Mit 45 Jahren wurde sie arbeitsunfähig

Krankenpflegerin bricht Schweigen: Patienten haben mich belästigt und traumatisiert

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Der Gastbeitrag einer Krankenschwester sollte uns alle wachrütteln. Es muss sich etwas ändern, um Pfleger zu schützen.

Nie wird sie vergessen, was sie als Krankenpflegerin ertragen musste. In einem Gastbeitrag schildert sie, wie Patienten den engen Körperkontakt schamlos ausnutzten. Mit 45 Jahren wurde sie arbeitsunfähig. 

München - Es ist wichtig, dass Menschen ihr Schweigen brechen, damit sich etwas ändert. Eine Krankenschwester hat ihren Mut gesammelt und Focus Online geschildert, was sie jahrelang ertragen musste. Ihren Namen und ihren früheren Arbeitsort will sie nicht öffentlich machen. Sie habe ständig sexuelle Belästigungen erlebt, die sie traumatisiert hätten, sagt sie. Mit 45 Jahren habe sie ein Gutachter für arbeitsunfähig erklärt. Was sie seit 1988 im Krankenhaus, in der ambulanten Pflege und in Pflegeheimen erlebt habe, gehöre erschreckender Weise zum Alltag einer Krankenpflegerin.  

In vielen Situationen sei enger Körperkontakt mit Patienten unvermeidbar, etwa beim Aufrichten im Bett. „Das sind die häufigsten Momente, wo getatscht wird.“ Und plötzlich hätte sie eine Hand an ihrem Po oder an der Brust gespürt. Sie erinnert sich an einen Patienten, der ihr „sowieso schon sehr unangenehm war“. Sie habe immer etwas Abstand zu ihm gehalten. Das ging aber nicht, wenn sie seinen Blutdruck kontrollieren musste. „Plötzlich zog er mich aggressiv an sich und hat mir richtig in die Unterwäsche reingegriffen.“

Manche Männer verlangten von ihr, sie beim Waschen zu befriedigen

In der ambulanten Pflege seien Patienten übergriffig geworden, die sie waschen musste. „Man muss ja die Genitalien waschen. Dann haben Patienten versucht, meine Hand fester um den Penis zu drücken. Sie wollten, dass man ihnen einen runterholt.“ Einer dieser Männer sei ein früherer „Big Boss einer Bank“ gewesen. Und ein anderer habe sogar behauptet, Krankenschwestern seien Huren in weißen Klamotten. 

Schwierige Situationen mit dementen Patienten

Was alte Männer angeht, habe sie dennoch unterschieden, ob sie einfach einsam waren und menschliche Nähe suchten oder wirklich sexuelle Absichten hatten. Außerdem beschreibt die Krankenschwester schwierige Situationen mit dementen Patienten, die ihr in klaren Momenten an die Brüste fassten. 

Sie habe in all den Situationen versucht, sich „freundlich und bestimmt zur Wehr zu setzen“. Das habe aber selten geholfen. „Nur ein einziges Mal hat bei mir der Chefarzt reagiert. Der Patient wurde dann zwangsverlegt.“

Sie sagt: „In dem Moment, wo man sich an die Geschäftsführung wendet und es wird einem dann noch vorgeworfen, man wäre nicht professionell, ist man ausgeliefert.“ Ihr Wunsch sei es, dass Chefs ihr Personal besser schützen, und dass dieses Thema in Deutschland nicht mehr nunter den Teppich gekehrt werde. „Dass dieses Tabu gebrochen wird, ist schon lange überfällig.“

Wichtiger Hinweis: Hier wird Opfern sexueller Gewalt in Deutschland geholfen:

Opfer sexueller Gewalt können in der Datenbank des Bundesverbands der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland Hilfsangebote in ihrem Bundesland finden. Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen mit der Telefonnummer (08000) 116 016 ist 24 Stunden am Tag erreichbar und ein kostenloses Angebot.

Die Telefonseelsorge von evangelischer und katholischer Kirche ist unter Telefon (0800) 111 0 111 kostenfrei erreichbar. Rat bietet auch der Weiße Ring an: Das Opfertelefon ist in ganz Deutschland jeden Tag von 7 bis 22 Uhr unter Telefon 116 006 anonym erreichbar.

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