Nato-Gipfel

Donald Trump in London: Trudeau und Co. lästern - US-Präsident reagiert

+
Screenshot - Emmanuel Macron (2.v.r), Präsident von Frankreich, spricht bei einem NATO-Empfang mit Mark Rutte (l), Ministerpräsident der Niederlande, Justin Trudeau (2.v.l), Premierminister von Kanada und Boris Johnson (l), Premierminister von Großbritannien. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs soll das 70-jährige Bestehen des Militärbündnisses gefeiert werden.

Der Nato-Gipfel einigt sich auf eine gemeinsame Abschlusserklärung. Einige Regierungschefs sollen dabei gefilmt worden sein, wie sie über US-Präsident Donald Trump ablästern.

  • Nato-Gipfel am 3. und 4.12. in London
  • Nato-Staaten einigen sich auf Text für Gipfelerklärung
  • Donald Trump kritisiert Emmanuel Macron und nimmt Recep Tayyip Erdogan in Schutz
  • Nato-Gipfel in London: Keine Liebe für Donald Trump
  • Abschlusserklärung trotz Differenzen
  • Angebliche Lästereien zwischen Macron, Trudeau und Johnson verärgern US-Präsident

Update, 6.12.2019. 11:55 Uhr: In der Runde, die scheinbar über US-Präsident Donald Trump gelästert hatten und dabei auf einem Video festgehalten wurden, war sie nicht dabei: Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin war wie Trump beim Nato-Gipfel in London anwesend.

Im Anschluss an den Gipfel flog Donald Trump zurück nach Washington, um am Donnerstag an einem Mittagessen mit Botschafterinnen und Botschaftern der Staaten, die im UN-Sicherheitsrat vertreten sind, teilzunehmen. Dort soll er, wie mehrere Medien berichten, über Merkel gesagt haben: „Sie ist wirklich eine fantastische Frau.“

Das verwundert, vor allem angesichts der Tatsache, dass Trump erst vor kurzem ganz anders über Merkel gesprochen hatte. Im Mittelpunkt der Ukraine-Affäre, die letztlich zum Impeachment-Prozess gegen Donald Trump geführt hatte, stand einTelefonat zwischen Trump und Wolodymyr Selenskyi. In diesem Telefonat hatte sich Trump sehr abfällig über Merkel geäußert.

Update, 04.12.2019, 16.25 Uhr: Ziemlich verärgert reagiert US-Präsident Donald Trump auf die angebliche Lästerei des kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau, Großbritanniens Premier Boris Johnson und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf dem Nato-Gipfel in London. Vor allem auf den kanadischen Regierungschef ist Trump wohl nicht mehr gut zu sprechen. 

Als Reaktion auf das Twitter-Video, dass die drei Staatschefs beim gemeinsamen Tratsch über Donald Trump zeigen soll, nennt der US-Präsident Trudeau "doppelzüngig". Kanadas Premier sei zwar ein "netter Kerl" aber offenbar unzufrieden, weil Trump ihn auf unzureichende Verteidigungsausgaben angesprochen habe, so Trump.

Nato-Gipfel: Trudeau und Macron lästern im Video über Donald Trump

Update, 15.10 Uhr: Haben sich mehrere Staats- und Regierungschefs bei einem Empfang im Buckingham-Palast gemeinsam über US-Präsident Donald Trump lustig gemacht? Danach sieht es zumindest auf einem Video mit Gesprächsfetzen zwischen dem kanadischen Regierungschef Justin Trudeau, Großbritanniens Premier Boris Johnson und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vom Nato-Gipfel in London aus. Der Clip wurde auf Twitter bis Mittwochmittag mehr als sechs Millionen Mal geklickt.

Dabei ist das Gespräch sehr schlecht zu verstehen und der Zusammenhang ziemlich undurchsichtig. Zu sehen ist ein lachender Johnson, der Macron fragt: „Sind Sie deshalb zu spät gekommen?“ - Darauf schaltet sich ein gut gelaunter Trudeau ein: „Er war zu spät dran, weil er eine 40-minütige Extra-Pressekonferenz eingelegt hat.“ Nach einem Schnitt sagt Trudeau: „Ich habe gesehen, wie seinem Team die Kinnlade auf den Boden gefallen ist.“ Dazu macht Trudeau eine entsprechende Geste. Auch der niederländische Regierungschef Mark Rutte und die Tochter von Queen Elizabeth II., Prinzessin Anne, beteiligten sich an der Unterhaltung.

Was Johnson und Trudeau genau meinten, blieb unklar. Der Name des US-Präsidenten ist nicht zu hören. Die Aussagen wurden jedoch als Anspielung auf eine Pressekonferenz von Trump und Macron vor dem Nato-Gipfel interpretiert, die Trump spontan ausdehnte und bei der Streit zwischen beiden deutlich wurde. Macron hatte der Nato vor Wochen den „Hirntod“ bescheinigt. Trump hatte das scharf kritisiert.

