Stichwahl am 30. Oktober

Brasilien-Wahl: Lula und Bolsonaro im direkten Duell

Die erste Runde der Brasilien-Wahl entscheidet Lula knapp für sich. Fans von Bolsonaro riechen eine Verschwörung. Alle Ergebnisse im Überblick.

Update vom 30. Oktober 2022, 08.35 Uhr: Am heutigen beginnt die zweite und finale Runde der Wahl in Brasilien. Jair Bolsonaro und Lula da Silva treten einer Stichwahl gegeneinander an. Lesen Sie alle Neuigkeiten zur Wahl in Brasilien in unserem Liveticker.

+++ 10.14 Uhr: Die Fans von Lula sind ernüchtert: Lula konnte die Wahl zwar für sich entscheiden, das Ergebnis ist aber viel knapper als beispielsweise von den Besucherinnen und Besuchern des Praça São Salvador in Rio de Janeiro erhofft. „Ich hatte gehofft, dass Lula im ersten Wahlgang gewinnt und dieser Albtraum aufhört. Die Stichwahl ist immer schwieriger und angespannter“, sagte Juliana Magalhães Nogueira am Wahlabend im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Sie wollte eigentlich Lulas Sieg feiern, jetzt ist sie enttäuscht, dass ihr Kandidat nur so wenige Prozentpunkte vor Jair Bolsonaro liegt.

Sie sieht aber auch Positives: „Ich war überrascht, wie friedlich die Wahl heute ablief. Ich hatte gedacht, dass es mehr Konflikte gibt“, sagte sie. Die meisten Wahlbeobachterinnen und Wahlbeobachter teilen ihre Einschätzung und beschreiben den Verlauf der Wahl als friedlich, befürchtete Unruhen blieben aus. Nelson Oliveira Santana hat für Lula gestimmt und wollte eigentlich in Rio de Janeiro dessen Sieg feiern – daraus wurde nichts. „Ich bin sehr traurig, dass dieses Monster, das Brasilien in den vergangen vier Jahren regiert hat, in die Stichwahl kommt. Wir müssen uns jetzt alle zusammenschließen, damit Lula gewinnt und wir diesen Faschisten aus dem Amt heben“, erklärte er.

Brasilien-Wahl: Fans von Bolsonaro wittern Betrug

Obwohl Bolsonaro deutlich besser abgeschnitten hat, als die Umfragen erwarten ließen, scheint auch seinen Fans nicht so richtig zum Feiern zumute zu sein. Das mag auch daran liegen, dass viele von ihnen den Umfragen nicht trauen und von einem Wahlsieg Bolsonaros im ersten Wahlgang überzeugt waren.

Anhängerinnen und Anhänger von Jair Bolsonaro gehen nach der ersten Wahlrunde von Betrug aus.

Auch Regiane Felix würde dem wohl zustimmen. „Ich glaube, dass das ganze Wahlbetrug war. Alles, was von der Arbeiterpartei kommt, ist Betrug“, sagt sie im Stadtteil Copacabana im Gespräch mit IPPEN zum Wahlergebnis. „In den nächsten Wochen arbeiten wir daran, die echte Politik von Bolsonaro zu zeigen. Die Demokratie ist auf unserer Seite, nicht auf der Seite der dreckigen und korrupten Arbeiterpartei“. In den vergangenen Wochen hatte Bolsonaro immer wieder Zweifel am brasilianischen Wahlsystem gestreut und einen möglichen Wahlbetrug in den Raum gestellt. Beweise gab es dafür keine, trotzdem glaubten ihm viele seiner Anhängerinnen und Anhänger.

Brasilien-Wahl: Lula gewinnt erste Runde – Stichwahl am 30. Oktober

Update vom Montag, 3. Oktober, 6.21 Uhr: Mit einem wider Erwarten knappen Sieg hat der linke Spitzenkandidat Luiz Inácio Lula da Silva die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien für sich entschieden. Wie das Oberste Wahlgericht (TSE) am Sonntagabend (Ortszeit) auf seiner Webseite mitteilte, gewann Lula 47,97 Prozent. Amtsinhaber Jair Bolsonaro konnte 43,6 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Damit treten die beiden Kandidaten am 30. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.

