Syrien-Konflikt

USA wollen wieder mit Assad verhandeln

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US-Außenminister John Kerry.

Damaskus - Der Aufstand in Syrien geht ins fünfte Jahr - Dschihadisten sind die größten Gewinner im Konflikt. Nun wollen die USA versuchen, über Verhandlungen einen politischen Übergang in Syrien zu erreichen.

Nach vier Jahren Bürgerkrieg in Syrien wollen die USA einen neuen Anlauf zur Beilegung des Konfliktes starten - und sind dabei offenbar auch zu Verhandlungen mit Staatschef Baschar al-Assad bereit. "Am Ende werden wir verhandeln müssen", sagte US-Außenminister John Kerry am Sonntag. Die irakische Armee und ihre Verbündeten kündigten derweil an, bis Dienstag die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat kontrollierte Stadt Tikrit zurückerobern zu wollen.

Bisher hatte der Westen in Syrien eine Lösung nur ohne Assad gesehen. Nun aber sagte Kerry auf die Frage einer Journalistin des Fernsehsenders CBS, ob er zu Verhandlungen mit dem syrischen Machthaber bereit sei: "Wenn er bereit ist zu seriösen Verhandlungen auf Basis der Genfer Vereinbarungen, natürlich." Weiter fügte Kerry hinzu: "Wir drängen ihn, zu kommen und es zu tun."

"Kerry hat nicht gesagt, dass wir direkt mit Assad verhandeln würden"

Allerdings erklärte Vize-Außenamtssprecherin Marie Harf nur kurz nach Ausstrahlung des Interviews, dass es keine Änderung der US-Politik gebe. Kerry habe die "seit langem bestehende Politik" bekräftigt, "dass wir einen Verhandlungsprozess mit dem Regime am Verhandlungstisch brauchen", schrieb sie auf Twitter. "Kerry hat nicht gesagt, dass wir direkt mit Assad verhandeln würden." Geheimdienstchef John Brennan erklärte seinerseits, die USA beabsichtigten keinen Kollaps der Regierung Assads, da dies der IS-Miliz oder der Terrororganisation Al-Kaida nutzen könne.

Der Bürgerkrieg in Syrien ging am Wochenende in sein fünftes Jahr. Bisher seien bei den Kämpfen mehr als 215.000 Menschen getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Darunter seien mehr als 66.000 Zivilisten. Allein seit Anfang Februar seien mehr als 5000 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen. Die Angaben der Beobachtungsstelle können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden. Sie stützt sich jedoch auf ein dichtes Netzwerk von Informanten in Syrien, das inzwischen auch unter dem Vormarsch der Dschihadistenmiliz IS leidet.

Tikrit könne binnen "höchstens 72 Stunden" zurückerobert werden

Im Kampf gegen den IS will die irakische Armee bis Dienstag die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurückerobern und damit ihren bisher größten Sieg gegen den Islamischen Staat erringen. In der Stadt seien nur noch 60 bis 70 IS-Kämpfer zurückgeblieben, sagte ein Kommandeur der schiitischen Badr-Miliz und Sprecher der sogenannten Volksmobilisierungseinheiten, Karim al-Nuri, der Nachrichtenagentur AFP. Tikrit könne binnen "höchstens 72 Stunden" vollständig zurückerobert werden.

Armeekommandeur Abdulwahab al-Saadi sprach seinerseits von einem "langsamen, aber stetigen Vorrücken" der Regierungstruppen und mit ihr verbündeter Kämpfer. Die Situation sei wegen der vom IS positionierten Scharfschützen und Sprengfallen äußerst schwierig. Er hoffe deshalb auf Luftangriffe durch die internationale Koalition, sagte Al-Saadi, der einer der Kommandeure der Tikrit-Offensive ist. Die US-geführte Koalition könne "die Ziele ganz exakt identifizieren und angreifen".

Die Offensive zur Rückeroberung Tikrits ist der bislang größte Militäreinsatz gegen den IS, der im vergangenen Sommer weite Gebiete im Irak und im benachbarten Syrien unter seine Kontrolle bringen konnte und dort ein radikalislamisches "Kalifat" ausgerufen hat. Die Tikrit-Offensive soll auch eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Rückeroberung der Metropole Mossul weiter im Norden sein.

AFP/dpa

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