Trump wurde am Mittwoch bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel am Rande des Nato-Gipfels auf den Clip und Trudeaus Kommentare angesprochen. Trudeau habe zwei Gesichter, sagte Trump dazu. Der kanadische Regierungschef sei ein „sehr netter Kerl“. Aber Trudeau sei wohl nicht glücklich darüber, dass er (Trump) ihn wegen zu niedriger Rüstungsausgaben Kanadas kritisiert habe.

Update, 14.25 Uhr: Trotz vieler Differenzen haben sich die Nato-Staaten bei ihrem Gipfel in Großbritannien auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt. Darin erneuern die Verbündeten ihre gegenseitige Beistandsverpflichtung und heben auch die Bedeutung der „transatlantischen Bindung zwischen Europa und Nordamerika“ hervor, wie aus der am Mittwoch verabschiedeten Londoner Erklärung hervorgeht. Die Nato-Partner erwähnen darin auch die „Herausforderungen“ durch ein immer stärker werdendes China.

Update, 10 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat beim Gipfel in Watford bei London verteidigt, dass sich das Militärbündnis erstmals in seiner Geschichte mit dem Bedrohungspotenzial Chinas beschäftigt. „China ist jetzt das Land auf der Welt, das nach den USA am meisten Geld für Verteidigung ausgibt“, sagte Stoltenberg am Mittwoch zum Auftakt des zweiten Gipfeltages. Zudem habe es zuletzt neue moderne Fähigkeiten vorgestellt, zu denen auch Atomwaffen zählten. Der Aufstieg Chinas stelle sowohl Chancen als auch Herausforderungen dar, sagte Stoltenberg. Damit müssten sich die Bündnispartner nun gemeinsam beschäftigen.

Natos Beziehung zu Russland

Zu den weiteren Themen bei einer rund dreistündigen Arbeitssitzung werden nach Angaben von Stoltenberg die Beziehungen der Nato zu Russland, Rüstungskontrolle sowie die Bemühungen um eine fairere Lastenteilung innerhalb des Bündnisses sein.

Update, 4.12.2019, 6:52 Uhr: Nach dem Streit zwischen Frankreich und den USA zum Auftakt des Nato-Jubiläumsgipfels richtet das Bündnis am Mittwoch den Blick nach vorn. Bei einer Arbeitssitzung der 29 Staats- und Regierungschefs in Watford bei London soll es um neue Herausforderungen wie die Militärmacht Chinas gehen, aber auch um Dauerbrenner wie die Steigerung der Verteidigungsausgaben. 

Die Differenzen im Bündnis dürften weiter mitschwingen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte der Nato vor wenigen Wochen den „Hirntod“ bescheinigt und damit für massive Verärgerung bei den meisten Bündnispartnern gesorgt. US-Präsident Donald Trump griff Macron dafür am Dienstag heftig an und nannte die Fundamentalkritik des französischen Präsidenten beleidigend, gefährlich und respektlos. Macron hielt jedoch öffentlich dagegen und sagte, er stehe zu seinen Äußerungen. Er erneuerte auch die Kritik an der Türkei wegen deren unabgestimmter Militäraktion in Nordsyrien und des Kaufs eines russischen Raketenabwehrsystems.

Update, 3.12.2019, 18:20 Uhr: Donald Trump wird während seines Aufenthalts auf dem Nato-Gipfel in London wohl nicht all zu viele Sympathien erfahren. Die Bevölkerung der britischen Hauptstadt steht dem US-Präsidenten mehrheitlich kritisch gegenüber und auch unter den Politikern auf der Insel gibt es nur wenige, die Trump freundschaftlich begegnen - sieht man von Rechtspopulisten wie Nigel Farage einmal ab.

Premierminister Boris Johnson jedenfalls scheint seinen US-amerikanischen Amtskollegen auf dem Nato-Gipfel zu meiden. Bislang ist kein bilaterales Treffen zwischen Johnson und Trump geplant. Wie die US-amerikanischen Nachrichtensender CNN und NBC gleichermaßen berichten, war es Johnsons Entscheidung, auf einen solchen Termin zu verzichten. Ein direktes Treffen der beiden hätte im Anschluss die klassischen Fotos von händeschüttelnden Spitzenpolitikern in Umlauf gebracht. Deren Wirkung sei von Johnson und seinem Team so kurz vor der Wahl in Großbritannien als negativ eingeschätzt worden.

Donald Trump und Boris Johnson: Ein spontanes Treffen ist noch möglich

Sprecher von Johnson und Trump spielten die Angelegenheit herunter. Ein spontanes Treffen sei immer noch möglich, und sollte es nicht dazukommen, wäre auch das kein Anzeichen für sich verschlechternde Beziehungten. „Die Beiden reden ständig miteinander und teilen viele gemeinsame Interessen“, sagte ein Mitarbeiter Trumps gegenüber NBC.

Update, 3.12., 16.15 Uhr: Die Nato will erstmals Position gegenüber China beziehen. Chinas wachsender Einfluss biete „Chancen“, stelle aber auch vor „Herausforderungen“, heißt es im Entwurf der Gipfelerklärung, der am Dienstag bekannt wurde, aber noch am Mittwoch von den Staats- und Regierungschefs verabschiedet werden muss. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte, es gehe nicht darum, China zu einem „neuen Gegner“ zu erklären.

