Prozessauftakt

Mutmaßlicher Paris-Attentäter Abdeslam stellt sich vor Gericht stur

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Polizisten bringen den mutmaßlichen islamistischen Terroristen Salah Abdeslam (M) und den Angeklagten Soufien Ayari (r) in den Gerichtssaal.

Zum Auftakt seines Prozesses in Belgien hat der einzige überlebende mutmaßliche Attentäter der Anschläge von Paris jede Kooperation mit der Justiz verweigert.

Paris - Er werde keine Fragen beantworten, sagte Salah Abdeslam am Montag vor dem Gericht in Brüssel. "Ich habe keine Angst vor euch (...), ich vertraue auf Allah", hob er hervor. In dem Prozess muss er sich wegen Schüssen auf Polizisten in Belgien verantworten.

Seit seiner Festnahme vor knapp zwei Jahren hatte der bis dahin meistgesuchte Mann Europas beharrlich geschwiegen. Vor dem Gericht stellte der 28-jährige Franzose mit marokkanischen Wurzeln nun knapp fest: "Mein Schweigen macht aus mir weder einen Schuldigen noch einen Kriminellen, das ist meine Verteidigung." An die Vorsitzende Richterin Marie-France Keutgen gewandt hob der mutmaßliche islamistische Attentäter zudem hervor, dass Muslime äußerst schlecht behandelt und über sie äußerst schlecht geurteilt werde - "erbarmungslos".

Abdeslams Erscheinen vor Gericht war mit Spannung erwartet worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er Mitglied der islamistischen Terrorzelle ist, die für drei Anschläge verantwortlich gemacht wird: die Anschläge in Paris im November 2015 mit 130 Toten, die am Brüsseler Flughafen und in der Metro im März 2016 mit 32 Toten sowie der verhinderte Angriff auf Reisende eines Thalys-Schnellzugs im August 2015.

Der Prozess in Brüssel steht zunächst aber nicht in Verbindung mit den Anschlägen. Es sollten nur die Geschehnisse vom 15. März 2016 in Belgien verhandelt werden, sagte Gerichtsvorsteher Luc Hennart vor Prozessbeginn. Weder von den Attentaten in Paris noch jenen in Brüssel werde deshalb die Rede sein.

Im März 2016 hatten Polizisten im Brüsseler Vorort Vorst ein Versteck der Terrorzelle ausfindig gemacht. Bei einem Schusswechsel wurden drei Beamte verletzt und ein Verdächtiger, der 35-jährige Algerier Mohamed Belkaïd, getötet. Abdeslam und einem mutmaßlichen Komplizen, Sofiane Ayari, gelang die Flucht. Drei Tage später wurden sie festgenommen.

Abdeslam und Ayari, ein 24-jähriger Tunesier, der ebenfalls in Brüssel vor Gericht steht, wird mehrfacher terroristisch motivierter Mordversuch gegen Polizisten vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu 40 Jahre Haft.

Der Prozess findet unter extrem scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Hunderte schwerbewaffnete und zum Teil maskierte Polizisten und Angehörige der Streitkräfte sicherten beim Auftakt den Brüsseler Justizpalast. Bei der Ankunft des Angeklagten Abdeslam kreiste ein Hubschrauber mit Suchscheinwerfern über dem Gebäude. Gepanzerte Fahrzeuge waren in der Nähe postiert.

Abdeslams Verteidiger, der bekannte belgische Anwalt Sven Mary, ließ mitteilen, sein Klient wolle während des Prozesses weder fotografiert noch gefilmt werden. Dutzende Journalisten hatten sich für den Prozess akkreditieren lassen.

Trotz der Sicherheitsvorkehrungen und des enormen öffentlichen Interesses "muss es ein normaler Prozess bleiben", mahnte Gerichtsvorsteher Hennart und kündigte an, beim kleinsten Problem den Gerichtssaal räumen zu lassen.

Der Prozess sollte bis Freitag dauern. Sollten die Beschuldigten von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch machen, könnte es auch schneller gehen, sagte Hennart. Der Mitangeklagte Ayari zeigte sich zwar kooperativ, entgegnete aber auf viele Fragen, er könne sich nicht erinnern - oder er verwies auf frühere Aussagen.

Dafür, dass der Prozess ohne Verzögerungen weitergeht, spricht auch, dass der Antrag einer Vereinigung von Terroropfern aufgeschoben wurde. Die Organisation V-Europe war in Belgien kurz nach den Anschlägen am Brüsseler Flughafen gegründet worden und hatte beantragt, als Nebenkläger vor Gericht aufzutreten. Das werde später und außerhalb des Prozesses geklärt, entschied die Richterin.

AFP

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