Kritik in sozialen Netzwerken

„Permanente Verachtung“: Macrons Rat an einen Arbeitslosen empört die Franzosen

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Emmanuel Macron

Ein Rat von Frankreichs Präsident Macron an einen Arbeitslosen ruft in den sozialen Netzwerken Empörung hervor. 

Update vom 7. Dezember 2018: Sie attackieren die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron: Wir haben zusammengefasst, was die Ziele der Proteste der "Gelben Westen" in Frankreich sind.

Paris - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat mit einem Tipp für einen Arbeitslosen empörte Reaktionen hervorgerufen. Er riet dem 25-jährigen Gärtner beim Tag der offenen Tür im Elyséepalast, er müsse nur in ein x-beliebiges Hotel, Café oder Restaurant gehen, und schon habe er einen Job. "Ich gehe über die Straße und ich finde Ihnen was", betonte Macron.

Das Handyvideo von dem gut einminütigen Gespräch zwischen dem Staatschef und dem jungen Mann fand in sozialen Netzwerken rasende Verbreitung. Der gelernte Gärtner klagte dabei: "Ich kann so viele Lebensläufe und Bewerbungsschreiben schicken wie ich will, das bringt überhaupt nichts."

Macron: Der Arbeitslose müssen nur „bereit und motoviert“ sein

Macron entgegnete: "In Hotels, Cafés und Restaurants - da gibt es nicht einen einzigen Ort, an den ich gehe, wo sie nicht sagen, sie suchen Leute. Nicht einen!" Der junge Mann müsse nur "bereit und motiviert" sein.

Der Chef der Linkspartei La France Insoumise (LFI), Jean-Luc Mélenchon, warf Macron vor, die sechs Millionen Arbeitslosen des Landes zu verhöhnen. "Wer hat jemals so niederträchtig Franzosen in Schwierigkeiten beleidigt?", schrieb Mélenchon im Kurzbotschaftendienst Twitter. Auch aus dem Lager der Konservativen gab es Kritik. Die Abgeordnete Valérie Boyer warf dem Staatschef "permanente Verachtung" für die Bürger vor.

Empörung über Macrons Rat an Arbeitslosen vor allen in sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken braute sich ein wahrer Sturm über Macron zusammen. "Komplett von der Wirklichkeit der Franzosen entfernt", schrieb ein Twitter-Nutzer. "Wie kann jemand in nur 30 Sekunden so viel Geringschätzung, Mangel an Empathie und Ignoranz zeigen?", schrieb ein anderer Nutzer.

"Ich bin vier Stunden lang über die Straße gegangen", kommentierte eine Französin die Fotos vom Tag der offenen Tür auf Macrons Facebook-Seite. "Hin und zurück, immer wieder - aber kein unbefristeter Vertrag in Sicht!"

Der Chef von Macrons Partei La République en Marche (Die Republik in Bewegung), Christophe Castaner, wies die Kritik zurück. "Sind Ihnen leere Worthülsen lieber?", fragte er im Fernsehen. "Ich bevorzuge einen Präsidenten, der die Wahrheit sagt."

Macron nannte Kritiker zuvor „Faulenzer“

Macron haftet hartnäckig das Etikett an, "Präsident der Reichen" zu sein. Das liegt auch an Äußerungen über seine Landsleute. Kürzlich nannte er die Franzosen "widerspenstige Gallier", die sich seinen Reformen widersetzten. Zuvor hatte er Kritiker als "Faulenzer" bezeichnet und Arbeitslosen vorgeworfen, mit ihren Protesten gegen seine Politik nur "Chaos anzurichten".

Die Umfragewerte des Staatschefs verschlechtern sich immer weiter - und das acht Monate vor der Europawahl, die als erster großer Stimmungstest für Macron gilt. In einer am Montag veröffentlichten Befragung des Instituts Kantar Sofres Onepoint für den Sender RTL sagten 60 Prozent, Macrons Bilanz sei "negativ", nur 19 Prozent fanden sie positiv. Im Januar hatten nur 37 Prozent seine Arbeit negativ beurteilt und noch 35 Prozent positiv.

Das Gespräch mit dem jungen Arbeitslosen endete dagegen versöhnlich, wie das Video zeigt. "Also los", ermunterte der Präsident den Gärtner, woraufhin der junge Mann antwortete: "Verstanden, danke." Anschließend schüttelten sich beide die Hände.

Es ist nicht das erste Mal, dass Macron wegen eines Kommentars kritisiert wird. Nur wenige Monate zuvor bezeichnete er Australiens First Lady als „delicious“.

AFP

Lesen Sie auch: Affäre um Bodyguard: Macron nimmt Verantwortung auf sich

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