Sexualmord in Freiburg

Im Mordprozess um Hussein K. weisen Jugendämter Vorwürfe zurück

+
Der Angeklagte Hussein K. sitzt am 11.09.2017 in Freiburg (Baden-Württemberg) im Landgericht im Gerichtssaal.

Im Prozess um den Sexualmord an einer Studentin in Freiburg rückt die Rolle der Behörden in den Blick. Sie hatten die Aufsicht über den jungen Flüchtling, der angeklagt ist.

Freiburg - Im Mordprozess gegen den Flüchtling Hussein K. vor dem Landgericht Freiburg haben Mitarbeiter der beiden zuständigen Jugendämter Vorwürfe eines möglichen Versagens zurückgewiesen. An den Angaben des Flüchtlings zu seinem Alter und der Herkunft habe es keinerlei Zweifel gegeben, sagten sie am Dienstag als Zeugen vor Gericht. Sie seien von den Behörden daher nicht überprüft worden. Hussein K. war als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling eingestuft worden. Er hatte angegeben, aus Afghanistan zu stammen und 17 Jahre alt zu sein. Bei seiner Einreise nach Deutschland im November 2015 legte er den Angaben zufolge keine amtlichen Dokumente vor.

Hussein K. werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat gestanden, im Oktober vergangenen Jahres eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und getötet zu haben. Der Fall löste bundesweite Debatten über die deutsche Flüchtlingspolitik und ein mögliches Versagen der Behörden aus.

Hussein K. lebte in Freiburg bei einer Pflegefamilie und stand unter der Aufsicht des Jugendamtes Breisgau-Hochschwarzwald, erklärten die beiden Mitarbeiter. Zuvor war das Jugendamt Freiburg für ihn zuständig. Ein direkter Kontakt zwischen ihm und den Behörden habe aber kaum bestanden. Innerhalb eines halben Jahres habe das Jugendamt lediglich ein Gespräch mit ihm geführt. Mehr sei unter anderem aufgrund der verschiedenen Zuständigkeiten nicht möglich gewesen, hieß es zur Begründung. Fehler habe es in den beiden Jugendämtern, die mit dem Flüchtling betraut waren, nicht gegeben.

Alter des Angeklagten unklar

Hussein K. habe sehr eigenständig gelebt, sagte die Pflegemutter, die am Dienstag als Zeugin aussagte. Ein gemeinsames Familienleben habe es nicht gegeben. Auch das Alter des Flüchtlings sei kein Thema gewesen. Als Taschengeld habe er von ihr monatlich 400 Euro erhalten. Hussein K. lebte von April bis zu seiner Verhaftung im Dezember 2016 bei der Familie. Der Pflegevater soll am 17. Oktober aussagen.

In dem Prozess geht es unter anderem um die Frage, wie alt der vor der Jugendkammer stehende Mann tatsächlich ist. Dies wird auch Auswirkungen für die Höhe der Strafe haben. Er selbst hat zum Prozessauftakt gestanden, beim Alter gelogen zu haben und älter zu sein. Die Staatsanwaltschaft hält Hussein K. für mindestens 22 Jahre alt. Zwei Gutachten sollen dies im Laufe des Prozesses untermauern. Sie werden dem Plan zufolge im November erörtert. Ein Urteil soll im Dezember gesprochen werden.

Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau im Jahr 2013 war Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Wenig später tauchte er unter und in Deutschland wieder auf. Von seiner kriminellen Vorgeschichte wussten die deutschen Behörden nichts, weil sie von Griechenland nicht informiert worden waren. Zudem besteht der Verdacht, dass Hussein K. zuvor im Iran eine Zwölfjährige vergewaltigt hat. Er selbst äußerte sich zu diesen Taten im Prozess bislang nicht.

dpa

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.


Es gelten die Datenschutzbestimmungen unserer Webseite.

Meistgelesen

Großbrand in Bremer Werft: Mehr als 100 Feuerwehrleute kämpfen gegen Flammen

Großbrand in Bremer Werft: Mehr als 100 Feuerwehrleute kämpfen gegen Flammen

Leiche von rechtsextremem Hogesa-Mitgründer gefunden

Leiche von rechtsextremem Hogesa-Mitgründer gefunden

Der „König der Trucker“ ist tot - Trauer um die A3-Legende 

Der „König der Trucker“ ist tot - Trauer um die A3-Legende 

Tagelange Jagd nach Killer-Wels im Dreieichpark - Fischer macht Fund 

Tagelange Jagd nach Killer-Wels im Dreieichpark - Fischer macht Fund 

Spaziergänger machen fürchterliche Entdeckung auf der Straße - Polizei steht vor riesigem Rätsel

Spaziergänger machen fürchterliche Entdeckung auf der Straße - Polizei steht vor riesigem Rätsel

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren