Discounter

Lidl-Verkäuferin rechnet mit Kunden ab: „Die letzten Asozialen“

Immer mehr Verkäufer bei Lidl, Aldi & Co. berichten von Anfeindungen in ihrem Berufsalltag. Die Situation wird durch die Corona-Pandemie verschlimmert. 

Berlin – Seit Beginn der Corona-Pandemie (*FNP berichtete) begegnen uns Verkäufer gefühlt öfter als zuvor. Zumal ja für sämtliche Bürger der Einkauf in Discountern wie Lidl und Aldi oder in Supermärkten zu den wenigen Highlights während der Lockdown-Routine zählt. Galten Verkäufer im ersten Lockdown 2020 noch als systemrelevante Helden, die man nicht wegzudenken vermochte, erleben Mitarbeiter bei Lidl, Aldi, Edeka & Co. nun das genaue Gegenteil der vormals entgegengebrachten Anerkennung: Hass, Spott und Verachtung. Die Anfeindungen, die sich gegen sie richten, gehen von Beleidigungen bis hin zu Todesdrohungen.

Aktuell werden in Deutschland immer mehr Stimmen aus den Reihen der Verkäufer laut, die von ihrem schwierigen Berufsalltag während der Coronakrise berichten. Zwischen hemmungslosen Hamsterkäufern und frustrierten Discounter-Kunden sehen sich die Mitarbeiter von Aldi, Lidl & Co. als Projektionsfläche diverser negativer Gefühle bezüglich der Corona-Maßnahmen.

Eine Kundin verpackt in einem Lebensmittelgeschäft ihre Einkäufe an der Kasse und trägt eine Maske als Mund- und Nasenschutz.

Lidl-Verkäuferin rechnet ab: „Seit ich im Einzelhandel arbeite, hasse ich Menschen“

Wie stern.de berichtet, haben diese schlechten Erfahrungen nachhaltige Spuren bei einer 24-jährigen Lidl- und ehemalige Fressnapf-Verkäuferin hinterlassen. „Die Kunden benehmen sich wie die letzten Asozialen. Sie sind unfreundlich und gierig. Seit ich im Einzelhandel arbeite, hasse ich Menschen“, erzählte sie dem Newsportal. Obwohl sie ihnen Hilfe angeboten habe, hätten einige Männer ihr mit Sätzen wie „Ach, halt doch die Fresse“ geantwortet. Und das ist wohl noch relativ harmlos, verglichen mit dem, was anderen Discounter-Kollegen im Berufsalltag widerfährt. Ein Supermarktverkäufer berichtete laut stern.de, dass er sogar Todesdrohungen erhalten habe. Ein betrunkener Kunde habe ihn angebrüllt: „Dich finde ich noch, dir nehme ich das Leben, dich werde ich umbringen!‘“

Eine weitere Verkäuferin bekam es mit der Angst zu tun, als sie einen Anruf von einem wütenden Kunden bekam. „Er meinte, ich sollte jetzt ‚den Scheiß-Flamingo zurücknehmen‘, oder es werde mir ‚noch leidtun.‘“ Zuvor waren seine Frau und Tochter in dem Textil-Discounter aufgetaucht, um einen aufblasbaren Flamingoring umzutauschen - jedoch ohne Bon. „Ich hätte ihn ja zurückgenommen, aber ich hatte weder eine Seriennummer noch irgendetwas anderes, das ich hätte einscannen können. Ich habe die Tochter sogar hinter die Kasse geholt und ihr das gezeigt.“ Auch herabwürdigende Bemerkungen, die die Zugehörigkeit der Supermarkt-Mitarbeiter zu einer sozialen Schicht betreffen sowie fehlende Umgangsformen seien bei Lidl, Aldi & Co. an der Tagesordnung.

Und obwohl viele Mitarbeiter von Discountern wie Lidl beinahe täglich beschimpft werden, scheint es auch positiv gestimmte Kunden zu geben, wie ein Angestellter gegenüber zdf.de erzählte. „Sie bringen Präsentkörbe für das Kollegium vorbei oder ein Päckchen Kaffee - manchmal ist es auch ein Lächeln, das trotz Maske hängen bleibt und motiviert.“ (Zülal Acar) *FNP ist ein Angebot von IPPEN.Media.

Rubriklistenbild: © Tobias Hase/dpa

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