Nächste Drohung aus Moskau

Bei Nato-Beitritt: Russland-Politiker warnt Finnland drastisch - „Würde zur Zielscheibe“

Ende März 2022: Finnische Soldaten nehmen an der NATO-Übung „Cold Response“ in Norwegen teil.
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Ende März 2022: Finnische Soldaten nehmen an der Nato-Übung „Cold Response“ in Norwegen teil.

Finnland bereitet einen „zügigen“ Nato-Beitritt vor. Es folgen mitten im Russland-Ukraine-Krieg eine harsche Drohung aus Moskau und offenbar eine Cyber-Attacke.

München/Moskau/Helsinki - Es wäre die nächste Eskalationsstufe zwischen dem transatlantischen Verteidigungsbündnis Nato und Moskau nach dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Krieges*: ein Beitritt Finnlands zur Nato. Laut finnischem Präsidenten Sauli Niinistö steht das skandinavische Land vor einem Mitgliedschaftsantrag. Er rechne mit einer „gewaltigen parlamentarischen Mehrheit“ für einen Beitrittsantrag, erklärte Niinistö der Süddeutschen Zeitung und erwartete eine „zügige“ Entscheidung.

Wegen Russland-Ukraine-Krieg: Finnland plant Nato-Beitritt

Finnland mit seinem riesigen Territorium, aber nur 5,4 Millionen Einwohnern, blickt auf Jahrzehnte der Bündnisfreiheit und der Neutralität zurück. Diese würden die Skandinavier mit einem Beitritt in die Nato* aufgeben. „Diejenigen, die die Entscheidung treffen, müssen die Fakten dafür und dagegen genau abwägen“, sagte Niinistö: „Wenn die Entscheidung einmal getroffen ist, gibt es kein Zurück mehr.“

Zuletzt hatte es im Eiltempo einen Stimmungswechsel gegeben, nachdem Russland die Ukraine mit geschätzt 150.000 Soldaten überfallen* hatte. Und die Bilder mutmaßlicher Kriegsverbrechen auch das Parlament in Helsinki erreichten, vor dem am Freitag (8. April) per Videoschalte Wolodymyr Selenskyj sprach.

Im Video: Kompakt - Die News zum Russland-Ukraine-Krieg

Der ukrainische Präsident erinnerte die Abgeordneten an den sowjetischen Überfall auf ihr Land im finnischen Winterkrieg 1939/40, den Finnland nur unter hohen Verlusten an Soldaten und Gebieten Kareliens abwehren konnte. Schon in den vergangenen Jahren hatten sich das Land und die Verteidigungskräfte Finnlands immer mehr der Nato angenähert, nachdem Russland 2014 völkerrechtswidrig die Krim im Schwarzen Meer annektiert hatte. Ein Beispiel: Ende März probten finnische Soldaten den Ernstfall mit Nato-Kollegen - auch mit deutschen Bundeswehr-Soldaten* - bei der Übung „Cold Response“ im nördlichen Norwegen.

Finnland will in die Nato: Russland reagiert mit einer Drohung aus Moskau

Markant: Sowohl die nordöstliche Spitze Norwegens als auch der Norden Finnlands grenzen an oder liegen nahe der russischen Oblast Murmansk*, wo in der gleichnamigen Großstadt (rund 300.000 Einwohner) und im benachbarten Seweromorsk die Nordflotte stationiert ist. Eine Reaktion auf die sicherheitspolitischen Bestrebungen Finnlands folgte sogleich aus Moskau - und das in drastischer Wortwahl.

Ich denke, das wäre eine schreckliche Tragödie für das gesamte finnische Volk.

Wladimir Dschabarow, russischer Duma-Abgeordneter

„Wenn sich die finnische Führung darauf einlässt, wäre das ein strategischer Fehler. Finnland, das sich dank der engen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Russland all die Jahre erfolgreich entwickelt hat, würde zur Zielscheibe. Ich denke, das wäre eine schreckliche Tragödie für das gesamte finnische Volk“, erklärte laut Bild der russische Duma-Abgeordnete Wladimir Dschabarow. Es sei unwahrscheinlich, dass „die Finnen selbst eine Karte für die Zerstörung ihres Landes unterschreiben würden“.

Nato-Beitritt Finnlands wegen Russland-Ukraine-Kriegs? Cyber-Angriffe auf Ministerien

Just am Freitag wurde offenbar auch ein Cyber-Angreif auf das finnische Verteidigungs- und Außenministerium verübt. Das Verteidigungsressort bestätigte um die Mittagszeit eine „Überlastungs-Attacke“ auf seine Webseite, wie das Portal hbl.fi berichtete. Auch das Angebot des Außenministeriums in finnischer und englischer Sprache war betroffen. Die Urheberschaft ist allerdings noch ungeklärt. Es liefen Untersuchungen, erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Kristian Vakkuri. Interne Informationskanäle seien nicht betroffen gewesen. Auch seien keine Daten abgeflossen. Um 13 Uhr waren die Webseiten des Außenministeriums wieder online, die des Verteidigungsressorts blieben zunächst nicht erreichbar. (pm) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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