Politiker reagieren empört

Neuer Ärger um "Vagina"-Kunstwerk in Versailles

Versailles - Eine Skulptur in Form eines weiblichen Geschlechtsteils sorgt in Versailles weiter für Ärger. Nun haben Unbekannte das Kunstwerk attackiert.

Eine Farbattacke gegen ein als "Vagina der Königin" bekannt gewordenes Kunstwerk im Schlosspark von Versailles hat in Frankreich für Empörung gesorgt.

Kulturministerin Fleur Pellerin prangerte über den Kurznachrichtendienst Twitter einen "Angriff auf die schöpferische Freiheit" an und sprach dem britischen Künstler Anish Kapoor ihre Unterstützung aus. Dieser beklagte am Donnerstag in der Zeitung "Le Figaro" eine "gewisse Intoleranz, die in Frankreich aufkommt".

Stadträte sind "empört über Farbattacke"

Die sozialistischen Stadträte von Versailles zeigten sich in einer Erklärung "empört" über die Farbattacke. Unbekannte hatten das umstrittene Kunstwerk "Dirty Corner" (Dreckige Ecke), das zusammen mit anderen Skulpturen des indischstämmigen Kapoor im Park des Schlosses von Versailles ausgestellt wird, mit gelber Farbe beschmiert. 

Der Farbangriff wurde am Mittwochmorgen entdeckt. Wegen der gigantischen Skulptur hatte es zuvor eine Polemik gegeben: Das hornförmige, 60 Meter lange und zehn Meter hohe Kunstwerk aus rostigem Stahl und schweren Steinen erinnert an ein weibliches Geschlechtsteil. Kapoor bestreitet zwar, das Werk als "Vagina der Königin" bezeichnet zu haben, wie ihn eine Zeitung zitierte. Dass das Werk aber "sehr sexuell" sei, sieht auch der Künstler so.

Petition wendet sich gegen "Vulgarität" der Ausstellung

Eine ultrakonservative Bürgervereinigung wandte sich in den vergangenen Wochen mit einer Online-Petition gegen die "Vulgarität" der Ausstellung, die das kulturelle Erbe Frankreichs in Versailles beschmutze. Zu der Farbattacke gegen die riesige Skulptur bekannte sich zunächst aber niemand. "Ich hoffe, dass es sich nur um eine Splittergruppe handelt, deren Stimme die der meisten anderen überdeckt", sagte Kapoor nun.

Der Vorfall erinnert an einen Angriff auf ein ebenfalls mit sexuellen Themen spielendes Werk des US-Künstlers Paul McCarthy im vergangenen Oktober in Paris: Unbekannte hatten eine auf dem Vendôme-Platz ausgestellte aufblasbare Skulptur angegriffen, die an einen Tannenbaum und zugleich an ein Sexspielzeug erinnert. McCarthy selbst war zuvor auf dem Platz geohrfeigt worden.

Der Künstler verzichtet auf Anzeige

Kapoor wies in "Le Figaro" aber jeden Vergleich mit McCarthy und seinem Werk von sich. "Das ist absurd, lächerlich und gehässig", sagte der Künstler und betonte: "Ich suche nicht die Provokation." Sein Werk "Dirty Corner" wurde inzwischen wieder gesäubert. Anzeige wurde nicht erstattet.

dpa

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