Stoltenberg verwies aber darauf, dass China das zweitgrößte Verteidigungsbudget der Welt habe. Dies bedeute wachsende militärische Kapazitäten, darunter moderne Raketen, die Europa oder die USA erreichen könnten, sagte er. Die Nato erkenne nun an, dass „der Aufstieg Chinas Auswirkungen auf die Sicherheit der Alliierten“ habe.

Nato-Gipfel in London: Donald Trump gegen Emmanuel Macron

Erstmeldung

London - Bei Donald Trump weiß man nie so recht, woran man ist. Während er früher nicht so recht was mit der Nato am Hut und sie auch einmal als „obsolet“ bezeichnet hatte, ist das jetzt plötzlich ganz anders geworden. Und warum? Ganz offenbar, weil der französische Präsident Emmanuel Macron kürzlich den „Hirntod“ der Militärallianz verkündet hatte.

Angespanntes Verhältnis: Donald Trump und Emmanuel Macron in London.

Das gefiel Donald Trump wohl gar nicht gut. Macrons Aussage sei „sehr respektlos“ und „sehr, sehr bösartig“ gegenüber den anderen 28 Mitgliedstaaten der Nato. Trump warnte, dass Paris sich vom Bündnis lösen könne. „Niemand braucht die Nato mehr als Frankreich“, sagte er. Solche Äußerungen seien deshalb „sehr gefährlich“ für Frankreich.

Nato-Gipfel in London: Donald Trump erneuert Kritik an Deutschland

Aus Sicht von Trump nützt die Nato den Europäern mehr als den USA. Trotz versöhnlicherer Töne beklagte der US-Präsident in London erneut die unfaire Lastenverteilung unter den Bündnispartnern und erneuerte seine Kritik an den Verteidigungsausgaben Deutschlands. Dabei nannte er jedoch Zahlen, die deutlich unter den Nato-Angaben liegen. Die USA zahlten 4,0 bis 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung, während Deutschland nur 1,0 bis 1,2 bei einem deutlich niedrigeren BIP ausgeben würde, sagte Trump. „Das ist nicht fair.“

Deutschland gab nach der offiziellen Nato-Statistik in diesem Jahr 1,38 Prozent des BIP für Verteidigung aus und die USA 3,42 Prozent. Die Nato hat sich mindestens zwei Prozent jedes einzelnen Mitgliedstaats zum Ziel gesetzt. Die Bundesregierung will bis 2024 1,5 Prozent erreichen, 2014 waren es noch 1,2 Prozent. Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) haben sich zwar für zwei Prozent bis 2031 ausgesprochen, das ist aber noch keine Regierungsposition.

Trump betonte, dass selbst die zwei Prozent aus seiner Sicht zu wenig seien. „Die Zwei ist eine sehr niedrige Zahl, es sollten eigentlich vier (Prozent) sein“, sagte er. Der US-Präsident fordert seit langem höhere Verteidigungsausgaben der europäischen Nato-Partner. Seine Kritik fiel diesmal aber moderater aus als bei früheren Auftritten.

Nato-Gipfel: Donald Trump nimmt die Türkei gegen Kritik in Schutz

Offizieller Auftakt des Nato-Gipfels ist am Dienstagabend ein Empfang bei Königin Elizabeth II. (19.00 Uhr MEZ). Vorher soll es um den Streitpunkt der Allianz* gehen, der auch Anlass für Macrons Kritik war: die nicht abgestimmte Syrien-Offensive des Nato-Partners Türkei. Merkel und Macron beraten darüber (16.00 Uhr MEZ) mit dem britischen Premier Boris Johnson und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Trump nahm die Türkei gegen Kritik in Schutz: „Ich mag die Türkei und komme sehr gut mit ihr zurecht.“ Das Land sei „ein sehr wichtiges Mitglied der Nato“.

Streit gibt es mit der Türkei auch wegen des Kaufs eines russischen Raketenabwehrsystems. Trump äußerte auch dafür Verständnis - obwohl die US-Regierung befürchtet, dass Russland über das empfindliche Radar des Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten des US-Kampfjets F-35 gelangen könnte. Die Türkei wurde deshalb aus dem Programm ausgeschlossen. (cs/dil/dpa/afp)

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Wahl-Ergebnisse in Nordirland: Deutliches Zeichen gegen Johnsons Brexit
Wahl-Ergebnisse in Nordirland: Deutliches Zeichen gegen Johnsons Brexit
Finale vor Großbritannien-Wahl: Johnson flieht vor Reporter in Kühlschrank - Pressesprecher flucht live im TV
Finale vor Großbritannien-Wahl: Johnson flieht vor Reporter in Kühlschrank - Pressesprecher flucht live im TV
Großbritannien-Wahl 2019: Gewaltiges Johnson-Ergebnis - Labour vor dem Abgrund
Großbritannien-Wahl 2019: Gewaltiges Johnson-Ergebnis - Labour vor dem Abgrund
Ukraine-Affäre: First Lady Melania Trump löst Shitstorm per Tweet aus
Ukraine-Affäre: First Lady Melania Trump löst Shitstorm per Tweet aus

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren