Kampf gegen Terroristen

Drohnen statt tote Soldaten: Frankreich setzt in Afrika auf neue Technologie

In Mali hatte das französische Militär kürzlich zahlreiche Todesopfer zu beklagen. Eine neue Kriegstaktik soll Verluste künftig verhindern: der Einsatz von Drohnen.

  • Auf Mali kam es zu einem der schlimmsten Zwischenfälle des französischen Militärs seit Jahrzehnten.
  • 13 Soldaten aus Frankreich kamen bei einem Kampfeinsatz ums Leben.
  • Die Sicherheitslage verschärft sich - Frankreich gibt grünes Licht für Drohnen-Einsatz.
Update vom 19. Dezember: Im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen im Sahelgebiet setzt die französische Armee nun auch bewaffnete Drohnen ein. Auf dem Luftwaffenstützpunkt im nigrischen Niamey habe es einen erfolgreichen Versuch gegeben, teilte Verteidigungsministerin Florence Parly am Donnerstag in Paris mit. Präsident Emmanuel Macron wird laut Élyséekreisen an diesem Sonntag zu einem Besuch in Niamey erwartet.

Frankreich hat in der Region bei seinem Anti-Terror-Einsatz „Barkhane“ rund 4500 Soldaten im Einsatz. Erst Ende November waren 13 französische Armeeangehörige bei einem Hubschrauberunfall in Mali ums Leben gekommen. Die Sicherheitslage verschärft sich in der Region: Unlängst wurden bei einem Angriff auf ein Militärcamp im nigrischen Inates mehr als 70 nigrische Soldaten getötet. Ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich.

In den Ländern der Sahelzone - einem Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt - sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv, einige haben den Terrororganisationen IS oder Al-Kaida die Treue geschworen. Diesen möchten die Franzosen nun also auch mit Drohnen entgegentreten - einer Kriegswaffe, die auch die USA stetig weiterentwickeln.

13 Tote bei Helikopter-Unfall in Mali - IS beansprucht Unglück für sich

Update vom 28. November: Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Hubschrauberabsturz in Mali, bei dem am Montag 13 französische Soldaten ums Leben kamen, für sich beansprucht. Kämpfer des westafrikanischen IS-Ablegers Iswap hätten einen der französischen Hubschrauber im Landeanflug angegriffen und so den tödlichen Zusammenstoß ausgelöst, erklärte die Miliz am Donnerstag im Onlinedienst Telegram.

In Mali starben bei einem Hubschrauber-Crash 13 französische Soldaten. Als Reaktion werden in Afrika künftig Drohnen eingesetzt.

Iswap-Kämpfer hätten zuvor einem Konvoi aus Fahrzeugen mit französischen Soldaten in der Nähe des Dorfes Indelimane aufgelauert, erklärte die Miliz. Als die französischen Militärhubschrauber zur Verstärkung der französischen Bodentruppen angerückt seien, hätten sie einen der beiden Helikopter "mit Waffen mit mittlerer Kraft" attackiert.

Bei dem Hubschrauberunglück handelte es sich um den bislang schwersten Zwischenfall bei dem französischen Militäreinsatz gegen Islamisten in Mali. Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums waren die französischen Militärhubschrauber vom Typ Tiger und Cougar in sehr niedriger Flughöhe kollidiert. Sie hätten "einer Gruppe von Terroristen" nachgestellt, die mit Pick-Ups und Motorrädern in der malischen Grenzregion zu Burkina Faso und Niger unterwegs gewesen seien.

In Mali ist auch die Bundeswehr im Einsatz. Sie beteiligt sich dort an der UN-Stabilisierungsmission Minusma und der EU-Ausbildungsmission EUTM.

13 Tote bei Helikopter-Unfall in Mali - Merkel richtet emotionale Worte an Macron

Update vom 28. November: Wenige Tage nach dem Tod von 13 Soldaten in Mali zweifelt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Einsatz in der Krisenregion. Frankreichs Einsatz dort sei wichtig, aber alle Optionen seien heute offen, sagte Macron am Donnerstag (28. November) in Paris. Man werde in den kommenden Wochen die Art und Weise des Einsatzes prüfen und sich alle strategischen Optionen anschauen. Macron forderte außerdem ein stärkeres Engagement der Verbündeten.