„Wir werden die brasilianische Gesellschaft von unseren Vorschlägen überzeugen müssen“, sagte Lula vor enttäuschten Anhängern in Sao Paulo. Der Kampf gehe nun weiter „bis zum endgültigen Sieg, das ist unser Motto“, sagte der 76-jährige Ex-Präsident, der Brasilien bereits von 2003 bis 2010 regierte. Er versprach nun „mehr Reisen, mehr Auftritte“, um mehr Brasilianer für sich zu gewinnen.

Brasilien-Wahl: Der ehemalige brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva lächelt nach Schließung der Wahllokale seinen Anhänger:innen zu.

Widersacher Bolsonaro zeigte sich trotz der Niederlage im ersten Wahldurchgang siegesgewiss. „Wir haben die Lüge besiegt“, erklärte der rechtsextreme Politiker nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, das erheblich von den Vorhersagen des Meinungsforschungsinstitut Datafolha abwich.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro liegt vorn

+++ 23.34 Uhr: Mittlerweile sind zehn Prozent aller Stimmen ausgezählt worden. Nach mehr als 11,6 Millionen auswerteten Stimmen, liegt der amtierende Präsident Jair Bolsonaro mit 48,33 Prozent an erster Stelle. Sein Herausforderer Lula da Silva liegt mit 42,93 Prozent dicht dahinter. Die beiden Kontrahenten trennen derzeit nur rund 650.000 Stimmen. Insgesamt haben am Wahlsonntag etwa 116 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer abgestimmt.

Dieser News-Ticker ist für heute zu Ende. Morgen finden Sie hier den aktuellen Stand zur Brasilien-Wahl.

Brasilien-Wahl: Auszählung hat begonnen – Bolsonaro vor Lula da Silva

+++ 22.12 Uhr: Nach Schließung der Wahllokale wurde der erste Teil der aus dem Ausland stammenden Stimmen ausgewertet. Dabei handelt es sich um rund 300.000 Stimmen. Dies entspricht einem Anteil von rund 0,25 Prozent der Gesamtheit aller wahlberechtigten Brasilianerinnen und Brasilianer. Laut der Auswertung von des Tribunal Superior Eleitoral liegt Jair Bolsonaro derzeit mit 46,19 Prozent der Stimmen vor Lula da Silva (42,34 Prozent).

+++ 22.00 Uhr: In Brasilien ist es nun 17 Uhr. Die elektronischen Wahlkabinen sind ab sofort offiziell geschlossen. Es folgt die Auswertung aller abgegebenen Stimmen. Eine Hochrechnung sollte in Kürze folgen. Der Präsident des Obersten Wahlgerichts in Brasilien zeigte sich „völlig zufrieden“ mit dem Verlauf der Brasilien-Wahl und sprach von einer Wahl „im Rahmen der Normalität“. Das berichtete das Nachrichtenportal G1.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro rechnet mit eindeutigem Wahlsieg – Lula sieht sich als „Opfer“

+++ 20.55 Uhr: Wie die Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, kündigte der amtierende Präsident Jair Bolsonaro am Wahlsonntag einen eindeutigen Sieg an – trotz bislang schlechter Umfragewerte. „Wenn wir saubere Wahlen haben, werden wir heute mit mindestens 60 Prozent der Stimmen gewinnen“, ist er sich sicher. Damit erhebt Bolsonaro, wie schon während seines Wahlkampfes, unbegründete Betrugsvorwürfe gegen das brasilianische Wahlsystem. Sein Herausforderer Lula da Silva spricht indessen von einem „wichtigen Tag“. „Vor vier Jahren konnte ich nicht wählen, weil ich das Opfer einer Lüge war ... Ich möchte meinem Land helfen, zur Normalität zurückzukehren“, zitiert Reuters den linken Kontrahenten von Bolsonaro.

