ARD-Talk

„Die müssen hier raus“: Innenminister Herrmann wettert bei „Hart aber fair“ gegen illegale Migranten

Mal wieder wird diskutiert, was gegen den Fachkräftemangel zu tun ist. Hubertus Heil setzt auf Zuwanderung. Joachim Herrmann will enge Grenzen setzen. 

Berlin – Erst vergangene Woche war Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bei Markus Lanz zu Gast. An diesem Montag folgt der Auftritt in der ARD-Sendung „hart aber fair“, doch das Thema ist identisch: Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt. Wer den Auftritt von Heil bei Lanz verfolgt hat, erkennt die Forderungen, die Versprechen und die Argumente des Ministers wieder. Teilweise sind die Sätze sogar wortgleich. Der Grund, warum es trotzdem lohnt, die Sendung zu verfolgen, ist: Joachim Herrmann (CSU). Der Innenminister Bayerns redet sich herrlich häufig in Rage und füllt das erste der drei Worte im Namen der Sendung mit Leben aus.

„Der Fachkräftemangel hat inzwischen sogar die Bundesregierung erreicht“, scherzt der Journalist Gabor Steingart mit Blick auf den Rücktritt der Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) und leitet damit das Thema dieses Abends ein. Im Einspieler wird eine Studie zitiert, wonach jedes Jahr 400.000 zusätzliche Migranten in Deutschland vonnöten seien, um alle Arbeitsstellen zu besetzen. Astrid Sartorius ist Leiterin der Abteilung „Auslandsakquise Pflege“ der Asklepios Kliniken. Sie hat im abgelaufenen Jahr zugewanderte Menschen aus 39 Nationen in den Konzern integriert. Diese kommen insbesondere von den Philippinen, aus dem Iran, aus Indien und Mexiko.

Zoff bei „Hart aber fair“: Heil und Herrmann geraten bei Migration aneinander

Lamya Kaddor, Bundestagsabgeordnete für die Grünen, empfindet die Frage, ob Deutschland Einwanderungsland sei, als veraltet: „Wir klagen seit 20 Jahren über Fachkräftemangel und genauso lange sind wir schon Einwanderungsland.“ Aktuell habe jeder vierte Mensch im Land „eine Einwanderungsbiografie“. Kaddor vermutet, dass es in zehn Jahren auch jeder Dritte oder jeder Zweite sein kann. „Die Unterscheidung, wer Migrationshintergrund hat und wer nicht, macht keinen Sinn mehr“, empfindet sie.

„Die Generation der Babyboomer geht nach und nach in Rente“, erklärt Hubertus Heil. „Selbst wenn wir alle Register im Inland ziehen, dann reicht es trotzdem nicht“, unterstreicht der Niedersachse. „Im Jahr 2035 fehlen uns sieben Millionen Arbeitskräfte.“ 15 Minuten lang musste Joachim Herrmann auf der Stelle treten. Doch dann lässt TV-Moderator Loius Klamroth ihn endlich das erste Mal von der Leine. „Sie haben ja recht, wir brauchen qualifizierte Zuwanderung“, ruft Herrmann in Richtung des Bundesministers, „aber wir haben auch eine ganze Menge illegale Einwanderer, die nicht arbeiten wollen und die müssen hier raus.“ Dafür spendet das Kölner Studiopublikum dem Bayern einen Applaus. Und Gabor Steingart springt auf die Welle auf: „Wir brauchen nicht nur Migranten, sondern die richtigen.“

„hart aber fair“ – diese Gäste diskutieren am 16. Januar mit:

  • Hubertus Heil (SPD) – Bundesarbeitsminister
  • Joachim Herrmann (CSU) – bayerischer Innenminister
  • Lamya Kaddor (Grüne) – Bundestagsabgeordnete
  • Gabor Steingart – Journalist
  • Astrid Sartorius – Asklepios-Kliniken

Migration in Deutschland: Klinik-Managerin ist genervt von Bürokratie bei Fachkräftegewinnung

Dem stimmt Hubertus Heil zu, er gibt allerdings zu bedenken, dass Deutschland „einen Wettbewerbsnachteil hat“. Es gebe 100 Millionen Menschen, die Deutsch sprechen. „Davon wohnen 80 Millionen bereits hier.“ Als Ausgleich dafür müsse ein „modernes Einwanderungsgesetz“ geschaffen werden, durch das Bürokratie abgebaut wird. Dabei klatscht Astrid Sartorius in die Hände. „Auf einer Skala von eins bis zehn ist der Nervfaktor der Bürokratie bei zehn plus“, sagt sie kopfschüttelnd.