Große Kritik am Einsatz des französischen Militärs in Mali nach Unfall

Update vom 27. November: Mit einer nationalen Gedenkfeier will Frankreich der bei einem Helikopterzusammenstoß in Mali getöteten Soldaten gedenken. Die Feier werde am kommenden Montag am Pariser Invalidendom stattfinden, kündigte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye am Mittwoch (27. November) an. In Frankreich herrscht immer noch große Bestürzung über das Unglück. Gleichzeitig stellt die Opposition den Einsatz im westafrikanischen Krisenstaat und der Sahelzone infrage.

Man könne nicht über Nacht verschwinden, aber Frankreich könne nicht in Mali bleiben, sagte Linken-Politiker Alexis Corbière im Sender BFMTV. Man müsse darüber reden, was überhaupt der politische Sinn und Plan hinter der Intervention seien. Ähnlich äußerte sich Linksaußenpolitiker Jean-Luc Mélenchon. Man müsse über die Ziele des Einsatzes und sein Ende im Parlament reden, forderte er. „Es ist nicht verantwortungsvoll, unser Volk ohne Zweck und zeitliche Begrenzung in den Tod zu schicken.“

Ex-Präsident François Hollande verteidigte den Einsatz. Er hatte die französischen Truppen 2013 nach Mali geschickt. Er halte diese Entscheidung nach wie vor für richtig, auch wenn es eine schwierige gewesen sei, sagte er dem Sender. „Hätte es keinen Einsatz gegeben (...), wäre ganz Mali von islamistischen Terroristen besetzt gewesen. Und nicht nur Mali, sondern ganz Westafrika wäre auf diese Weise destabilisiert worden.“

Militär-Unfall in Mali: Merkel richtet emotionale Wörter an Präsident Macron

Update von 16.07 Uhr: Nach dem Tod von 13 französischen Soldaten bei einer Hubschrauberkollision in Mali hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron kondoliert. Die Nachricht vom Tod der französischen Soldaten erfülle sie „mit Bestürzung und Trauer“, schrieb Merkel am Dienstag (26. November) in einem Telegramm an Macron.

„Der folgenschwere Unfall führt uns in tragischer Weise das Risiko vor Augen, dem die Soldatinnen und Soldaten bei ihrem gefährlichen Einsatz ausgesetzt sind“, hieß es in Merkels Kondolenztelegramm. Er sei zugleich eine „Mahnung, in unseren Bemühungen für Stabilität und Sicherheit in der Region nicht nachzulassen“.

Militär-Unfall in Mali: Keiner der Insassen überlebt den Hubschrauber-Crash

Ursprungsartikel vom 26. November: Paris - Bei einem Zusammenstoß von zwei Militärhubschraubern sind im westafrikanischen Krisenstaat Mali 13 französische Soldaten ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich am Montagabend (25. November) während eines Kampfeinsatzes gegen Dschihadisten, wie der Präsidentenpalast in Paris mitteilte. Die beiden Kampfhubschrauber stießen in der Luft zusammen. Es handelt sich um einen der schlimmsten Zwischenfälle für das französische Militär in den vergangenen Jahrzehnten.

Französisches Militär auf Mali: Macron spricht über Kampfhubschrauber-Crash mit 13 Toten

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den Angehörigen sein Beileid aus und würdigte den Mut der Soldaten. Sie seien für Frankreich „im harten Kampf gegen den Terrorismus“ in der Sahelzone gestorben. „Diese 13 Helden hatten nur ein Ziel: uns zu beschützen. Ich verbeuge mich vor dem Schmerz ihrer Lieben und Kameraden“, erklärte er. Premier Édouard Philippe erklärte via Twitter: „Diesen für ihr Land gefallenen Helden schulden wir all unsere unendliche Dankbarkeit.“

Frankreich kämpft in Mali und weiteren Ländern der Sahelzone mit der Truppe „Barkhane“ gegen islamistische Terroristen. Ihr gehören etwa 4500 Soldaten an. In Mali sind auch bis zu 1100 Bundeswehr-Soldaten im Einsatz. Sie sind Teil einer UN-Mission zur Stabilisierung des Landes. Dieser gilt als der gefährlichste Einsatz der Bundeswehr. Die Bundeswehr unterhält etwa im malischen Gao ihr „Camp Castor“.

