Was ist hier passiert?

11-Jährige gefesselt am Wartberg gefunden: Ermittler untersuchen Spuren

Das Mädchen wurde von Spaziergängern gefunden. Es sagt, es erinnere sich nicht daran, wie es dort hinkam. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. 

Heilbronn - Eine Heilbronnerin geht am Mittwochabend gegen 19 Uhr mit ihrem Hund am Wartberg spazieren. Plötzlich kommt ihr ein Mann auf einem Fahrrad entgegen. Er ist aufgelöst und fragt nach einem Telefon, um die Polizei zu rufen – ein Mädchen sei gefesselt. Über den mysteriösen Fall berichtet echo24.de*. (Update Freitag siehe unten)

Die Spaziergängerin geht wenige Schritte weiter und sieht das Mädchen in der Nähe der Weinreben sitzen. Ein Ehepaar ist bereits bei ihr. Die 41-Jährige Hundehalterin berichtet gegenüber echo24.de, die Kleine sei gefesselt gewesen.

"Aber nicht mit einem Seil. Das sah eher aus, als wenn man etwas aus einer Plastiktüte herausgeschnitten hätte." Natürlich habe sie sofort die Polizei verständigt.

Polizei findet Anruferin und Kind nicht

"Das Problem war, dass wir der Polizei nicht einfach erklären konnten, wo wir genau am Wartberg waren. Deshalb haben sie über eine halbe Stunde zu uns gebraucht", erzählt die Heilbronnerin. "Das Mädchen hat gezittert, ich habe ihm deshalb sofort meine Jacke umgelegt und gesagt, sie soll vom Gras aufstehen. Weil ich bei ihr war, habe ich auch nicht mitbekommen, dass mein Handy mehrmals vibriert hat, weil die Polizei versucht hat, uns zu finden."

Natürlich habe sich die 41-Jährige während des Wartens mit der Elfjährigen unterhalten, erzählt sie. "Ich habe sie gefragt, ob sie Schmerzen habe, das hat sie verneint." Die Elfjährige wisse auch nicht, ob sie in ein Auto gestiegen sei oder ob sie jemand zuvor angesprochen habe.

Was ist passiert?

"Die Kleine sagt, sie sei gegen 13.45 Uhr im Rofu-Kinderland gewesen und habe dort einen Schreibblock gekauft", berichtet die Spaziergängerin. "Danach ist sie zum Aldi gegangen, um sich einen Pudding zu kaufen, und ab dann weiß sie nicht mehr, was passiert ist."

Die 41-Jährige, die als eine der ersten am Fundort des Mädchen war, weiß nicht, was sie von der Sache halten soll. "Mir kommt das unglaublich seltsam vor", sagt sie. "Das Mädchen hat sehr ruhig gewirkt - als die Polizei eintraf, wusste sie ihren Namen, ihr Alter und ihre Adresse im Hawaii-Viertel. Sie hatte auch eine Art Notizblock dabei, auf der das alles stand."

Auch sei aufgefallen, dass das Kind Sportschuhe trug, die voller Kletten waren. "Auch ihre Knie waren ganz verdreckt. Sie ist bestimmt gestürzt."

Zwischenzeitlich viele Menschen am Fundort

Acht Personen seien bis zum Eintreffen der Polizei bei dem Mädchen gewesen. Das Ehepaar, welches die Kleine gefunden hatte, die Heilbronnerin mit ihrem Hund, der Mann mit dem Fahrrad. Dazu kam ein weiteres Ehepaar und eines mit Hund.

Ist jemand an dem gefesselten Kind vorbeigefahren?

Die Hundehalterin wundert sich über ein Detail besonders: "Das Ehepaar, das zuerst da war, hat erzählt, dass ihm ein Auto entgegen kam und es wenige Meter später das Mädchen gefunden habe. Ich kann mir nicht erklären, wer an einem im Gras liegenden Kind vorbeifährt. Sie war doch von der Straße aus gut zu sehen!" Die Frau fragt sich, ob da jemand herzlos oder auf der Flucht war. "Das Ehepaar hat erzählt, dass sie das Mädchen im Gras liegen sahen. Es sei allerdings nicht bewusstlos gewesen und habe direkt reagiert, als es angesprochen wurde."

Eltern können nicht kommen

Vom Eintreffen der Polizei berichtet die 41-Jährige: "Die Polizei hat uns gefragt, warum wir denn das Mädchen nicht befreit hätten. Aber wir waren ja selbst vollkommen unsicher und wussten gar nicht, ob wir das dürfen. Sie war ja nur an den Händen gefesselt. Ein Polizist hat das Mädchen dann mit einem Messer befreit. Die ganze Zeit über hat sie ruhig gewirkt."

Die Beamten hätten das Mädchen gefragt, ob sie ihre Eltern dazuholen sollen, aber die Kleine meinte, dass ihre Mutter wohl nicht kommen könnte. "Ich habe das nicht richtig verstanden - ich glaube, sie meinte aus gesundheitlichen Gründen. Der Vater könne bestimmt auch nicht." Ob letztendlich ein Elternteil gerufen wurde, kann die Helferin nicht sagen. Nach Aufnahme ihrer Daten sei sie heimgeschickt worden, während sich die Polizei weiter um das Kind kümmerte.

Polizei bestätigt Einsatz der Kripo

Das Polizeirevier Heilbronn bestätigte zunächst nur den Einsatz der Kriminalpolizei. "Die Kripo ermittelt und das Mädchen wird versorgt. Mehr können wir dazu noch nicht sagen. Alles Weitere wäre Spekulation. Wir wissen weder wie das Kind dort hin kam, noch ob eine Straftat begangen wurde."

Update: Ermittler untersuchen Spuren

Am Freitag untersuchte die Polizei nun Spuren an den Fesseln und weitere Hintergründe. „Vier Kollegen arbeiten derzeit daran, Licht ins Dunkel zu bringen“, sagte eine Behördensprecherin am Freitag auf Anfrage. Die Polizei nehme den Fall der Elfjährigen sehr ernst. „Wir können sagen, dass es keine Hinweise auf mögliche weitere Straftaten gibt“, meinte sie. Ein Radfahrer hatte das nach ersten Erkenntnissen unverletzte Mädchen am Mittwochabend entdeckt.

Das Kind habe in Gesprächen gesagt, es wisse nicht, wie es in den Weinberg gekommen sei. „Die Erinnerung endet gegen 14.00 Uhr etwa mit einem Besuch im Supermarkt“, sagte die Sprecherin. Spezialisten redeten mit dem Mädchen. Zudem sollte eine kriminaltechnische Untersuchung der verwendeten Plastikfesseln Hinweise geben.

Das Kind sei nicht als auffällig bekannt gewesen. Es war den Angaben zufolge bereits am Mittwochabend wieder zurück zu den Eltern gebracht worden, die es bis dahin nicht als vermisst gemeldet hatten. „Wir können noch nicht viel sagen zu den Umständen“, sagte die Polizeisprecherin. Ermittlungsarbeit benötige Zeit. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht.“

Anna-Maureen Bremer/ dpa

*echo24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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