Berliner Terroranschlag

Fall Anis Amri: Verfassungsschutz wehrt sich gegen Versagens-Vorwürfe

+
Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz zurückgewiesen.

Die „Welt am Sonntag“ hatte am Wochenende berichtet, die Behörde habe bereits im Januar 2016 eine zweiseitige Analyse zu Anis Amri verfasst, die Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen selbst unterschrieben habe. Das Amt habe für Amri eine eigene Sachbearbeiterin eingesetzt, die Agentin F. in Berlin. Der Inlandsgeheimdienst hielt am Montag dagegen, der Bericht enthalte unzutreffende Angaben und Zuspitzungen.

Ein Sprecher sagte, die Existenz des beschriebenen Papiers sei seit Monaten öffentlich bekannt, etwa durch einen Bericht des Geheimdienst-Kontrollgremiums im Bundestag. Die Inhalte in dem Dokument seien aber nicht vom Verfassungsschutz gekommen, sondern vom Landeskriminalamt NRW. Der Verfassungsschutz habe das Dokument nur in Amtshilfe erstellt. 

Ein Jahr ist der Terroranschlag in Berlin nun her.

Die Unterschrift des Behördenchefs sei für derartige Papiere üblich. Es habe auch keine Agentin F. gegeben. „Es gab keinen Sachbearbeiter und keine Sachbearbeiterin, die allein oder speziell nur für Anis Amri zuständig war.“

Ausführliche Chronologie liegt offenbar vor

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte mit Blick auf den Medienbericht, die beteiligten Behörden hätten im Fall Amri vor Monaten eine ausführliche Chronologie vorgelegt. Darin seien auch „alle jetzt vermeintlich, angeblich so neuen Erkenntnisse“ zu finden.

Vor einem Jahr, am 19. Dezember 2016, war Amri mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Bei dem bislang schwersten islamistischen Anschlag hierzulande waren zwölf Menschen getötet und annähernd 100 Menschen verletzt worden. Amri wurde später auf der Flucht von italienischen Polizisten erschossen.

dpa

Mehr zum Thema

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Prozess um Messerattacke von Chemnitz: Urteil ist gefallen - Anwälte legen Rechtsmittel ein

Prozess um Messerattacke von Chemnitz: Urteil ist gefallen - Anwälte legen Rechtsmittel ein

Unerwartete Entscheidung: SPD-Spitzenpolitiker will Parteichef werden - Riskante Kandidatur

Unerwartete Entscheidung: SPD-Spitzenpolitiker will Parteichef werden - Riskante Kandidatur

Zentralrat: Teile der AfD entwickeln sich ins Völkische

Zentralrat: Teile der AfD entwickeln sich ins Völkische

Neue Sachsen-Umfrage: CDU jetzt deutlicher vor AfD - SPD bleibt im Keller

Neue Sachsen-Umfrage: CDU jetzt deutlicher vor AfD - SPD bleibt im Keller

Neuneinhalb Jahre Haft für Alaa S. im Chemnitz-Prozess

Neuneinhalb Jahre Haft für Alaa S. im Chemnitz-Prozess

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren