Auf die Privatsphäre-Einstellung achten

Beliebte deutsche Facebook-Seite stellt ein Paar bloß - und alle mobben mit

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Dieses Foto (rechts) wurde auf der Seite „Tattoofrei“ geteilt. Der Auftakt zu einer Runde Cybermobbing.

Auf Facebook und Instagram ist „Tattoofrei“ sehr beliebt. Die Seite setzt auf satirischen Humor. Er funktioniert auch deswegen, weil der Administrator und viele Fans selbst stark tatöwiert sind.

München - Die satirische Facebook-Seite „Tattoofrei - Es ist schön, keine Tattoos zu haben“ hat sich eine große Community aufgebaut. Fast eine halbe Million Fans lachen über die Beiträge der Seite, die vorgibt, Menschen mit Tattoos zu verachten. Tätowierte seien kriminell, würden ihre Kinder Kevin oder Chantal nennen, von Sozialleistungen leben und seien eben keine „Reinhäuter“ mehr. Nicht wenige der hunderttausenden Fans tragen selbst Tattoos und können trotzdem über die klischeehaften Stigmatisierungen und Memes der Fake-Seite lachen.

Aus Satire wurde Cybermobbing

Am Samstag jedoch betrieb die Seite nicht mehr Satire, sondern ließ Cybermobbing zu. Was war geschehen? „Tattoofrei“ teilte ein Foto aus einem privaten Facebook-Profil eines Paares. Auf dem Bild, das dort im Oktober 2017 gepostet wurde, hält ein Mann sein neues Rücken-Tattoo in die Kamera. Er hatte sich das Gesicht seiner Partnerin auf die Haut stechen lassen - zugegebenermaßen wirkte das Resultat unvorteilhaft. Er jedoch schien hochzufrieden und stolz auf das Abbild zu sein. „Was jetzt in mir vorgeht, ist UNBESCHREIBLICH!“, schrieb er euphorisch. 

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Hunderte machen sich über das Paar lustig

Rund ein halbes Jahr später teilte jetzt die Seite „Tattoofrei“ das Foto und fragte in die Runde: „Was ist das?“ Die Antworten im Kommentarbereich kamen zuhauf! Sie waren durch die Bank weg beleidigend, verletzend, menschenverachtend. Es waren Kommentare wie aus einem Lehrbuch für Cybermobbing. Manche suchten sogar noch mehr private Fotos des Paares aus dem Facebook-Profil heraus und teilten auch diese im Kommentarbereich, um sich über die beiden lustig zu machen. 

Nicht das Tattoo sei das Problem, die Vorlage - also das Gesicht der Frau - sei wirklich so hässlich. „Zuerst dachte ich: Wer will schon einen zusammengefahrenen Kackehaufen auf seiner Schulter tragen. Aber jetzt schau ich sein Profil an und muss feststellen, das Bild wurde 1:1 auf die Haut übertragen.“ Andere spekulierten, ob die beiden nicht nur ein Liebespaar, sondern auch Geschwister seien. Manche fragten sich, ob die abgebildete Frau in Wirklichkeit ein Transvestit sei. 

So ging es immer weiter. Hunderte Kommentare - alle für die betreffenden Personen sichtbar, weil sie unter das geteilte Foto gepostet wurden. Das Paar hätte also in Echtzeit mitverfolgen können, wie wildfremde Menschen am Samstagabend plötzlich über ihr Aussehen lästern, weil „Tattoofrei“ ihr Bild einfach teilte.

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Admin antwortet: Man muss ein Arschloch sein

Die Redaktion von tz.de* hat daraufhin noch am Samstagabend den Admin der Seite angeschrieben und um ein Statement gebeten. Seine Reaktion war ausweichend. Er sah sich nicht in der Verantwortung für die böswilligen Kommentare auf seiner Seite: „Es wurde ein öffentlicher Beitrag geteilt. Es ging hier lediglich um das Tattoo. Keine Ahnung, was andere da posten, ich bin unterwegs und kann nicht jeden Beitrag durchlesen.“ Er werde an einem Samstagabend sicher nicht alle Kommentare checken. Hinterher verschwand der Beitrag mit dem geteilten Foto. Eine Einsicht des Seitenbetreibers darf jedoch bezweifelt werden. So behauptete er gegenüber unserer Redaktion nämlich noch: „Der Admin-Kodex sagt, dass man ein Arschloch sein muss.“ 

Dazu passend: In einem Interview mit dem „Tätowier Magazin“ erzählte der Admin, dass er auf zahlreichen anderen Facebook-Seiten blockiert sei, weil er dort „regelrecht kleine Kriege“ in den Kommentaren ausgelöst habe. Auch gegenüber VICE bestätigte er das: „Blockiert bin ich wirklich auf vielen Seiten, auf Anhieb fallen mir ein: Spiegel Online, Taff, Daniel Aminati, LeFloid, Jan Leyk, Wer wird Millionär, GZSZ, Berlin Tag&Nacht, Köln 50667, Frei.Wild, BILD, Böhse Onkelz, Hans Entertainment, Made My Day, Faktastisch und so weiter halt.“

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So hätte sich das Paar schützen können

Was hätte das Paar tun können, um nicht zum Gespött fremder Menschen zu werden? Auf Facebook kann man bei den Einstellungen im Menüpunkt „Privatsphäre“ auswählen, wer Beiträge sehen darf. Als Standardeinstellung ist hier „öffentlich“ vorgegeben, das bedeutet, jeder inner- und außerhalb von Facebook kann die Beiträge sehen und auch teilen. Zu empfehlen ist die Einstellung „Freunde“, dadurch können die Beiträge nur Menschen aus der eigenen Facebook-Freundesliste sehen. Eine weitere Möglichkeit ist, bestimmte Personen aus der Freundesliste davon auszuschließen. Es ist jedenfalls zu empfehlen, die eigene Privatsphäre vor fremden Blicken zu schützen. 

Auch interessant: Vom Ex-Freund erniedrigt - Wie sich diese Frauen gegen Cybermobbing wehren

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

mag

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