Eigentum wird immer wichtiger

Trotz gefühltem Wohlstand: Deutsche haben immer mehr Angst

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Immer mehr Bundesbürger verwirklichen sich angesichts niedriger Zinsen den Traum vom Eigenheim.

Dem Großteil der Menschen in Deutschland geht es nach eigenem Empfinden wirtschaftlich gut. Aber die Menschen haben zugleich immer mehr Angst vor der Zukunft. Wie passt das zusammen?

Berlin - Immobilien und anderes Eigentum sind den Menschen in Deutschland heute viel wichtiger als noch vor wenigen Jahren. Zum Wohlstand gehört für die meisten aber in erster Linie ein Leben ohne finanzielle Probleme. Laut einer Umfrage definieren fast 80 Prozent der Bevölkerung Wohlstand als "frei von finanziellen Sorgen sein". Das berichteten das Sozialforschungsinstitut Ipsos und der Zukunftsforscher Horst Opaschowski.

Für 70 Prozent der Menschen in Deutschland gehört ein sicheres Einkommen dazu. "Die Deutschen wollen keinen Überfluss, sondern materielle, mentale und soziale Sicherheit", sagte Opaschowski.

Eigentum - etwa Immobilien - hat den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren eine steile Karriere als gefühlter Wohlstandsfaktor gemacht. Dieses Kriterium legte bei den Bürgern innerhalb von fünf Jahren um 14 Punkte auf 71 Prozent zu. In ähnlichem Maße wurde das Merkmal "Alle Reisewünsche erfüllen zu können" wichtiger.

Mehrheit der Deutschen mit Wohlstand zufrieden

Die Deutschen sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage zum großen Teil zufrieden, wie aus der Studie weiter hervorgeht. Der Anteil der Menschen, die sich als besonders wohlhabend einschätzen, ist von 42,1 Prozent im Jahr 2012 auf aktuell 49,1 Prozent deutlich angestiegen. "Nur 2015 lag er im Juni und September mit 50,5 und 50,4 Zählern geringfügig darüber", erläuterte der Zukunftsforscher.

"Dennoch ist noch Luft nach oben, zwei von sechs Bundesbürgern geht es nach eigener Aussage nicht gerade schlecht, aber es könnte ihnen besser gehen", schilderte Opaschowski. Und einer von sechs sieht sich allenfalls auf einem niedrigen Wohlstandsniveau.

Dann ist da noch der Graben zwischen Wunsch und Wirklichkeit - am Beispiel der knapp 80 Prozent, die nicht von finanziellen Sorgen bedrückt sein wollen: Für weniger als die Hälfte der Befragten (etwa 40 Prozent) ist dies in ihrem Leben auch Realität.

Zukunftsängste der Deutschen wachsen

Noch etwas stach den Demoskopen ins Auge: "Bei ansonsten über die letzten fünf Jahre relativ konstant steigenden Wohlstandskurven fällt auf, dass die Deutschen dennoch belegbare Zukunftsängste haben, die offenbar von äußeren Faktoren bestimmt werden", sagte der Zukunftsforscher. So hinterließen zum Beispiel die Anschläge von Paris und der Höhepunkt der Flüchtlingskrise seinerzeit Spuren in den Umfragen.

Nur 42 Prozent können mit Bestimmtheit sagen, dass sie keine Angst vor der Zukunft haben. "Es sind eher keine ökonomischen Gründe, die wieder Zukunftsängste aufkommen lassen", sagte Opaschowski. "Vielmehr fürchten vermutlich viele Bürger, dass Faktoren wie Freiheit oder friedliches Zusammenleben nicht als selbstverständlich gesichert für ihre Zukunft gelten." Sie erwarteten von Politik und Gesellschaft "beruhigende Antworten auf die Frage, wohin es geht", sagte Opaschowski. "Dann sind sie auch in der Lage, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen."

Bei den Umfragen zum "Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland" ging es nicht nur um Geld und Besitz, sondern um Wohlstand als erweiterter Begriff. Zwischen 2012 und 2017 wurden mittlerweile 40.000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland repräsentativ danach befragt, was sie persönlich mit Wohlstand verbinden und wie sie derzeit ihre eigene Lebenslage einschätzen.

dpa

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