Unterstützung für umkämpfte Stadt

Kurdische Peschmerga treffen in Kobane ein

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Im syrische Kobane sind Peschmerga-Kämpfer zur Unterstützung der belagerten Stadt eingetroffen.

Kobane - Die langerwartete Verstärkung für die Verteidiger von Kobane ist endlich eingetroffen. Kurden halten Solidaritätskundgebungen für die belagerte Stadt ab.

Im Schutz der Dunkelheit haben die Verteidiger der nordsyrischen Stadt Kobane die langersehnte Verstärkung erhalten. Ein Konvoi mit etwa 150 Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak traf am Freitagabend mitsamt schwerer Waffen in der belagerten Kurdenhochburg ein, während Flugzeuge der internationalen Koalition Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angriffen.

Die Extremisten belagern die Stadt seit Wochen. Ein Sieg in Kobane wäre für den IS militärisch, vor allem aber auch symbolisch ein großer Erfolg, da selbst US-Luftangriffe sie nicht hätten aufhalten können. Die Regierung in Ankara hatte erlaubt, dass die Peschmerga-Kämpfer über ihr Staatsgebiet nach Kobane verlegt werden dürfen. Sie tut sich jedoch mit jeder Hilfe für die kurdischen Volksschutzeinheiten dort schwer, da diese mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden sind. Die PKK ist in der Türkei als Terrororganisation verboten.

Kurdische Gruppen riefen für Samstag zu weltweiten Solidaritätsveranstaltungen für die bedrängte Stadt auf. Auch in etlichen deutschen Städten sind Kundgebungen geplant, darunter in Berlin, Hamburg, Köln und Hannover. Teils werden dort mehrere tausend Menschen erwartet. Bei Kundgebungen und Demonstrationen gegen den IS war es in Deutschland in den vergangenen Wochen mehrfach zu Ausschreitungen zwischen Kurden und Jesiden auf der einen Seite und radikalen Muslimen auf der anderen Seite gekommen.

Die Vereinten Nationen sehen derweil einen nie dagewesenen Zulauf von ausländischen Kämpfern zum IS, bedingt durch die militärischen Erfolge der Terrorgruppe im Irak und in Syrien. Die UN warnen einem Bericht zufolge, dass 15 000 Männer und Frauen in die beiden Länder gezogen seien, um dort für die Terroristen oder andere extremistische Gruppen zu kämpfen.

Dem Verfassungsschutz zufolge sind bisher nachweislich 450 vor allem junge Menschen aus Deutschland nach Syrien und in den Irak gegangen, um dort für Extremisten zu kämpfen. Die Sorge vor radikalisierten Rückkehrern ist groß - zumal diese in Deutschland weiteren Nachwuchs rekrutieren könnten.

Aktuell zählt das Bundeskriminalamt (BKA) etwa 1000 Menschen in Deutschland zum „islamistisch-terroristischen Personenpotenzial“. Bei 230 von ihnen gehe man davon aus, „dass sie Straftaten von erheblichem Ausmaß begehen könnten“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke der Zeitung „Die Welt“ (Samstag). Im Jahr 2010 seien es erst 120 sogenannte Gefährder gewesen.

Weitere 300 Personen führt das BKA demzufolge als „relevant“. Bei ihnen nehme man an, „dass sie etwa bei der Vorbereitung eines Anschlags logistisch helfen könnten“. Im Moment gibt es laut Ziercke 420 Ermittlungsverfahren und 650 Beschuldigte mit islamistischem Hintergrund.

„Derzeit geht die größte Gefahr islamistisch-terroristischer Anschläge von fanatisierten Einzeltätern oder Kleinstgruppen aus“, sagte Ziercke. Er halte es für naheliegend, „dass weitere Anschlagsversuche kommen werden“. Die Sicherheitsbehörden seien jedoch gut aufgestellt und würden mit aller Kraft versuchen, solche Pläne zu durchkreuzen. „Panik ist nicht angebracht“, meinte Ziercke.

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