In den Staaten der Sahelzone - einem Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt - sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv, einige haben den Terrororganisationen Islamischer Staat (IS) oder Al-Kaida die Treue geschworen.

Crash in Mali: Laut Angaben des Verteidigungsministeriums war es ein Versehen

Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums sind aus Versehen ein Cougar-Hubschrauber und Tiger-Kampfhubschrauber zusammengestoßen. Die Kommandos verfolgten demnach eine Gruppe von Terroristen, die einige Stunden zuvor entdeckt worden und mit Pickup-Trucks und Motorrädern unterwegs waren. Gegen 19.40 Uhr kollidierten die beiden Hubschrauber in geringer Höhe. Keiner der Insassen überlebte. Der Unfall ereignete sich in der Region Liptako.

Bei den Toten handelt es sich nach Angaben des Élysée um sechs Offiziere, sechs Unteroffiziere und einen Hauptgefreiten. Nach Angaben des Bürgermeisters François Bayrou kamen sieben der Soldaten aus der südfranzösischen Stadt Pau. Für Frankreich seien sie wahre Helden, erklärte Bayrou auf Twitter. „Für unsere Stadt, für uns, sind sie unsere kostbaren Kinder.“ Am Dienstagabend sollte es eine Gedenkveranstaltung in der Stadt geben.

Operation Barkhane: Soldaten arbeiteten in Mali, um Sicherheit vor Terrorismus zu gewähren

„Die französische Operation Barkhane arbeitet unermüdlich im Sahel und in Mali, um die Sicherheit der vom Terrorismus betroffenen Bevölkerung zu gewährleisten“, erklärte der Chef der UN-Friedensmission Minusma in Mali, Mahamat Saleh Annadif. Er sprach den Hinterbliebenen, den Soldaten in Mali und der französischen Regierung sein Mitgefühl aus. Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sprach sein Beileid aus. „Ganz Europa ist in Trauer“, sagte seine Sprecherin Mina Andreeva in Brüssel. Die französische Armee verteidige in Mali die Ehre und Sicherheit Europas.

Zuletzt war Anfang November ein französischer Soldat in Mali durch einen Sprengsatz getötet worden. Der Mann war mit einem gepanzerten Fahrzeug unterwegs gewesen, als die Sprengfalle explodierte. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP sind seit 2013 eingerechnet dieses Unfalls 38 Soldaten in der Sahelzone ums Leben gekommen. Seit 1963 sind bei Auslandseinsätzen 549 französische Soldaten gestorben.

Auch Bundeswehr erlebte bereits einen tödlichen Hubschrauber-Unfall in Mali

Auch die Bundeswehr hat in der Vergangenheit in Mali einen tödlichen Hubschrauber-Unfall erlebt. Im Juli 2017 war ein Tiger-Kampfhubschrauber nördlich von Gao abgestürzt und ausgebrannt. Dabei starben zwei Soldaten - die ersten und bislang einzigen Todesfälle des Bundeswehr-Einsatzes in Mali. Für den Absturz war nach Untersuchungen der Bundeswehr ein Wartungsfehler dreier Mechaniker verantwortlich.

Erst Anfang des Jahres wurde ein Bundeswehr-Konvoi in Mali beschossen. Ein Soldat schwebte danach in Lebensgefahr. Nach ihrem letzten Truppenbesuch auf Mali wurde Bundesverteidigungsministern Annegret Kramp-Karrenbauer sauer - der Hintergrund sind die Bedingungen für Soldaten bei Besuchen der Befehlshaberin.

jw/dpa/AFP

Rubriklistenbild: © AFP / PASCAL GUYOT

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