+++ 19.48 Uhr: Im Zuge der Brasilien-Wahl bilden sich vor den Wahllokalen immer größer werdende Schlangen. In Rio de Janeiro warteten Wahlberechtigte teilweise bis zu drei Stunden. Darüber berichtet das Nachrichtenportal G1. Jeder, der bis zur Schließung der Wahllokale noch keine Stimme abgeben konnte, soll eine alternative Möglichkeit zur Abstimmung erhalten, erklärt Elton Leme, Verantwortlicher des brasilianischen Wahlsystems. Die Kabinen schließen um 22 Uhr (17 Uhr, Ortszeit).

Brasilien-Wahl: Zahl der Festnahmen steigt

+++ 18.35 Uhr: Bei der Brasilien-Wahl 2022 herrscht rege Beteiligung. Dies äußert sich in langen Warteschlangen vor den Wahllokalen in den brasilianischen Ballungszentren. Wie das Nachrichtenportal G1 berichtet, soll es in dem nordöstlich gelegenen Bundesstaat Piauí vor den Wahllokalen lange Wartezeiten geben. Demnach müssten einige Wählerinnen und Wähler mehr als vier Stunden anstehen, um ihre Stimme abzugeben.

+++ 17.40 Uhr: Wie BBC Brasil berichtet, steigt die Zahl der Verbrechen während der Brasilien-Wahl weiter an. Laut dem brasilianischen Justizministerium sollen bisher insgesamt 339 Straftaten begangen worden sein. Dazu zählen die Verletzung des Wahlgeheimnisses und der Kauf von Stimmen. Außerdem wurde mehrfach verhindert, dass eine Wählerin oder ein Wähler seine Stimme doppelt abgibt. Vor einer Stunde noch lag die Zahl der registrierten Delikte bei 275. Mittlerweile wurden 130 Personen verhaftet.

Brasilien-Wahl: Lula feiert Sieg in Neuseeland – Hunderte Wahlverbrechen registriert

+++ 16.57 Uhr: In Neuseeland ist die Brasilien-Wahl bereits vorüber. Auf dem Inselstaat wurden insgesamt 451 gültige Stimmen abgegeben, welche in einem eindeutigen Sieg für den Bolsonaro-Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva mündeten. Wie die Rio Times berichtet, erhielt Lula 72,9 % der gültigen Stimmen. Amtsinhaber Jair Bolsonaro kam demnach nur auf circa 15,7 Prozent.

+++ 16.15 Uhr: Die Brasilien-Wahl 2022 bleibt nicht frei von Verbrechen. Wie das brasilianische Justizministerium mitteilt, sind seit dem Beginn der „Eleições 2022“ am Sonntagmorgen insgesamt 275 Wahldelikte registriert worden. Zu den Straftaten gehören nach Angaben des Ministeriums die Verletzung des Wahlgeheimnisses, der Kauf von Stimmen sowie die unerlaubte Abgabe von Stimmen. Insgesamt seien bislang 121 Personen verhaftet worden, schreibt CNN Brasil. Wie das brasilianische Nachrichtenportal G1 mitteilt, erwartet Täterinnen und Täter bei Wahlbetrug eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten.

News zur Brasilien-Wahl: 700.000 auswärtige Brasilianer wahlberechtigt

+++ 15.20 Uhr: Seit zwei Stunden sind die Wahlkabinen geöffnet. Nun hat Brasilien die Wahl zwischen dem amtierenden rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro und seinem linken Kontrahenten Luiz Inácio Lula da Silva. Auch im Ausland darf gewählt werden. Fast 700.000 Brasilianerinnen und Brasilianer in 29 Ländern sind laut CNN Brasil heute wahlberechtigt. Die Vereinigten Staaten sind mit 183.000 Wahlberechtigten das Land mit dem größten Anteil an auswärtigen Wählerinnen und Wählern.

