Spektakulärer Gefängnisausbruch

Frankreich sucht Schwerverbrecher „Scarface“ - Promis feiern ihn 

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"Scarface" alias Redoine Faïd

Frankreichs bekanntestem Schwerverbrecher "Scarface" alias Redoine Faïd ist zum zweite Mal ein filmreifer Ausbruch aus dem Gefängnis gelungen, Promis feiern ihn. 

Reau - Er vergleicht sich mit Al Capone und lässt sich durch Ganovenfilme inspirieren: Frankreichs "Scarface" alias Redoine Faïd. Dem bekannten Schwerverbrecher ist bereits das zweite Mal innerhalb von fünf Jahren ein filmreifer Ausbruch aus dem Gefängnis gelungen. Die Behörden müssen sich peinliche Fragen gefallen lassen, wie dies geschehen konnte.

Faïds spektakuläre Flucht aus der Haftanstalt in Réau rund 50 Kilometer südöstlich von Paris dauerte am Sonntag nur wenige Minuten: Drei schwer bewaffnete Komplizen flogen mit einem gekidnappten Hubschrauber-Piloten ein, warfen Nebelbomben, verschafften sich mit Kreissägen Zugang zu dem Besucherraum, wo Faïd mit seinem Bruder alleine war, und nahmen den 46-Jährigen mit.

Der meist gesuchte Mann Frankreichs 

Das Wachpersonal wurde völlig überrumpelt, Frankreichs Justizministerin Nicole Belloubet räumte zerknirscht mögliche Fehler der Gefängnisleitung ein. Denn eigentlich sollte Faïd besonders streng überwacht werden. Wegen eines tödlichen Raubüberfalls war der Wiederholungstäter erst im April zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Und bereits 2013 war ihm die Flucht aus einem Hochsicherheits-Gefängnis gelungen.

Nun ist der Franzose mit algerischen Wurzeln wieder einmal der meist gesuchte Mann Frankreichs - 2900 Sicherheitskräfte waren am Montag im Einsatz, die Kontrollen an den französischen Grenzen wurden verschärft, um ihn an einer Flucht ins Ausland zu hindern.

Der Ausbruch fasziniert: Die Schauspielerin Béatrice Dalle schreibt auf Instagram: "Bravo Redoine Faïd! Ganz Frankreich ist mit dir." Und Twitternutzer schwärmen: "Redoine Faïd ist ein Genie" oder fordern die Verfilmung seiner Lebensgeschichte. Als Idol gilt Faïd in Frankreich vielen, seit er im Jahr 2010 mit Hilfe eines Journalisten seine Autobiographie veröffentlichte. Darin feiert er sich als "Gangster neuer Art", der US-Filme wie "Scarface" oder "Heat" als "Schule des Ganoventums" bezeichnet. Aber vor allem das Fernsehen verschafft ihm Popularität: In Talkshows trat der telegene Glatzkopf wortgewandt und mit perfekt sitzendem Anzug auf und festigte so seinen Ruf als "Aristokrat unter den Gangstern".

Er prahlt mit seinen Raubüberfällen 

"Ich war schon mit 20 Jahren ein erfahrener Räuber", behauptete er vor den Kameras und prahlte mit seinen Raubüberfällen wie andere mit sportlichen Erfolgen. "Wenn man einen Geldtransporter überfällt, ist das einsame Spitze", sagte er in einem TV-Interview. "Da ist das meiste Geld, das ist einfach ein schöner Raubzug."

Der selbsternannte "Urban Cowboy" wurde zum Vorbild für eine ganze Generation von Hoffnungslosen in den französischen Banlieues, jenen Vorstädten, in denen die Jugend-Arbeitslosigkeit nicht selten bei 50 Prozent liegt. Allerdings erinnert seine Heimatstadt Creil nördlich von Paris mit ihrer Ansammlung trister Häuserriegel weniger an Chicago als an Halle-Neustadt oder Bremen-Tenever.

Dennoch sind Selfmade-Ganoven wie Faïd - Spitzname "Doc" - ein echtes Problem für die französische Gesellschaft - und auch für Präsident Emmanuel Macron. Während der frühere Staatschef Nicolas Sarkozy die Vorstädte noch "mit dem Kärcher säubern" wollte, verblüffte Macron kürzlich mit der Aussage, er wolle "keinen Plan für die Banlieue". Vielmehr setze er im Kampf gegen Drogen und Gewalt vor allem auf Eigeninitiative - von Bürgermeistern wie Bewohnern.

dpa

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