Bewegende Geschichte

Betroffene über Krätze: "Bei jedem Juckreiz verfällt man sofort in Panik"

In Bonn musste wegen der Krätze eine Krankenhausstation geschlossen werden. Eine Betroffene kann davon ein Lied singen – wie sie uns im Interview verriet.

Susanne Kaufmann* versteht die Welt nicht mehr. Niemand scheint ihr helfen zu können, niemand kann ihr Genaueres sagen. Dabei weiß sie eigentlich schon längst, unter was sie seit Monaten leidet: der Krätze.

Doch mit ihrer Erkrankung sind die Nordrhein-Westfälerin und ihr 25-jähriger Sohn nicht alleine - die Krätze-Fälle mehren sich - es musste in Bonn deswegen sogar eine komplette Krankenhausstation geschlossen werden. Jetzt, wo das öffentliche Bewusstsein für die Hauterkrankung wächst, kann sie sich endlich Gehör verschaffen. Im Interview mit der Redaktion erzählt die Betroffene über ihren langen Leidensweg und wie sie sich am Ende selbst helfen musste.

Redaktion: Guten Tag Frau Kaufmann, wie geht es Ihnen jetzt?

Susanne Kaufmann: Mir geht es inzwischen besser. Ich habe zwei Salben- und eine Tablettenkur hinter mir. Ich hatte auch nur zwei Bläschen am Knöchel, aber psychisch hat mich das alles sehr mitgenommen. Vor allem, weil ich so viel Ärger in den letzten Wochen hatte, da die Medikamente gegen die Krätze nirgendwo lieferbar sind. Meinen Sohn hat es allerdings viel schlimmer erwischt, er hatte sogar Ekzeme an den Händen.

Außerdem verfällt man bei jedem Juckreiz sofort in Panik, dass die Milben wieder zurückgekehrt sind. Mein Hausarzt hat gemeint, dass Rückstände und Kot der Krätzmilben noch lange Zeit danach in der Haut verbleiben können.

Was meinen Sie damit, die Medikamente waren nicht lieferbar?

Kaufmann: Nachdem mein Sohn und ich im Februar an Krätze erkrankt sind, habe ich erfahren, dass das Mittel dagegen mit dem Namen Scabioral im Eilverfahren in Deutschland innerhalb von sechs Monaten zugelassen wurde. Dennoch haben mein Sohn und ich unser erstes Rezept erst Ende August erhalten. Mit Kostenübernahmeverfahren dauerte es drei Wochen, bis wir die erste Gabe der Tabletten erhielten. Als ich in der Apotheke nachfragte, warum das so sei, sagten sie mir dort, dass es momentan Liefer- beziehungsweise Produktionsschwierigkeiten gebe.

Die Apothekerin, die den Hersteller des Mittels ebenfalls kontaktiert hat, erklärte mir zudem, dass der Hersteller zum aktuellen Stand nichts sagen könne oder wolle. Als ich beim Bundesministerium für Gesundheit nachgehakt habe, konnten die mir auch nichts Genaueres sagen. Doch auf der Internetseite "Gelbe Liste" kann man nachlesen, dass bereits seit Wochen ein Lieferengpass für Scabioral herrscht. Auch in Online-Apotheken konnte ich das Medikament nicht finden.

Woher haben Sie dann Ihre Tabletten bezogen?

Kaufmann: Ich habe dann selber recherchiert und erfahren, dass man in Holland derzeit sogar sehr viele Krätze-Tabletten - Stromectol, wie es im Ausland heißt - an deutsche Erkrankte verkauft. Wir sind doch in Deutschland – wieso ist dieses Mittel, das gerade so dringend benötigt wird, hier nirgendwo erhältlich? Ich bin zudem gesetzlich versichert und muss allein für zehn Filmtabletten bereits 60 Euro zahlen.

Was haben Sie sonst noch für Maßnahmen gegen die Krätze getroffen?

Kaufmann: Ich bin seit Februar nur am (Bett-)Wäsche auskochen und Matratze säubern. Also an mangelnder Hygiene kann es bestimmt nicht liegen, dass mein Sohn und ich die Krätze bekommen haben. Zumal mein Mann und mein anderer Sohn nicht daran leiden.

Woher glauben Sie, haben Sie dann die Erkrankung?

Kaufmann: Erst dachte ich, dass es vom Waschmittel kommt, dass ich das nicht vertrage. Aber ich kann mir bis jetzt nicht erklären, wie mein Sohn und ich mich infiziert haben. Die Apothekerin meinte, dass die Krätze nur durch längeren Hautkontakt von 15 bis 20 Minuten übertragen wird. Doch wie es scheint, sind die Krätzmilben mittlerweile schon so resistent, dass auch kürzere Berührungen bereits ausreichen.

Woran merken Sie das? 

Kaufmann: Allein daran, dass die Krätze massiv in Nordrhein-Westfalen ausgebrochen ist und die Krankheit alle Schichten der Bevölkerung durchzieht. Die Dunkelziffer der Erkrankten dürfte riesig sein, da nur Meldepflicht bei öffentlichen Einrichtungen besteht – aber bei Privathaushalten nicht. Deshalb will ich mit meiner Geschichte den Betroffenen helfen und für diese Krankheit sensibilisieren.

Lesen Sie auch: Die Krätze ist wieder auf dem Vormarsch - und sie ist hochansteckend.

jp

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.  
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
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Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
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Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
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Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

*Der Name wurde von der Redaktion geändert.

Rubriklistenbild: © Instagram/hojuemei_by

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