Attacke bei kremlkritischem Radiosender

Mann rammt Radiomoderatorin Messer in den Hals

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Das bild von Ekho Moskvy zeigt Polizisten in Moskau (Russland) bei der Festnahme eines Mannes (l), der die Redaktion des kremlkritischen Radiosenders Ekho Moskvy ("Echo von Moskau") überfallen und die stellvertretende Chefredakteurin Tatjana Felgengauer mit einem Messer am Hals verletzt haben soll. 

Schock beim Radiosender Ekho Moskvy: Ein Mann hat am Montag einer Moderatorin des kremlkritischen Radiosenders mit einem Messer in den Hals gestochen.

Moskau - Bei einer Messerattacke in Moskau hat ein Mann die Moderatorin eines kremlkritischen Radiosenders schwer verletzt. Der Angreifer sei am Montag in den Sitz des Senders Moskauer Echo eingedrungen und habe der Journalistin Tatjana Felgengauer in den Nacken gestochen, sagte Chefredakteur Alexej Wenediktow. Die 32-Jährige wurde demnach nicht lebensgefährlich verletzt, musste nach einer Operation aber in ein künstliches Koma versetzt werden.

Der Angreifer konnte überwältigt werden. Möglicherweise hatte er psychische Probleme.

"Er wusste, wohin und zu wem er geht."

Wenediktow zufolge verschaffte sich der Mann Zugang zu dem Gebäude, indem er einen Wachmann mit einem Spray außer Gefecht setzte. "Dann kam er in unsere Etage und drang in unser Büro ein." Er habe es offenbar auf Felgengauer abgesehen, die stellvertretende Chefredakteurin und Moderatorin einer beliebten Morgensendung: "Er wusste, wohin und zu wem er geht."

"Es gab viel Blut und sie (Felgengauer) befand sich in einem Schockzustand", berichtete der Chefredakteur weiter. Die regierungskritische Moderatorin sei in ein Krankenhaus gebracht, operiert und in ein künstliches Koma versetzt worden. Sie sei schwer verletzt, schwebe aber nicht in Lebensgefahr.

Ein Sicherheitsmann konnte den Angreifer überwältigen. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden handelt es sich um einen 48-Jährigen. Gegen ihn wurden Ermittlungen wegen versuchten Mordes eingeleitet.

Die Moskauer Polizei erklärte, es handle sich um einen ausländischen Staatsbürger. Er habe aus "persönlicher Feindschaft" gehandelt. In einem von der Polizei veröffentlichten Video macht der Mann unzusammenhängende Äußerungen und spricht von einer "telepathischen Verbindung" mit seinem Opfer. Felgengauer habe ihn über diese Verbindung "jede Nacht sexuell verfolgt".

Angreifer hatte Plan der Redaktion dabei

Das Moskauer Echo veröffentlichte einen Link zu einem mutmaßlichen Internet-Blog des Angreifers, auf dem dieser Felgengauer beleidigt und bedroht und ebenfalls von einer "telepathischen Verbindung" schreibt.

Chefredakteur Wenediktow sagte, der Angreifer habe einen Plan der Redaktion mit den Namen der Büros in englischer Sprache bei sich gehabt. "Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen."

Der Sender Moskauer Echo war der erste unabhängige Radiosender der Sowjetunion und wurde 1990 in Zeiten der Perestroika gegründet. Er ist bekannt für seine regierungskritische Ausrichtung, auch wenn der Mehrheitsaktionär des Senders seit 2001 der staatliche Energieriese Gazprom ist. Moderatorin Felgengauer nimmt regelmäßig an Kundgebungen der Opposition teil und hat auf Facebook tausende Follower.

Vorwurf an Rossija 24: Haben Hass gegen Journalistin genährt

Die russische Journalistengewerkschaft kritisierte als Reaktion auf die Messerattacke Reportagen des öffentlichen Fernsehsenders Rossija 24. Darin wurde dem Moskauer Echo und Felgengauer vorgeworfen, für das US-Außenministerium und westliche Nichtregierungsorganisationen zu arbeiten, die Behörden zu kritisieren und an Demonstrationen des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny teilzunehmen.

Die Beiträge hätten "Hass" gegen die Journalisten genährt und damit womöglich zur Attacke gegen Felgengauer beigetragen, erklärte die Gewerkschaft.

Eine andere Journalistin vom Moskauer Echo hatte in diesem Jahr bekanntgegeben, Russland nach einer Reihe von Angriffen auf ihr Haus und ihre Auto verlassen zu haben. In Russland werden immer wieder Journalisten bedroht, angegriffen, verletzt oder gar getötet. Einer Journalistenorganisation zufolge wurden in Russland seit 1992 58 Journalisten getötet.

AFP

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