„Aufarbeitung aller Vorwürfe“

„Filter“ im Sender? Ärger bei den Öffentlich-Rechtlichen weitet sich aus – NDR-Mitarbeiter fordern Aufklärung

Der Ärger bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nimmt nicht ab. Nach der RBB-Affäre trifft es jetzt den Norddeutschen Rundfunk (NDR).

München/Kiel - Der öffentlich-rechtliche Rundfunk erlebt turbulente Tage. Der RBB muss sich mit dem Skandal um die ehemalige Intendantin Patricia Schlesinger beschäftigen - mittlerweile gibt es ganz anders gelagerte Vorwürfe auch gegen den NDR. Nun haben Mitarbeitende offenbar einen Brandbrief an ihre Vorgesetzten geschrieben. Sie fordern eine Aufarbeitung und Aufklärung der Vorwürfe.

NDR-Brandbrief: Mitarbeitende fordern Aufarbeitung der Vorwürfe

Dem NDR wird vorgeworfen, kritische Berichterstattung unterdrückt zu haben. Dabei soll es um Berichte zu Mitgliedern der schleswig-holsteinischen Landesregierung gehen. Der Stern zitiert jetzt aus einem Brandbrief von NDR-Mitarbeitenden. Insgesamt 72 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesfunkhauses in Kiel distanzieren sich demnach vom Verhalten ihrer Vorgesetzten. Sie fordern „eine lückenlose und transparente Aufarbeitung aller Vorwürfe“.

Mitarbeitende des NDR machen dem ARD-Sender Vorwürfe. 

Die Unterzeichner des Briefes fordern, „dass alle Mitarbeitenden des NDR Schleswig-Holstein zeitnah und vollumfänglich über die weiteren Vorgänge informiert und am Aufarbeitungsprozess beteiligt werden“. Sie verlangen die Aufklärung der Vorwürfe, um das Vertrauen der Mitarbeitenden und bei den Zuschauenden wieder herzustellen, wie es in dem Brief hieß.

NDR weist Vorwürfe politischer Einflussnahme zurück

Der unabhängige Landesrundfunkrat Schleswig-Holstein leitete unterdessen eine Prüfung ein. „Wir als allein zuständiges Kontrollgremium werden diese Prüfung durchführen und dort, wo es notwendig ist, externen Sachverstand hinzuziehen. Wir nehmen die erhobenen Vorwürfe sehr ernst“, sagte die Vorsitzende Laura Pooth am späten Montagabend nach einer Sondersitzung. Die Gremiumsmitglieder werden demnach Unterlagen und Informationen einholen und die erforderlichen Gespräche führen.

Zuvor hatten die Medien Business Insider und danach der Stern über Vorwürfe berichtet. Diesen zufolge soll es eine Art Filter durch die Vorgesetzten in der Redaktion geben. So wurde angeblich ein Interview, das ein NDR-Journalist führen wollte, durch seinen Vorgesetzten abgelehnt.

Der Chefredakteur des NDR für Schleswig-Holstein, Norbert Lorentzen wies die Vorwürfe politischer Einflussnahme letzte Woche zurück. „Den Vorwurf, es gebe einen ‚politischen Filter‘ im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein, weist der NDR zurück. Die Berichterstattung ist unvoreingenommen und unabhängig“, erklärte der ARD-Sender NDR in einem Statement. Wie der Stern berichtete, hatten sich Lorentzen und die Redaktionsleiterin „Politik und Recherche“, Julia Stein, sich befangen erklärt. Somit sollen sie keine journalistischen Beiträge mehr abnehmen. (vk/dpa)

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/picture alliance/dpa

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