In Portugal ist es in einer Wahlkabine bereits zum ersten Wahlverbrechen der Brasilien-Wahl 2022 gekommen. In Lissabon hatte ein Mann versucht, seine Stimme mehrfach abzugeben. Der Vorfall ereignete sich rund eine Stunde nach Wahlbeginn, so CNN Brasil. Die Federal Highway Police griff umgehend ein.

Brasilien-Wahl: Abstimmung hat begonnen – 156 Millionen Wahlberechtigte

+++ 13.56 Uhr: Die Präsidentenwahl in Brasilien hat begonnen. Bei der Abstimmung am Sonntag fordert der linke Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva den rechten Amtsinhaber Jair Bolsonaro heraus. Mehr als 156 Millionen Wahlberechtigte sind aufgefordert, über ihren neuen Staatschef abzustimmen.

Sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, treffen die beiden stärksten Bewerber am 30. Oktober in einer Stichwahl aufeinander. Neben dem künftigen Präsidenten werden auch Abgeordnete, Senatoren und Gouverneure gewählt. Mit ersten Ergebnissen wird in der Nacht zu Montag gerechnet.

Brasilien-Wahl: Umfrage sieht Herausforderer Lula da Silva vorn - wird er der Nachfolger von Bolsonaro?

+++ 11.15 Uhr: Bei der Wahl in Brasilien kommt der linke Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva laut Angaben des brasilianischen Meinungsforschungsinstituts Datafolha aktuell auf 50 Prozent der Stimmen, der rechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro auf 36 Prozent, wie CNN Brasil berichtete. Die Meinungsforscher befragten hierzu zwischen Freitag (30. September) und Samstag (1. Oktober) 6800 Personen persönlich. Das tatsächliche Ergebnis kann den Statistikern von Datafolha zufolge zwei Prozentpunkte abweichen.

Für Amtsinhaber Bolsonaro könnte die Wahl das Ende seiner Präsidentschaft bedeuten, doch ähnlich wie der frühere US-Präsident Donald Trump will Bolsonaro das Ergebnis möglicherweise nicht anerkennen. Angesichts einer bevorstehenden Niederlage säte er bereits im Vorfeld Zweifel am brasilianischen Wahlsystem. Politik-Expertinnen und -Experten halten es deshalb für entscheidend, dass Herausforderer Lula da Silva bereits im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Dann wäre kein zweiter Wahlgang nötig. Ansonsten würde am 30. Oktober eine Stichwahl stattfinden.

Brasilien-Wahl: Wird Bolsonaro abgewählt? Angst vor Eskalation

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 7.51 Uhr: In Brasilien wird am heutigen Sonntag gewählt. Mehr als 156 Millionen Wahlberechtigte sind aufgefordert, über ihren neuen Staatschef abzustimmen. Mit ersten Ergebnissen ist in der Nacht auf Montag zu rechnen. Zur Wahl stehen der rechtsradikale Amtsinhaber Jair Bolsonaro und der linksgerichtete Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. In Umfragen liegt Lula, der Brasilien bereits von 2003 bis 2010 regierte, deutlich vor Bolsonaro.

Die Wahl hat Brasilien extrem gespalten. Lula nennt Bolsonaro wegen dessen zögerlicher Corona-Politik einen Völkermörder, Bolsonaro schimpft seinen Kontrahenten nach dessen Verurteilung wegen Korruption einen Dieb. Ähnlich wie der frühere US-Präsident Donald Trump hat Bolsonaro bereits angedeutet, das Ergebnis möglicherweise nicht anzuerkennen. Viele seiner Anhänger verfügen über Waffen und fordern einen Militärputsch. „Ob es nach der Wahl zu einer friedlichen Übergabe kommt, kann die Demokratie stärken oder schwächen“, sagte Oliver Stuenkel von der Stiftung Getúlio Vargas der Deutschen Presse-Agentur. „Und das ist angesichts von Brasiliens Größe wichtig für die Demokratie weltweit.“

Brasilien-Wahl: Angst vor Eskalation überschattet Präsidentschaftswahlen

+++ 21.17 Uhr: Vor der Wahl in Brasilien sind in dem lateinamerikanischen Land 34 Menschen wegen versuchter Wahlmanipulation festgenommen worden. Zudem wurden bei dem seit vergangenen Montag laufenden Einsatz drei Millionen Reais (565.000 Euro) beschlagnahmt, wie das Justizministerium am Samstag mitteilte. Allein am Samstag, dem Tag vor der ersten Wahlrunde, wurden elf Verdächtige festgenommen. In sieben Fällen habe es sich um den versuchten Kauf von Stimmen gehandelt.

