Nur eine Wortmeldung

Zschäpes neuer Anwalt absolviert ersten Prozesstag

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Mathias Grasel ist der neue Verteidiger von Beate Zschäpe.

München - Ein Zeuge aus der rechtsextremen Unterstützerszene und der Versuch, die konspirative Beschaffung eines Tatfahrzeugs zu klären - der neue Verteidiger von Beate Zschäpe erlebte an seinem ersten Tag im NSU-Prozess typische Klippen des Verfahrens.

Im Münchner NSU-Prozess hat sich die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Dienstag zum ersten Mal von ihrem neuen Verteidiger Mathias Grasel verteidigen lassen. Mit ihren drei bisherigen Anwälten, die ihre Pflichtmandate weiterhin ausüben, sprach Zschäpe wie üblich nur wenig. Grasel war vor einer Woche vom Münchner Oberlandesgericht als zusätzlicher Verteidiger bestellt worden. An seinem ersten Tag meldete er sich nur einmal kurz zu Wort.

Als Zeuge war am Dienstag ein sächsischer Neonazi aus dem Umfeld des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ geladen. Richter, Nebenkläger und ein Prozessvertreter der Bundesanwaltschaft wiesen ihn mehrmals und teils massiv auf die Folgen einer Falschaussage hin. „Was es bedeutet, wenn die Staatsanwaltschaft sagt, ich glaube Ihnen nicht, das erahnen Sie vielleicht“, rüffelte ihn Staatsanwalt Jochen Weingarten.

Der Zeuge sollte Aufschluss über die Anmietung einer der Fluchtwohnungen des NSU-Trios liefern. Außerdem erwartete sich das Gericht von ihm Aussagen über die Unterstützerszene. Auch nach mehreren Stunden antwortete er aber meist ausweichend oder machte Gedächtnislücken geltend.

Rätselhaft blieb auch, wer Ende Oktober 2011 das Wohnmobil mietete, in dem sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 nach einem missglückten Banküberfall in Eisenach mutmaßlich selber erschossen. Als Zeugin sagte eine Mitarbeiterin der Zwickauer Autovermietung aus, die sich an ein „Pärchen“ erinnerte. Auf Fotos tippte sie auf Böhnhardt und Zschäpe. Auf die Frage von Rechtsanwalt Grasel sagte sie, es sei der Mann gewesen, der Mietpreis und Kaution bar bezahlt habe.

Die Zeugin sagte auch, einmal hätten die Mieter ein kleines Mädchen dabeigehabt, das die Frau „Mama“ nannte. Die Frau sei dann allein mit dem Kind in einem Auto weggefahren. Rechtsanwalt Wolfgang Stahl, ebenfalls Zschäpe-Verteidiger, stellte anschließend infrage, ob sie „überhaupt in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu lenken“. Einen Führerschein besitzt Zschäpe nicht.

dpa

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