Jacob Zurls anstrengende Mission

Er will in 55 Stunden nonstop durch Kuba radeln

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Jacob Zurl hat viel vor.

Havanna - Beim letzten Mal stoppte ihn das Denguefieber, diesmal soll es klappen. Jacob Zurl will ohne Schlaf und Unterbrechung einmal quer durch Kuba fahren. Mehr als 1400 Kilometer und viele Bananen trennen den 28-Jährigen von seinem Ziel.

Vor Jacob Zurl liegen 1450 Kilometer unter der brennenden Karibiksonne. Der österreichische Extremsportler will auf dem Fahrrad Kuba durchqueren - ohne Unterbrechung in rund 55 Stunden. Sein größter Gegner bei dem Rekordversuch: der schlechte Zustand der Straßen auf der sozialistischen Karibikinsel.

„Oft gibt es große Schlaglöcher auf den Landstraßen. Nachts ohne Beleuchtung sind sie nur schlecht zu sehen“, sagt der 28-Jährige bei seinen Trainingsvorbereitungen in Havanna. Am Mittwoch will er in Punta de Maisí im äußersten Osten Kubas starten und am Freitag den westlichsten Punkt der Insel in Cabo de San Antonio erreichen.

Unterstützt wird er bei seinem Vorhaben von seinen Eltern und seiner Freundin. Zurl kalkuliert, dass er während der Fahrt etwa 450 Kalorien pro Stunde zu sich nehmen muss, um durchzuhalten. Er wird sich in den zwei Tagen vor allem von Energieriegeln und Bananen ernähren.

Der Österreicher wollte bereits 2015 nonstop durch Kuba radeln. Allerdings bekam er bereits beim Training in der Hauptstadt Havanna Denguefieber und musste den Versuch abbrechen. Sieben Kilo verlor er damals durch die Infektion. Ein Jahr brauchte er, um wieder fit zu werden: „Als ich abreiste, sagte ich mir: Ich werde nach Kuba zurückkehren und es schaffen.“

Erfahrung mit Extremen hat der Radsportler aus der Steiermark bereits: 2012 stellte er einen - inzwischen wieder gebrochenen - Höhenmeter-Weltrekord in seiner Heimat auf. Damals hatte er binnen 48 Stunden 28 789 Höhenmeter geschafft. Das entspricht rund dreimal der Höhe des Mount Everest. 2014 überwand er außerdem als erster Mensch einen gefährlichen Himalaya-Highway in weniger als 40 Stunden.

„Ich habe Erfahrung und bin gut vorbereitet“

In Kuba wird Zurl vor allem mit der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen haben. Doch der Österreicher gibt sich selbstsicher. „Ich habe Erfahrung und bin gut vorbereitet“, sagt er. „Am schwierigsten wird es in der Nacht werden. Dann muss ich 100 Prozent konzentriert sein.“ Der Vorteil in Kuba: Auf den Landstraßen fahren kaum Autos.

Weltweit gibt es eine Reihe von extremen Radtouren, bei denen die Teilnehmer oft Tausende Kilometer zurücklegen. Eine der bekanntesten ist das Race Across America von der US-Westküste an die Ostküste. Im vergangenen Jahr gewann der Deutsche Pierre Bischoff das Rennen über rund 4800 Kilometer.

Kuba möchte sich mit dem Rekordversuch von Zurl möglicherweise auch als weltoffenes Land präsentieren. Der im vergangenen Jahr gestorbene Revolutionsführer Fidel Castro soll sich über seinen ersten Rekordversuch 2015 sehr gefreut haben. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle, immer mehr Urlauber kamen zuletzt auf die sozialistische Insel. Trotz zögerlicher Wirtschaftsreformen und der langsamen Annäherungen an den einstigen Erzfeind USA werden den Kubanern allerdings immer noch keine politischen Freiheiten gewährt.

Symbolträchtig war auch die Rekordfahrt des deutschen Unternehmers Roger Klüh vor zwei Jahren. Der Düsseldorfer legte die Strecke zwischen Key West in Florida und Havanna in seinem Speedboot in einer Stunde und 45 Minuten zurück. Er sah das Rennen nicht nur als sportliche Leistung, sondern auch als Beitrag zur Völkerverständigung.

Zurl fiebert nun dem Startschuss entgegen. „Ich freue mich sehr auf das Land und die Leute. Sie waren und sind sehr ausdauernd - genau wie ich“, sagt Zurl. Pläne für die Tage nach seiner extremen Radtour hat er auch schon: Dann will er am weißen Sandstrand von Varadero östlich von Havanna entspannen.

dpa

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