Nach sechstägiger Nervenprobe

Schweizer Höhlentouristen gerettet

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In einem Gang der Höhle war so viel Wasser, dass ihnen der Ausgang versperrt war. Foto: Urs Flueeler

Für sieben Touristen ist ein kurzer Höhlenausflug zur sechstägigen Nervenprobe geworden. Der Rückweg war nichts für Ängstliche. Direkt nach der Rettung wurde ihr sehnlichster Wunsch sofort erfüllt.

Bern/Muotathal (dpa) - Die vom Hochwasser tagelang in einer Schweizer Höhle eingeschlossenen Touristen sind wieder frei. Die sieben Männer und ihr Höhlenführer wurden nach sechs Tagen unter Tage in der Nacht zu Freitag sicher aus dem Hölloch im Muotathal geführt, wie die Polizei mitteilte.

Sie mussten dabei auf dem Rückweg durch einen sogenannten Syphon, einen fast bis zur Decke mit Wasser vollgelaufenen Gang. Alle haben das gut gemeistert und sind - nach einer zweieinhalbstündigen Kletterpartie zurück an die frische Luft - wohlauf, wie die Höhlenretter berichteten. Die Männer äußerten sich zunächst nicht.

Der erste Akt nach der Rettung: eine Dusche. "Nach einer Woche ohne Duschen war das ein willkommenes Angebot für die Männer", sagte Einsatzleiterin Regula Höhn von Speleo-Secours, der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung, bei einer Pressekonferenz.

Der unerwartet vollgelaufene Syphon hatte den Schweizern zwischen 25 und 55 Jahren den Rückweg abgeschnitten. Es dauerte tagelang, bis das Wasser zurückging. Auch Donnerstag waren an der kritischsten Stelle nur etwa 40 Zentimeter Luft über der Wasseroberfläche, berichtete Höhn. Die Männer hätten aber nicht bis zum Hals durch das Wasser waten müssen, sagte einer der Retter, Stefan Nussbaumer. Es gehe um ein sehr kleines Stück, und dort könne man sich in Hockstellung an der Wand entlanghangeln. "Wir hatten Luftmatratzen organisiert. Sie sind dann aber lieber ein bisschen nass geworden", sagte Höhn.

Die Gruppe war am vergangenen Samstag zu einer Höhlenexpedition mit einer unterirdischen Übernachtung aufgebrochen. Der schnelle Wasseranstieg überraschte die Veranstalter. Sie haben in einem hochwassersicheren Teil der Höhle etwa 300 Meter unter dem Gestein aber ein Biwak mit Küche und Schlafplätzen eingerichtet. Dort harrten die Männer sechs Tage aus. Mitte der Woche hatten sie sich noch auf eine Rettung erst zum Wochenende eingestellt. Der Wasserpegel sank schließlich schneller als erwartet. Das Hölloch rund 75 Kilometer südlich von Zürich ist eines der größten Höhlensysteme der Welt.

Nussbaumer war mit drei weiteren Profis am Sonntag zu den eingeschlossenen Männern abgestiegen. Die Route, die sie benutzten, war für die Touristen aber zu gefährlich. Andere Retter brachten am Mittwoch Essen und Kleidung, sowie eine Brille für einen Kontaktlinsenträger und persönliche Päckchen von den Angehörigen. "Wir haben einen geregelten Tagesablauf organisiert", sagte Nussbaumer. "Man musste das Essen zubereiten, und es gab regelmäßige Wasserstandkontrolltouren, daran haben die Leute teilgenommen."

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