Um Gewalttaten während der Wahl zu verhindern, untersagte das Oberste Wahlgericht Zivilisten zwischen Samstag und Montag das Tragen von Waffen. Justizminister Anderson Torres sagte allerdings, dass sei sehr schwer durchzusetzen. Ex-Militär Bolsonaro hatte das Waffenrecht zu Beginn seiner Amtszeit deutlich gelockert. Dadurch stieg offiziellen Angaben zufolge die Zahl der legalen Waffen in den Händen von Zivilisten um 187 Prozent auf über eine Million.

Brasilien-Wahl: Angst vor Eskalation überschattet Präsidentschaftswahlen

+++ 17 Uhr: Die Wahl in Brasilien wird von der Angst vor möglichen Unruhen überschattet. Bolsonaro hat mehrmals angekündigt, das Wahlergebnis anzufechten, sollte er verlieren. „Nur Gott“ könne ihn aus dem Amt entfernen, sagt er und behauptet ohne jede Beweise, es gebe ausgedehnten Betrug in Brasiliens elektronischem Wahlsystem. Bei einer Wahlkampfveranstaltung sagte Bolsonaro, für ihn gebe es nur drei mögliche Ergebnisse: „Gefängnis, Tod oder Sieg“.

Sein Kontrahent Lula sagte am Freitag, er befürchte, Bolsonaro könne im Falle einer Niederlage „Unruhe“ stiften. Viele Leute machen sich auf eine brasilianische Version der Unruhen gefasst, die nach der Weigerung von Bolsonaros politischem Vorbild Donald Trump, seine Niederlage anzuerkennen, die USA erschütterten. Michael Shifter vom Politikinstitut Inter-American Dialogue sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei der Wahl stünde die „Demokratie“ selbst zur Wahl. Bolsonaro sei der „undemokratischste Präsident“ seit Brasiliens Militärdiktatur von 1964 bis 1985 - deren Ende der amtierende Präsident offen bedauert. Zu einem gewissen Grad seien Unruhen und Gewalt im Zuge der Wahl „wohl wahrscheinlich“, sagte Shifter.

Brasilien-Wahl 2022: Militär will Wahl selbst prüfen - Bolsonaro könnte Ergebnis nicht anerkennen

+++ 14.52 Uhr: Im Zuge der anstehenden Wahlen in Brasilien hat das Militär angekündigt, die Wahlen mittels einer Stichprobenzählung eigenständig zu begleiten und zu prüfen. Dies berichtet das Portal Entwicklungspolitik Online. Sollte das offizielle Ergebnis von ihrer Zählung abweichen, wolle das Militär die Wahl beanstanden. Damit ermächtigt sich das Militär dazu, über den Wahlausgang mitzuentscheiden.

Bolsonaro hatte im Vorfeld der Brasilien-Wahl bereits mehrfach die Verlässlichkeit des elektronischen Wahlsystems angezweifelt und angekündigt, ein Wahlergebnis zugunsten seins Kontrahenten Luiz Inácio Lula da Silva nicht zu akzeptieren. Erst im Mai wurden die elektronischen Wahlkabinen einem Sicherheitstest unterzogen, welcher fehlerlos bestanden wurde. Im Interview bei National Public Radio erklärte Michel Kovacs, Chief Technology Officer in Rio, am Freitag (30. September), dass die digitalen Wahlurnen „absolut sicher, absolut zuverlässig und absolut transparent“ seien.

