Brände in zwei geplanten Heimen

Unterkünfte für Flüchtlinge: Anschläge nehmen kein Ende

+
Brandspuren sind am am 20.09.2015 in Wertheim (Baden-Württemberg) nach einem Feuer in einer geplanten Notunterkunft für Flüchtlinge zu sehen.

Wertheim/Berlin - Ein Ende der Gewalt scheint nicht in Sicht: Am Wochenende brannte es wieder in geplanten Flüchtlingsunterkünften. Mittlerweile werden aber auch Unterstützer der Flüchtlinge zur Zielscheibe der rechten Brandstifter.

Die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte reißen nicht ab. Erneut hat es am vergangenen Wochenende in zwei geplanten Heimen gebrannt. Im baden-württembergischen Wertheim zündeten Unbekannte in der Nacht auf Sonntag nach Angaben von Polizei und Stadtverwaltung eine geplante Notunterkunft an. Knapp 400 Flüchtlinge hätten in der Halle untergebracht werden sollen - sie ist nun einsturzgefährdet. Zwei Bewohner eines benachbarten Altenheims kamen mit Verdacht auf Rauchgas-Vergiftung in eine Klinik.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern ging eine geplante Unterkunft in Flammen auf: Ein Mehrfamilienhaus bei Laage, in das Flüchtlinge einziehen sollten, wurde am Sonntag in Brand gesetzt. Ob das derzeit unbewohnte Haus weiterhin als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden kann, sei derzeit noch unklar, teilte die Polizei am Sonntag mit. Zuletzt hatte es in Deutschland immer wieder Anschläge gegen bestehende oder geplante Flüchtlingsunterkünfte gegeben.

In Wertheim sind bereits 600 Flüchtlinge in einer anderen Unterkunft untergebracht. Oberbürgermeister Stefan Mikulicz (CDU) hatte vor der Belegung einer zweiten Unterkunft gewarnt, weil die Helfer am Ende ihrer Kräfte seien. Vorerst sollen nun keine weiteren Schutzsuchenden in die Kleinstadt gebracht werden, sagte ein Vertreter der Landesregierung.

Im baden-württembergischen Riedel brannten zwei Mülltonnen bei einem Flüchtlingsheim. In der Unterkunft waren 47 Flüchtlinge aus Syrien untergebracht, nach Polizeiangaben bestand für sie keine Gefahr. Außerdem wurden die Außenwände des Hauses mit umgekehrten Hakenkreuzen und rechten Parolen beschmiert.

Doch die Gewalt richtet sich nicht nur gegen die Flüchtlinge selbst, sondern auch gegen Helfer. Im brandenburgischen Neuhardenberg sind zwei Autos von Unterstützern einer Flüchtlingsinitiative angezündet worden und ausgebrannt. Das Brandenburger Innenministerium bestätigte, dass es sich um Brandstiftung handele. Die Polizei ermittele in alle Richtungen, aber ein politischer Hintergrund liege nahe, sagte ein Ministeriumssprecher am Sonntag.

In Sachsen kam es nach Heidenau, Freital und Dresden wieder zu rechtsgerichteten Krawallen vor einem Flüchtlingsheim. In den Nächten zu Freitag und Samstag hatten rechte Pöbler vor der Notunterkunft demonstriert, so dass Busse mit Asylbewerbern nur unter Polizeischutz auf das Gelände kamen, wie die Polizei mitteilte. Bis zu 100 teils betrunkene Rechte und Gaffer hatten die Zufahrt belagert, ausländerfeindliche Parolen skandiert und eine Flasche gegen einen Flüchtlingsbus geworfen.

Die Polizei bildete am Samstag einen Kontrollbereich um die Erstaufnahmeeinrichtung. Obwohl auch am Samstagabend wieder rechte Pöbler vor dem Heim aufzogen, blieb es dank der starken Polizeipräsenz ruhig.

dpa

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.


Es gelten die Datenschutzbestimmungen unserer Webseite.

Meistgelesen

Eklat vor Merkels Reise: Kanzlerin kritisiert Einreiseverweigerung für CDU-Abgeordneten

Eklat vor Merkels Reise: Kanzlerin kritisiert Einreiseverweigerung für CDU-Abgeordneten

Trumps Ex-Wahlkampfmanager Manafort offenbar schuldig gesprochen

Trumps Ex-Wahlkampfmanager Manafort offenbar schuldig gesprochen

Gericht entscheidet: Abgeschobener Sami A. soll zurückkommen

Gericht entscheidet: Abgeschobener Sami A. soll zurückkommen

Außenminister Maas in Auschwitz: „Hölle auf Erden war eine deutsche Schöpfung“

Außenminister Maas in Auschwitz: „Hölle auf Erden war eine deutsche Schöpfung“

Aretha Franklin wohl todkrank - weltweite Anteilnahme

Aretha Franklin wohl todkrank - weltweite Anteilnahme

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren