UN fordert Feuerpause

Heftige Kämpfe im Gazastreifen

Tel Aviv/Gaza - Israelische Soldaten liefern sich weiter heftige Kämpfe mit bewaffneten Palästinensern im Gazastreifen. Die Kämpfe der letzten Tage sollen schon mehr als 500 Todesopfer gefordert haben.

Die Zahl der getöteten Palästinenser seit Beginn der israelischen Bombardements am 8. Juli und der Bodenoffensive am 17. Juli stieg auf mehr als 500. Beim letzten Bodeneinsatz in dem Palästinensergebiet vor mehr als fünf Jahren waren über 1300 Palästinenser getötet worden.

Rettungskräfte: Fünf Tote bei Angriff auf Klinik im Gazastreifen

Bei einem israelischen Angriff auf ein Krankenhaus im Gazastreifen sind am Montag fünf Menschen getötet worden. Wie Rettungskräfte am Montag mitteilten, wurde die dritte Etage des Hospitals der Märtyrer von Al-Aksa in Deir el-Balah getroffen. Es habe zudem 15 Verletzte gegeben, als Geschosse eines israelischen Panzers im Krankenhaus einschlugen, sagte ein Sprecher der palästinensischen Behörden.

Mindestens zehn bewaffnete Palästinenser wurden am Montag bei einem versuchten Anschlag getötet, nachdem sie durch Tunnel aus dem nördlichen Gazastreifen nach Israel vorgedrungen waren.

Auf der israelischen Seite übersteigt die Zahl der Toten bereits die Verluste bei der Operation „Gegossenes Blei“, die im Januar 2009 endete. Damals waren zehn Soldaten und drei Zivilisten getötet worden, heute sind es bereits 18 Soldaten und zwei Zivilisten.

Bei einem israelischen Luftangriff in Rafah im südlichen Gazastreifen kamen nach palästinensischen Angaben neun Mitglieder einer Familie ums Leben. Unter den Opfern seien vier Minderjährige, teilten die Rettungsbehörden am Montag mit. Bei dem Angriff auf das Haus der Familie Siam seien auch mehrere Menschen verletzt worden.

In Sadschaija seien mehrere Tunnel gefunden worden, sagte Lerner. Ein palästinensischer Selbstmordattentäter habe die Truppen angegriffen. Es seien auch Panzerabwehrraketen gegen die Soldaten eingesetzt worden. Die Armee habe seit Beginn des Bodeneinsatzes am Donnerstagabend 20 Palästinenser festgenommen.

Entführung von israelischem Soldaten nicht bestätigt

Dass einer ihrer Soldaten in der Gewalt der radikalislamischen Hamas ist, hat die Israelische Militärführung bisher nicht bestätigt. Zu Berichten der radikal-islamischen Hamas über einen entführten israelischen Soldaten sagte Militärsprecher Peter Lerner: „Wir können es nicht ausschließen.“ Man prüfe den Vorfall weiter.

Die Hamas hatte zuvor behauptet, ihre militanten Kassam-Brigaden hätten einen Soldaten in ihrer Gewalt und auch einen Namen und eine Dienstnummer genannt.

UN-Botschafter Ron Prosor hatte zuvor die israelische Offensive gegen die Hamas verteidigt. Die radikalislamische Gruppe sei eine reine Terrororganisation. „Israel hat seinen guten Willen bewiesen und ist aus dem Gazastreifen abgezogen. Doch statt mit all dem Geld, das gutmeinende Menschen in der ganzen Welt zur Verfügung gestellt haben, für ihr Volk eine Zukunft aufzubauen, ist ihr einziges Ziel Terror zur Zerstörung ihres Nachbarn Israel.“ Israel müsse und werde sich weiter selbstverteidigen. 

UN-Sicherheitsrat ist besorgt über Eskalation

Der UN-Sicherheitsrat ist besorgt über die Eskalation im Nahen Osten und fordert eine Feuerpause. „Wir sind sehr besorgt um die Zivilisten im Kampfgebiet“, sagte Ruandas UN-Botschafter Eugene-Richard Gasana, in diesem Monat Präsident des Rates, am späten Sonntagabend (Ortszeit) in New York. „Wir rufen alle Seiten auf, alles Notwendige zum Schutz der Zivilisten zu tun und das internationale Völkerrecht zu achten.“

Der Rat forderte zudem eine sofortige Einstellung aller Feindseligkeiten. Gasanas amerikanische Kollegin Samantha Power sagte, nur mit einer Feuerpause könne die Gewalt enden. Dann könne auch konkret den Menschen im Kampfgebiet geholfen werden. Power lobte wie schon vor ihr Gasana die Vermittlungen Ägyptens.

Nahost-Konflikt: Israel startet Bodenoffensive in Gaza

Nahost-Konflikt: Israel startet Bodenoffensive in Gaza 

Zuvor hatte das mächtigste UN-Gremium zwei Stunden hinter verschlossenen Türen getagt. Eilig einberufene Sondersitzungen des UN-Sicherheitsrates kommen zwar immer wieder vor. Eine Sitzung am späten Sonntagabend ist aber ungewöhnlich. Gleich im Anschluss tagte der Rat noch zum Flugzeugabsturz über der Ostukraine.

Netanjahu kündigt Ausweitung der Bodenoffensive an

US-Außenminister John Kerry reist am Montag nach Kairo, um Bemühungen um eine Feuerpause im Gaza-Konflikt zu unterstützen. Das bestätigte Außenamtssprecherin Jen Psaki am Sonntag in Washington.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte eine Ausweitung der Bodenoffensive im Gazastreifen an. „Wir werden nicht aufhören, bis alle Ziele erreicht sind“, sagte Netanjahu am Sonntag in Tel Aviv. Die Hamas sei selbst für die vielen Toten unter den Zivilisten in dem Palästinensergebiet verantwortlich. Es könnten noch „schwere Tage“ bevorstehen, sagte Netanjahu.

dpa/afp

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