Gröhe wehrt sich gegen Nazi-Vergleich bei Demenz-Forschung

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Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verteidigt Arzneiversuche an Demenzkranken. Foto: Jörg Carstensen/Archiv

Berlin (dpa) - Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat die geplante Ausweitung von Arzneiversuchen an Demenzkranken verteidigt und sich gegen Vergleiche mit Menschenversuchen der Nazis verwahrt.

"Es sollte erlaubt sein, dass Menschen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte in Studien einwilligen, die später nicht ihnen selbst, womöglich aber ihren Kindern nutzen, etwa im Fall einer vererbbaren Krankheit", sagte Gröhe dem "Tagesspiegel" (Montag). Aus der Sicht der akademischen Forschung seien solche Studien "zwingend erforderlich, um die Behandlung von Demenzkranken weiter zu verbessern".

Scharf verwahrte sich der Minister gegen Vergleiche mit den Menschenversuchen der Nationalsozialisten. Das sei "nicht nur eine skandalöse Beleidigung derer, die heute bei uns klinische Prüfungen verantworten", sagte er. "Es ist auch eine Verharmlosung der Monstrosität der Naziverbrechen."

Der Bundestag soll in der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause (4.-8. Juli) über den Entwurf abstimmen. Da es sich um eine ethisch schwierige Frage handele, wollen Unions- und SPD-Fraktion die Abstimmung als Gewissensentscheidung freigeben. Gröhe geht davon aus, dass der Entwurf "bei vielen Abgeordneten Zustimmung findet".

In Deutschland ist bisher Demenzforschung dann verboten, wenn nur andere Patienten einen Nutzen davon haben, nicht aber der betreffende Patient selbst. Mit der Neuregelung, die Teil einer Neufassung des Arzneimittelgesetzes ist, setzt die Koalition eine EU-Vorgabe um.

Bericht "Tagesspiegel" online

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