Kind (5) erstochen

Bluttat in Asylheim: Messerstecher drohte schon 2012 die Abschiebung

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Mostafa K. sitzt 2009 wegen Brandstiftung vor Gericht.

Nach der Bluttat im oberpfälzischen Arnschwang, bei der ein Kind (5) starb und dessen Mutter schwer verletzt wurde, werden mehr Details zum Täter bekannt: Dem Mann drohte wegen einer schweren Straftat bereits vor Jahren die Abschiebung.

Arnschwang – Der Mann, der am Samstag in einer Flüchtlingsunterkunft im oberpfälzischen Arnschwang ein fünf Jahre altes Kind erstochen hat, war ein verurteilter Straftäter und trug eine elektronische Fußfessel. Dies teilten die Staatsanwaltschaft Regensburg und das Polizeipräsidium Oberpfalz gestern in einer gemeinsamen Erklärung mit. Wegen besonders schwerer Brandstiftung drohte Mostafa K. nach Informationen unserer Zeitung bereits 2012 die Abschiebung. Die genauen Hintergründe der Bluttat sind weiterhin unklar.

An dem Abend brachte der Mann den fünf Jahre alten Jungen in seine Gewalt und verletzte ihn mit Messerstichen tödlich. Während des folgenden Polizeieinsatzes gab ein Beamter insgesamt acht Schüsse auf den 41-Jährigen ab, der tödlich getroffen wurde. Im Hinblick auf die Schüsse geht die Staatsanwaltschaft bisher von einer Nothilfesituation aus. Die Ermittlungen wegen des Schusswaffengebrauchs führt das Landeskriminalamt. Es wird immer hinzugezogen, wenn Polizisten im Einsatz die Waffe benutzen.

Mitarbeiter der Spurensicherung am Tatort.

Mutter des Kindes erlitt schwere Verletzungen

Die 47 Jahre alte Mutter des Kindes erlitt beim Kampf mit dem Mann schwere, nicht lebensbedrohliche Schnittverletzungen. Sie befindet sich noch in stationärer Behandlung und ist derzeit nicht vernehmungsfähig.

Der sechs Jahre alte Bruder des getöteten Kindes sah die Szene mit an und erlitt einen schweren Schock. Weitere Menschen – darunter einer der Polizisten – trugen ebenfalls einen Schock davon. Bei der Frau und ihren beiden Kindern handelt es sich um Asylbewerber aus Russland. Unklar ist noch, in welchem Verhältnis die Frau zu dem 41-Jährigen stand und weshalb es zu der Auseinandersetzung kam.

Der 41-jährige Afghane Mostafa K. war als geduldeter Asylbewerber registriert. Er wurde im Oktober 2009 vom Landgericht München I wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt, die er bis Januar 2015 komplett verbüßte. Danach wohnte er in dem Asylbewerberheim in Arnschwang. Bei der Brandstiftung hatte er sein Appartement in einem Münchner Wohnblock mit 64 Parteien angezündet, mit der Absicht, die Tat seinem Cousin in die Schuhe zu schieben, mit dem er zuvor Streit gehabt hatte.

Polizisten auf dem Gelände der Asylunterkunft Arnschwang. 

Mostafa K. stand unter Führungsaufsicht

Wegen seiner Verurteilung stand Mostafa K. unter sogenannter Führungsaufsicht. Per gerichtlichem Beschluss wurde ihm – auch zum Schutz seiner Familienangehörigen – auferlegt, sich nur im Umfeld seiner Asylunterkunft aufzuhalten. Um dies zu kontrollieren, trug er die elektronische Fußfessel. Seine damalige Ehefrau, mit der Mostafa K. eine heute achtjährige Tochter hatte, hatte ausgesagt, er habe ihr aus der Haft heraus gedroht, sie umzubringen, wenn sie sich von ihm scheiden lasse.

Wie der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf Innenminister Joachim Herrmann (CSU) berichtet, erließ das Verwaltungsgericht 2014 jedoch nach Prüfung seines Asylantrags, gegen dessen Ablehnung er ebenfalls klagte, gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein Abschiebeverbot. Wegen seiner Konvertierung zum Christentum habe dem Mann in seinem Heimatland Todesgefahr gedroht. Herrmann sieht die Entscheidung kritisch. Gegenüber dem BR sagte er: „Dort, wo Länder tatsächlich als Staaten die Todesstrafe für solche Fälle verhängen, ist es nachvollziehbar. In diesem konkreten Fall ist es für mich nicht einsichtig.“

Bluttat in Asylunterkunft in der Oberpfalz: Bilder

mit dpa

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