Mehr als 4000 Menschen folgen Facebook-Blog

Schock-Diagnose Krebs im Endstadium. Doch Julia kämpft - und dann passiert es

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Mit einem Lachen gegen die tödliche Krankheit: Vier Tage vor ihrem 30. Geburtstag bekam Julie Geberth aus Hanau die Diagnose Hautkrebs im Endstadium.

Julia Geberth hat Krebs. Unheilbar, lautet die Diagnose der Ärzte. Doch für die 32-Jährige aus Hanau ist Sterben keine Option. 

Hanau - Statt sich zu verkriechen, schreibt sie in ihrem Facebook-Blog über das Leben zwischen Hoffen und Bangen. Ihr Ziel: Mut machen und aufklären. Extratipp.de berichtet über die starke 32-Jährige. 

Es ist Montag, der 10. November 2014, vier Tage vor ihrem 30. Geburtstag, als Julia Geberths Welt zusammenbricht. Schwarzer Hautkrebs, Endstadium, unheilbar, lautet die Diagnose. Die Metastasen haben sich in ihrem Körper ausgebreitet, beide Lungenflügel, Lymphknoten, Zwerchfell und das Gehirn sind befallen. „Man hört es und kann es nicht verstehen. Als wäre man im falschen Film gelandet“, erinnert sich Julia Geberth. Höchstens ein Jahr geben ihr die Ärzte. Doch Sterben kommt für die Hanauerin nicht infrage: „Für mich war sofort klar: Ich mache da nicht mit. Ich sterbe jetzt nicht einfach.“

Ihren 30. Geburtstag feiert Julia Geberth trotzdem. Mit 200 Gästen, bis in die Morgenstunden. Und sie beschließt, ihre Krankheit öffentlich zu machen. Erst auf ihrer privaten Facebook-Seite, um alle Freunde zu informieren. Dann auf der Facebook-Seite „Julie vs. Bill“. Bill, so nennt sie ihren Krebs, eine Anlehnung an den Tarantino-Film „Kill Bill“. „Er ist der Feind, den ich bekämpfen muss, damit er aus meinem Körper verschwindet“.

Mehr als 4000 Menschen folgen dem Facebook-Blog

Heute, fast drei Jahre später, folgen Julia Geberths Blog mehr als 4000 Menschen. Sie schreibt über ihren Alltag mit der Krankheit, von den Untersuchungen im Uniklinikum Frankfurt, den Nebenwirkungen der neuen Medikamente, wegen der sie sich zwei Wochen lang übergeben muss. Fotos zeigen sie im Krankenhausbett, lachend, die Zunge rausgestreckt, beim Pizza-Essen mit Freunden, am Strand in Portugal oder neben dem Schild vor dem Ikea-Restaurant, das für das Krebsessen wirbt. „Ich habe schon früher lieber gelacht als geweint. Es ist einfach meine Art, mit der Krankheit umzugehen“, sagt die 32-Jährige. Warum gerade ich? Diese Frage habe sie sich nie gestellt. „Krebs ist immer scheiße. Warum sollte ich dieses Schicksal jemand anderem wünschen?“ Sie will anderen Kranken Mut machen. Und sie will wachrütteln: „Krebs kann jeden treffen. Nicht nur alte, sondern auch junge, fitte Menschen wie mich.“

Auch sie fühlt sich unsterblich, damals, mit Anfang 20. Und ignoriert das große Muttermal auf ihrem Oberschenkel, das in allen Farben schimmert. 2010 geht sie doch zum Hautarzt – und bekommt zum ersten Mal die Diagnose schwarzer Hautkrebs. Glück gehabt, denkt die damals 25-Jährige nach der OP. Das Leben geht weiter, ein Jahr Shanghai, Glück pur. Bis sie 2014 an der Leiste einen Lymphknoten ertastet, groß wie ein halber Tischtennisball. „Ich hatte gehofft, es sei nur ein Leistenbruch. Aber es war eine Metastase“, erinnert sich die Hanauerin.

Seitdem heißt es kämpfen. Nicht nur gegen den Krebs, sondern auch gegen die negativen Gedanken. Es gibt Tage, an denen sie nur noch heulen kann, sagt Julia Geberth. Weil sie ihr altes Leben vermisst, ihre Jobs in der Gastronomie, ihren starken Körper, das Studium. „Ich hätte auch gern ein ganz normales Leben. Und ich würde gern meine Zukunft mit meinem Freund planen.“ Als die beiden zusammenkommen, weiß Nigel, dass Julia todkrank ist. Für sie ist er ein Held. „Anders als ich, hatte er die Wahl, mit dem Krebs zu leben. Er hat sich für mich entschieden.“ Ein paar Menschen seien heute nicht mehr an ihrer Seite. Böse ist sie ihnen nicht. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Ich weiß selbst nicht, ob ich damit umgehen könnte, wenn eine Freundin plötzlich Krebs bekommen würde.“

Hoffen auf ein Wunder

Im Moment geht es Julia Geberth gut. Trotz der Schockdiagnose kämpfte die 32-Jährige wie eine Löwin - und dann passierte es: Die Tabletten-Therapie, die sie Anfang des Jahres begonnen hat, schlägt gut an. Die Metastasen in Lunge, Leber und den Lymphknoten sind kleiner geworden, die im Kopf lassen sich beim CT nicht mehr nachweisen. Eigentlich sei sie heute glücklicher als vor der Diagnose. Früher habe sie sich kaputtgemacht, wahnsinnig viel gearbeitet und nicht auf sich geachtet. „So gesehen war der Krebs für mich ein Glücksfall“, sagt die 32-Jährige. Die Hoffnung, wieder gesund zu werden, gibt sie trotzdem nicht auf. „Ich bin überzeugt, dass es Vieles gibt, was die Schulmedizin nicht weiß. Jeder Körper ist anders. Warum sollte ich es nicht schaffen?“

Kristina Bräutigam

*extratipp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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