälle von Kindesmissbrauch finden im sogenannten Dunkelfeld statt und bleiben unerkannt", erklärte Christiane Wirtz, Staatssekretärin im Bundesjustizministerium, das das Präventionsnetzwerk noch bis Ende 2016 finanziell fördert. Sie verwies auf Studien, wonach die Dunkelziffer sexuellen Kindesmissbrauchs bis zu 30-fach höher liegen soll, als aus amtlichen Statistiken hervorgehe. "Am sinnvollsten und am besten für alle Beteiligten ist es deshalb, bereits anzusetzen, bevor etwas passiert", erklärte Wirtz.

Um die weitere Finanzierung des Therapieangebots zu sichern, sollen sich künftig auch die gesetzlichen Krankenkassen daran beteiligen. Der Kassen-Spitzenverband soll dem Bundesgesundheitsministerium zufolge mit einer Gesetzesänderung beauftragt werden, ein Modellvorhaben zu finanzieren. Später kann das Angebot in die Regelversorgung übernommen werden.

AFP

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