Ukraine-Talk in der ARD

„‚Wladi, wir reden mal‘, oder wie?!“ Strack-Zimmermann und Weidel verbeißen sich bei „Maischberger“ heftig

Alice Weidel (AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzende), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP-Bundestagsabgeordnete, Vorsitzende Verteidigungsausschuss) und Moderatorin Sandra Maischberger.
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Alice Weidel (AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzende), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP-Bundestagsabgeordnete, Vorsitzende Verteidigungsausschuss) und Moderatorin Sandra Maischberger.

Mit einer Reihe kurzer Ja-Nein-Fragen versuchte Sandra Maischberger, den Streit zwischen Strack-Zimmermann und Weidel zu kanalisieren. Der Versuch misslang.

Berlin – Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann war für die Dienstags-Ausgabe des ARD-Talks „Maischberger“ auf Angriff gebürstet. Schon am Nachmittag hatte sie auf Twitter angekündigt, der AfD-Vorsitzenden „mal so richtig zeigen“ zu wollen, „was eine Harke ist“. Ihre Strategie für diesen Abend: ins Wort fallen und Beifall des Publikums einsammeln. Mehrfach musste Sandra Maischberger Ordnungsrufe aussprechen. Die Situation drohte zu entgleisen, weil auch Alice Weidel nicht klein beigab.

Mit Sandra Maischberger diskutierten diese Gäste:

  • Wolfgang Ischinger (Sicherheitsexperte, deutscher Botschafter a.D., Ex-Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz)
  • Oliver Kalkofe (TV-Satiriker)
  • Kerstin Palzer (Journalistin, ARD)
  • Gabor Steingart (Journalist, The Pioneer)
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP-Bundestagsabgeordnete, Vorsitzende Verteidigungsausschuss)
  • Alice Weidel (AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzende)

„Es gibt ja viele Kriege, in die sich die Bundesregierung nicht einmischt, wieso hier?“, will Maischberger wissen, und Strack-Zimmermann gibt zu: „Schon 2015 hätten wir deutlicher reagieren müssen.“ Als in der Ukraine der Krieg im eigenen Land begann, habe man tatenlos zugesehen. Aber nun sei klar, dass nur weitere Waffenlieferungen helfen. „Werden wir zur Kriegspartei?“, fragt Maischberger besorgt. Strack-Zimmermann winkt ab. „Nein das werden wir nicht.“ Weidel findet, es seien in dieser Situation der Kanzler und die Außenministerin gefragt, eine diplomatische Lösung müsse her. Strack-Zimmermann findet die Idee absurd: „Also die rufen jetzt an und sagen: Wladi, wir reden jetzt mal - oder wie?“

Strack-Zimmermann bekommt anfangs viel Applaus für ihre Einwürfe, doch das Publikum wird stiller. Auch als Weidel der FDP-Politikerin entgegnet, sie mache Deutschland zum „Kanonenfutter“, unterbricht Strack-Zimmermann sie. Maischberger geht dazwischen. Die Gefahr eines dritten Weltkriegs sei überhaupt nicht existent, sagt die FDP-Politikerin. Weidel wirft ihr vor, sie sei Waffenlobbyistin, weil sie im Präsidium des Förderkreises Deutsches Heer und in der Deutschen Wehrtechnische Gesellschaft sei. Strack-Zimmermann erklärt sich auf Maischbergers Nachfrage und entgegnet, dass es „eben Freundeskreise auch fürs Heer“ gebe. Weidel sei „im Leben falsch abgebogen“.

Strack-Zimmermann an Putin: „Jetzt ist Schluss“

„Wir sollten die Eskalationsspirale nicht noch weiterdrehen, indem wir Waffen liefern, und vor allem keine Offensivwaffensysteme“, kritisiert Weidel, woraufhin Strack-Zimmermann im Detail klarstellen will, wie offensiv einzelne Waffensysteme sind oder eben nicht. Putin müsse gestoppt werden, denn „jetzt ist Schluss“. Doch Weidel bleibt stur: „Damit wären wir wieder der Sonderling unter den Nato-Staaten.“ Deutschland werde nicht mehr „als neutraler Makler wahrgenommen“. Strack-Zimmermann entgegnet: „Sie werden mit Wladimir Putin keine Friedensverhandlungen schaffen.“ Dies sei ein Krieg, der nicht durch Gespräche beendet werden könne.

Auch bei den Sanktionen kreuzen die beiden Zank-Hennen die Schnäbel. Weidel sieht eine „kollektive Selbstbeschädigung“, Strack-Zimmermann findet die Maßnahmen nicht ausreichend. „70 Prozent der Bundesbürger sind bereit, die Ukraine weiter zu unterstützen“. Die Sanktionen würden auch Russland treffen, nicht nur die Menschen in Deutschland. Und wenn jetzt in Rekordzeit Terminals entstünden, um Flüssiggas aus den USA anlanden zu können, dann freue sie sich über die „unheimliche Dynamik“. Die höheren Preise müsse man akzeptieren, es gehe schließlich um die Freiheit der Ukraine. „Es kann ja nicht sein, dass ein Land ein anderes angreift und wir einfach nichts machen.“

Gabor Steingart, Kerstin Palzer, Oliver Kalkofe und Moderatorin Sandra Maischberger.

Die weiteren Gäste dieses Abends bleiben fast farblos. Journalist Gabor Steingart lobt Kanzler Olaf Scholz für seine anstehende Rede vor den Vereinten Nationen, deren Manuskript er bereits kenne. Das sei im positiven Sinne eine „abgehangene Position“. Er sieht allerdings den „Kardinalfehler, einen Wirtschaftskrieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen“. Journalistin Kerstin Palzer berichtet indes, dass auch in Russland die Preise steigen und die Sanktionen daher wirken müssten. Steingart bleibt dabei. „Das war ja nicht unser Ziel. Diese Sanktionen sind ein Schuss ins Knie.“ Auch Wolfgang Ischinger unterstützt Steingarts These: „Sanktionen waren noch nie ein Allheilmittel“, sagt der Militärexperte und ruft einen bekannten Satz ins Gedächtnis: „Jede Pille hat Risiken und Nebenwirkungen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Kabarettist Oliver Kalkofe, früher frech und spitzfindig, wirkt an diesem Abend blutleer, auch wenn er an Präsenz nichts eingebüßt hat. Warum er sich mit Kommentaren lieber zurückhält, begründet er selbst: Er wolle nicht, dass seine Witze „von der falschen Seite missbraucht“ werden.

Fazit des Talks bei Sandra Maischberger

Das erste Opfer des Krieges ist angeblich die Wahrheit. Und das erste Opfer dieser Talkshow waren gute Manieren. (Michael Görmann)

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