Nun soll nach dem Willen der Bundesregierung die „Chancenkarte“ für Erleichterung und Klarheit sorgen. Wer eine gewisse Anzahl von Punkten sammelt, etwa durch Sprachkenntnisse, durch Beschäftigung oder die Dauer seines Aufenthalts, kann demnach die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. „Ich habe nichts gegen ein Punktesystem“, kontert Herrmann, der zunehmend energischer und lauter wird. Heil versucht zu stoppen – Fehlschlag. Noch ein Anlauf. Wieder nichts. Mit jedem Mal wird Herrmann lauter. Schließlich reicht es Heil: „Wir wollen nicht mit den deutschen Pässen um uns werfen“, ruft er dazwischen.

Innenminister Herrmann gegen doppelte Staatsbürgerschaft: „Man muss sich entscheiden“

Angesprochen auf die Aussage des Ex-Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU), man „verramsche“ nun die deutsche Staatsbürgerschaft, relativiert Herrmann. Dies habe Dobrindt im Zusammenhang mit der doppelten Staatsbürgerschaft gesagt. „Früher war das die Ausnahme, nun soll es zur Regel werden“, schimpft der bayerische Innenminister. Für ihn ein Unding, „man muss sich entscheiden“.

Es folgt ein Geraune und wildes Durcheinander. Mittendrin Herrmann, der als einziger durchgängig zu hören ist und auf die Migrationspolitik der Ampel schimpft, daneben aber auch Rufe von Lamya Kaddor. Auch hinsichtlich der erleichterten Einbürgerung der ersten Gastarbeitergeneration, wie von Hubertus Heil geplant, entbrennt ein Streit. Während der Minister es als „Frage des Anstands“ bezeichnet, diesen Menschen etwa trotz fehlender Sprachkenntnisse die Einbürgerung zu ermöglichen, versteht Herrmann die Welt nicht mehr: „Dafür hatten sie jetzt 50 Jahre lang Zeit.“

Zu Gast bei Louis Klamroth: Joachim Herrmann (CSU, Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration).

Das selbsternannte „niedersächsische Kaltblut“ Hubertus Heil versucht beruhigend einzuwirken, ist aber Teil des Durcheinanders. „Bei uns in Bayern funktioniert Integration in den Arbeitsmarkt, während man in Bremen und Berlin nur darüber redet“, haut Herrmann auf den Putz. „Eigentlich mag ich Sie ja“, ruft Heil in Richtung Herrmann, „manche Sprüche verstehe ich als Teil des Wahlkampfs, der bald in Bayern anläuft.“

Und Louis Klamroth? Während er bei seinem Debüt in der Vorwoche zurückhaltend agierte, kommt er nun rüber, als habe er sich in der Zwischenzeit von einer Woche jede Menge Routine angeeignet. Lockere Sprüche, hartnäckige Nachfragen und Schlagfertigkeit legt der 33-Jährige dieses Mal an den Tag. Chapeau!

„hart aber fair“ – Fazit der Sendung:

Ein großes Dankeschön an das Redaktionsmitglied, das auf die segensreiche Idee gekommen ist, Joachim Herrmann in die Runde einzuladen. Egal wie man inhaltlich zum bayerischen Innenminister steht: Gäste, die so impulsiv und teils ungehalten sind, bereichern die Diskussion bei „hart aber fair“. Schade bloß, dass die Diskussionen an ihren Siedepunkten nicht weitergedreht, sondern abgebrochen wurden. (Christoph Heuser)

Rubriklistenbild: © WDR/Oliver Ziebe

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