Brasilien-Wahl: Lula in Umfragen vorne – Bolsonaro könnte Ergebnis nicht anerkennen

Update vom Samstag, 01. Oktober 2022, 10.40 Uhr: Am Sonntag wird in Brasilien gewählt: Das Land steht vor einer Richtungswahl, der rechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro könnte abgewählt werden. Aktuellen Umfragen zufolge kommt sein Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva auf 48 Prozent der Stimmen, Bolsonaro nur auf 34 Prozent.

Angesichts seiner voraussichtlichen Niederlage hat Bolsonaro angedeutet, dass er das Wahlergebnis womöglich nicht akzeptieren wird, falls der linke Präsidentschaftskandidat Lula da Silva gewinnt. Die einzige Möglichkeit für die Opposition, ihn an einer zweiten Amtszeit zu hindern, bestehe darin, die Wahl zu stehlen, sagte Bolsonaro. Diese Rhetorik findet bei seinen Anhängern laut Foreign Policy Anklang. Etwa ein Viertel der rund 50 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianern, die Bolsonaro laut Umfragen wählen wollen, gaben an, dass der Präsident das Ergebnis nicht anerkennen solle, wenn er verliert.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro spricht von Sicherheitslücken -Beweise gibt es aber keine

+++ 18.45 Uhr: Bereits seit dem Jahr 1996 wird in Brasilien elektronisch abgestimmt. Der amtierende Präsident Jair Bolsonaro säte zuletzt Zweifel an der Sicherheit dieser Wahlsysteme, wie der britische Nachrichtensender BBC schreibt. „Das System ist völlig verwundbar“, sagte Bolsonaro im Wahlkampf.

Beweise für seine Anschuldigungen gegen das System bleibt Bolsonaro allerdings schuldig. Nach der Brasilien-Wahl 2014 wurden die Abstimmungen über die elektronischen Automaten geprüft, mit dem Ergebnis, dass es keinerlei Wahlfälschungen gab, wie BBC berichtet.

Brasilien-Wahl: Neymar wirbt mit TikTok-Video für Bolsonaro

+++ 15.56 Uhr: Der brasilianische Fußball-Superstar Neymar hat im Internet Werbung für den rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro gemacht. Auf TikTok veröffentlichte der Offensivspieler von Paris St. Germain ein Video, in dem er lächelnd einen Song mimt, der zur Abstimmung für Bolsonaro aufruft. Bolsonaro twitterte Neymars Video und fügte als Kommentar „Danke, @neymarjr!“ hinzu.

Bereits am Vortag hatte Neymar, der mehr als acht Millionen Abonnenten auf TikTok und fast 180 Millionen auf Instagram hat, Bolsonaro medienwirksam für einen Besuch in einem von ihm gegründeten Kinderzentrum in Sao Paulo gedankt. Kommunikationsminister Fabio Faria und Bolsonaros Sohn verbreiteten eine entsprechende Videobotschaft des Kapitäns der brasilianischen Nationalmannschaft.

Während andere brasilianische Fußballer wie Rai (früher Paris) oder Juninho (früher Lyon) bereits ihre Sympathien für Lula bekundet haben, ist Neymar der erste aktuelle brasilianische Nationalspieler, der seine Unterstützung für einen der beiden Kandidaten kundtut.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro und Lula nennen einander „Lügner“

Erstmeldung vom Freitag, 30.09.2022: Rio de Janeiro – Vor der ersten Runde der Präsidentenwahl in Brasilien am Sonntag (2. Oktober) liegt Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva in den Umfragen deutlich vor Amtsinhaber Jair Bolsonaro. In einer Erhebung des Instituts Datafolha entfielen 48 Prozent der Stimmen auf den Herausforderer, während der Amtsinhaber nur auf 34 Prozent kam.

Mit polemischen Attacken auf Lula da Silva hat der rechtsradikale Staatschef das TV-Duell wenige Tage vor der Präsidentenwahl bestritten. Der 67-Jährige beschimpfte Lula am Donnerstag (29. September) vor einem Millionenpublikum als „Lügner“, „Ex-Häftling“ und „Vaterlandsverräter“ und machte keinen Hehl aus seiner persönlichen Abneigung gegen den linken Ex-Präsidenten.

