Gewalt in der kenianischen Safari-Idylle

„Sie verbrannten ein Stück meiner Seele“

Nairobi - Viehhirten greifen Safari-Lodges an. Auf Suche nach Wasser und Weideland dringen sie in Kenia in private Wildreservate ein. Hinter den Angriffen steckt mehr als die dürrebedingte Not.

„Sie verbrannten ein Stück meiner Seele“, schrieb Kuki Gallmann nach dem Angriff. Die Familie der Autorin, deren Buch „Ich träumte von Afrika“ mit Kim Basinger in der Hauptrolle verfilmt wurde, besitzt ein Reservat in der Provinz Laikipia, im Zentrum Kenias. Es war nicht das erste, das in den vergangenen Wochen von nomadischen Viehhütern angegriffen wurde. Zu wenig Regen, zu viele Kühe - und nicht zuletzt die anstehenden Wahlen in dem ostafrikanischen Land tragen zu der angespannten Lage bei.

Vor einer Woche drangen bewaffnete Hirten samt Vieh auf das Gelände der Laikipia Nature Conservancy ein. Sie zieht mit ihrer atemberaubenden Landschaft auf rund 400 Quadratkilometern, den Herden von Elefanten, Büffeln und Zebras Safari-Touristen aus aller Welt an. Derzeit liegen die Löwen faul im trockenen Grasland. Es herrscht Dürre.

Ähnlich wie jene der Gallmann-Familie gibt es mehrere große Ranches in der Provinz Laikipia. Die meisten kombinieren kommerzielle Viehzucht mit Tourismus. Besucher aus aller Welt kommen hierher, um exotische Wildtiere zu sichten. Doch blutige Angriffe durch nomadische Viehhirten haben die Idylle im Safari-Paradies zerstört.

Seit Januar mehrere Farmen angegriffen

Seit Januar wurden mehrere Farmen angegriffen. Angreifer setzten einzelne Safari-Lodges in Brand, ein britisch-kenianischer Farmer getötet. Der Safari-Betreiber Tristan Voorspuy war mit dem Pferd auf der Sosian Ranch unterwegs, um Schäden eines Angriffs vom Vortag zu untersuchen. Die Eindringlinge erschossen ihn.

Die Viehhirten gehören den Pokot und Samburu an, zwei der insgesamt mehr als 50 Bevölkerungsgruppen in Kenia. Geschätzte 130 000 Tiere ziehen durch Laikipia, wie Beobachtungsflüge ergeben haben, sagt Constant. Begleitet werden sie von 5000 bis 10 000 Hirten.

Sie hatten das Haus seines Freunds und Geschäftspartners Richard Constant geplündert und angezündet. „Sie haben alles Wertvolle mitgenommen und das ganze Haus niedergebrannt“, erzählt Constant am Telefon. Noch immer befänden sich zwischen 70 und 80 Viehherden illegal auf der Sosian Ranch, erzählt der Miteigentümer der Farm samt Luxus-Lodge.

Bereits einen Monat vor dem Vorfall Anfang März sei Sosian aus Sicherheitsgründen für Touristen geschlossen. „Wir können keine Besucher empfangen, während Tausende Männer mit AK47 Maschinenpistolen herumlaufen.“ Die Sosian-Verwaltung zog den Stecker. Nach Angaben der Behörden waren keine Touristen von den Angriffen betroffen.

Rund 2,6 Millionen Menschen sind dem Welternährungsprogramm (WFP) zufolge akut von einer Lebensmittel-Knappheit bedroht. Das sind doppelt so viele wie vor etwa einem Jahr. Laikipia liegt zwischen einigen der am schwersten betroffenen Gebiete.

Die Hirten aus Samburu und Isiolo planten gemeinsam die Angriffe, erklärt John Ole Monto, ein Sozialarbeiter in der Region. Angetrieben werden die Eindringlinge nicht nur aus der Not heraus. Auch Politiker stacheln sie zur Übernahme von Ländereien an - allen voran der Parlamentsabgeordnete der Opposition, Mathew Lempurkel.

Lempurkel muss sich derzeit wegen des Mords an Voorspuy vor Gericht verantworten. Der Parlamentsabgeordnete unterstütze die Übergriffe nicht nur, sondern fordere die Hirten sogar zu diesen auf, erklärt Ole Monto. „Er wird von den Samburu-Hirten als Held gefeiert.“

Aber auch für die nomadischen Hirten ist die Lage düster. Zahlreiche Tiere verdursten oder verhungern. „Das Vieh war schon schwach, als die Übergriffe begannen“, sagt Constant. Die Märsche hätten die Tiere weiter geschwächt. „Es kostet die Tiere mehr Energie zu fressen, als was sie dabei aufnehmen.“

dpa

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