Terrormiliz mordet weiter

IS enthauptet britischen Entwicklungshelfer

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Ein Screenshot aus dem Video, das die Enthauptung von David Haines zeigt. Sein Mörder könnte auch der der beiden US-Journalisten Sotloff und Foley sein.

London/Washington - Nach der Ermordung von zwei US-Journalisten hat die Terrormiliz IS ein barbarisches Video mit der Enthauptung eines Briten veröffentlicht.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat im Internet Videobilder veröffentlicht, auf denen die Enthauptung des britischen Geisel David Haines zu sehen ist. Der 44-jährige Entwicklungshelfer, gekleidet in einen orangefarbenen Overall, sagt darauf seinen Namen und erklärt gefasst, er zahle den Preis für Camerons Politik. Er spricht den britischen Premierminister direkt an: „Sie sind freiwillig in eine Koalition mit den Vereinigten Staaten gegen den Islamischen Staat eingetreten, genau wie es Ihr Vorgänger Tony Blair getan hat, einem Trend unter unseren britischen Premierministern folgend, die nicht den Mut finden können, Nein zu den Amerikanern zu sagen.“ Ob er diese Aussage freiwillig machte oder dazu gezwungen wurde, ist nicht geklärt.

Das Video sei eine „Botschaft an die Alliierten Amerikas“, hieß es. Haines sei als Vergeltung enthauptet worden, weil sich Cameron an der US-geführten Koalition gegen den IS beteilige, sagte der Vermummte in dem Video. Der Brite zahle den Preis für das Versprechen Camerons, die kurdischen Peschmerga-Kämpfer für den Kampf gegen den Islamischen Staat zu bewaffnen. Er warnt die Briten, sie würden in "einen weiteren blutigen und nicht zu gewinnenden Krieg" gezogen. Nach Angaben der Terror-Expertenplattform SITE soll auf dem knapp zweieinhalbminütigen Video mit der Ermordung einer weiteren britischen Geisel gedroht werden.

Hat Haines' Mörder auch die US-Geiseln umgebracht?

Bei Haines' Mörder handelt es sich offenbar um den selben Extremisten, der auch in den Enthauptungsvideos der beiden US-Journalisten Sotloff und James Foley zu sehen war. Die Terroristen hatten am Ende des Videos, das die Enthauptung Sotloffs zeigte, bereits mit Haines' baldigen Ermordung gedroht.

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich entsetzt über die Enthauptung geäußert. Sie übermittelte nach Angaben ihrer stellvertretenden Sprecherin Christiane Wirtz am Sonntag dem britischen Premierminister ihre Anteilnahme und bat ihn, ihr Mitgefühl auch der Familie auszurichten, die „unendliches Leid“ ertragen müsse. Die Bundeskanzlerin sprach von einer menschenverachtenden Tat der Terroristen, die durch nichts zu rechtfertigen sei und geahndet werden müsse.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Ermordung der britischen IS-Geisel als „abscheulichen Akt barbarischer Gewalt jenseits aller Grenzen menschlicher Zivilisation“ verurteilt. Die Veröffentlichung und Verbreitung der Aufnahmen seiner Tötung im Internet ist ein weiterer inakzeptabler Tabubruch, betonte der SPD-Politiker in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung. Dort wo die Terrormiliz IS herrsche, werde gemordet, vergewaltigt, gebrandschatzt. „Die internationale Gemeinschaft muss sich dieser Bedrohung für den Irak, die ganze Region und auch uns entschlossen entgegenstellen.“

Die Initiative Frankreichs für eine Irak-Konferenz an diesem Montag in Paris komme zur rechten Zeit, so Steinmeier. „Wir brauchen jetzt schnell eine breit angelegte und regional verankerte politische Strategie, um der Bedrohung durch ISIS (die heute IS heißt) zu begegnen.“

Der in Schottland geborene Brite Haines war 2013 in der Nähe eines Flüchtlingslagers im syrischen Atmeh entführt worden. Der zweifache Vater hatte als Sicherheitsmanager für die humanitäre Einrichtung Acted die Auslieferung von Hilfsgütern für Menschen in dem Lager koordinieren sollen.

Cameron: „Akt des absolut Bösen“

Premierminister David Cameron erklärte in einem Beitrag auf Twitter, die Ermordung sei ein „Akt des absolut Bösen“. Großbritannien werde alles tun, um "diese Mörder zur Rechenschaft zu ziehen, egal wie lange das dauert".

Der Westen hat die Enthauptung einer britischen Geisel durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) scharf verurteilt. London und Washington betonten nach der Veröffentlichung des Hinrichtungs-Videos ihre Entschlossenheit im Kampf gegen die Extremisten. Der britische Premierminister David Cameron kündigte am Sonntag an, "alle notwendigen Schritte" zur Zerstörung des IS zu unternehmen. Zu einer möglichen Beteiligung Londons an den US-Luftangriffen machte er keine Angaben.

"Wir werden die Verantwortlichen jagen und zur Rechenschaft ziehen, egal wie lange es dauert", sagte Cameron im Anschluss an eine Krisensitzung mit seinem Sicherheitskabinett. Die Mörder des schottischen Entwicklungshelfers David Haines bezeichnete Cameron als "Verkörperung des Bösen".

Zusammen mit den USA und weiteren Verbündeten werde Großbritannien die IS-Kämpfer "zurückdrängen, zerschlagen und schließlich zerstören", sagte Cameron während einer Ansprache im Fernsehen. "Wir werden ruhig und überlegt vorgehen, aber mit eiserner Entschlossenheit." Haines sei ein "britischer Held", sagte Cameron. "Seine Selbstlosigkeit, sein Anstand und sein brennender Wunsch, anderen zu helfen, kosteten ihn das Leben."

Obama bekräftigt Kampf gegen "Islamischen Staat"

US-Präsident Barack Obama sprach von einem barbarischen Akt. Zugleich bekräftigte er seine Entschlossenheit, zusammen mit Partnern rund um die Welt die Dschihadisten-Organisation zu zerstören. Die USA stünden „in Trauer und Entschlossenheit“ Seite an Seite mit ihrem engen Freund und Verbündeten Großbritannien. „Wir werden mit Großbritannien und einer breitgefächerten Koalition von Nationen aus der Region und rund um die Welt zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen für diese empörende Tat zur Rechenschaft zu ziehen und diese Bedrohung für die Bevölkerung unserer Länder, der Region und der Welt zu schwächen und zu vernichten“, erklärte Obama nach Angaben des Weißen Hauses vom Samstagabend (Ortszeit).

Die Familie des Opfers erklärte in der Nacht in einer Stellungnahme: „Er wurde und wird von seiner ganzen Familie geliebt und wird schrecklich vermisst werden.“ Sein Bruder Mike würdigte ihn als "geliebten Bruder, der kaltblütig ermordet wurde".

Wenige Tage vor der Ermordung hatte die Familie von Haines über das britische Außenministerium eine kurze Botschaft an die Entführer des 44-Jährigen gerichtet und die Dschihadisten aufgefordert, sie zu kontaktieren.

dpa/afp

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