Brasilien-Wahl: Lula deutlich vor Bolsonaro

Bolsonaro warf Lula ferner vor, während seiner Amtszeit an der Spitze einer Bande von „Dieben“ gestanden zu haben, und verwies auf den Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras. Lula verbrachte wegen des Skandals 2018 und 2019 insgesamt 18 Monate im Gefängnis, doch wurden die gegen ihn verhängten Urteile vom Obersten Gerichtshof Brasiliens aus formalen Gründen aufgehoben.

„Das Volk wird Dich am 2. Oktober nach Hause schicken“, erwiderte Lula, der in den Umfragen deutlich vor dem Amtsinhaber liegt. Auch er bezichtigte Bolsonaro ein „Lügner“ zu sein. „Wie kannst Du in den Spiegel schauen, wenn man sieht, was unter Deiner Regierung passiert ist?“, fragte Lula. Dabei verwies er auf einen Skandal im Bildungsministerium und die Anschuldigungen gegen Bolsonaros ältesten Sohn, der im Verdacht steht, Gelder unterschlagen zu haben.

  • Wer wählt?
  • Nach den offiziellen Zahlen des Obersten Wahlgerichts (TSE) werden am 2. Oktober 156.454.011 Brasilianer wahlberechtigt sein, das sind sechs Prozent mehr als bei der Wahl von 2018. Gut 52 Prozent der Wähler sind Frauen. In Brasilien herrscht zwar Wahlpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger zwischen 18 und 70 Jahren. Die Geldbuße für diejenigen, die der Wahl fernbleiben, ist allerdings gering und somit eher symbolisch. 16- und 17-Jährige, sowie über 70-Jährige und Analphabeten dürfen wählen, müssen aber nicht.
  • Wer wird gewählt?
  • Zur Wahl stehen der Präsident, die Gouverneure aller 27 Bundesstaaten (einschließlich des Bundesdistrikts Brasília), die Parlamentsabgeordneten und ein Drittel der Senatoren auf Bundesebene (Congresso) sowie die Abgeordneten der Parlamente der einzelnen Bundesstaaten. Alle mit Ausnahme der Senatoren werden für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Bei der Präsidentschaftswahl und den Gouverneurswahlen findet am 30. Oktober eine Stichwahl statt, falls im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erhält.
  • Wie wird abgestimmt?
  • Brasilianer stimmen an elektronischen Wahlurnen ab. Jeder Wähler und jede Wählerin muss einen Code eingeben, der dem des Kandidaten entspricht: zwei Ziffern für den Präsidenten und die Gouverneure, drei für die Senatoren, vier für die Abgeordneten des Bundesparlaments und fünf für die Abgeordneten der Parlamente jedes Staates. Das elektronische Wahlsystem, das seit 1996 in Brasilien funktioniert, wird regelmäßig von dem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro als nicht fälschungssicher kritisiert, wofür es jedoch keine Anhaltspunkte gibt. Damit bereitet der Amtsinhaber womöglich die Anfechtung des Ergebnisses vor, falls er nicht wiedergewählt wird.

Sollte Lula am Sonntag im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, so wäre er bereits im ersten Durchgang zum Staatschef Brasiliens gewählt. Erhält keiner der Kandidaten diese Mehrheit, so treten die beiden Bestplatzierten am 30. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.

Brasilien-Wahl: Lula polarisiert

Der Linkspolitiker Lula regierte Brasilien bereits von 2003 bis 2010. Durch seine umstrittene Verhaftung war er 2018 im Präsidentschaftsrennen ausgebootet worden, und Bolsonaro kam an die Macht. Der Rechtsaußen-Präsident polarisierte in den vier Jahren seiner Amtszeit wie kaum ein Staatschef vor ihm in Brasilien. (skr/afp)

Rubriklistenbild: © Sergio Lima/AFP

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