Pflanzliches „Superfood“ statt Milch und Gluten

Gericht entscheidet: Eltern ließen Kind verhungern

Ein belgisches Gericht hat ein Elternpaar schuldig gesprochen, weil es seinem Baby ohne einen Arzt zu konsultieren nur pflanzliche Milchalternativen gab, bis es mit sieben Monaten an Mangelernährung starb.

Dendermonde - Die Eltern hätten "ohne es zu wollen" den Tod ihres Kindes herbeigeführt, befand das Gericht in Dendermonde am Mittwoch. Es verurteilte die Eltern zu sechs Monaten auf Bewährung. Die Eltern des kleinen Lucas waren nach den Feststellungen des Gerichts überzeugt, dass ihr Kind weder Laktose noch Gluten verträgt - einen medizinischen Beweis dafür hatten sie aber nicht. Nachdem es mit dem Stillen nicht richtig klappte, fütterten sie das Baby mit milchähnlichen Produkten aus Buchweizen, Quinoa, Reis und Hafer, ohne dies mit einem Arzt abzustimmen.

Eltern suchten „bewusst“ keinen Arzt auf

„Das Kind muss Hunger gelitten haben, weil es an krankhafter und chronischer Unterernährung in Kombination mit Dehydrierung gestorben ist“, stellte das Gericht fest. „Die Angeklagten haben ihre Überzeugungen zu Ernährung und Versorgung über seine Gesundheit gestellt - mit allen Folgen.“

Die Eltern hätten nicht verstanden, dass der Zustand des Jungen alarmierend schlecht war, erklärte Verteidigerin Karine Van Meirvenne, die Freispruch gefordert hatte. „Meine Klienten haben nicht mit Absicht gehandelt.“

Nachdem sich der Junge mehrmals übergeben hatte, brachten die Eltern ihn zuerst zu einem Homöopathen. Dieser schätzte den Zustand laut Gericht als ernst, aber nicht lebensbedrohlich ein und riet den Eltern, das Kind schnell ins Krankenhaus zu bringen. Auf dem Weg dorthin stoppten sie noch bei einer Apotheke, um die vom Homöopathen empfohlenen Mittel zu kaufen.

Gericht urteilt milde: „Beklagte schon gestraft genug“

Als die Eltern schließlich in der Notaufnahme ankamen, konnten die Ärzte nur noch den Tod des Kindes feststellen. Das Baby war dehydriert und mit 4,3 Kilogramm für sein Alter viel zu leicht.

Das Gericht verhängte die Mindeststrafe. „Die Beklagten selbst sind schon hart gestraft dadurch, dass sie mit dem Wissen leben müssen, dass sie verantwortlich sind für den Tod ihres Söhnchens, das sie aufrichtig liebten“, sagte Richterin Butstraen.

Laut RTBF betreiben die Eltern einen Naturkostladen. Ihre Anwältin Karine Van Meirvenne sagte dem Sender, ihre Mandanten hätten den alarmierenden Zustand des Säuglings nicht bemerkt. Sein Gesundheitszustand habe sich laufend verändert; manchmal sei der Junge dünner geworden, dann habe er wieder zugenommen.

Das Gericht entschied nun 

EuGH schafft mehr Transparenz für Verbraucher

Am Mittwoch entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg in einem anderen Fall, dass pflanzliche Produkte grundsätzlich nicht als "Milch", "Rahm", "Butter" oder "Käse" vermarktet werden dürfen. Die Richter urteilten, trotz klarstellender Zusätze könne "eine Verwechslungsgefahr in der Vorstellung des Verbrauchers nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden".

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / Roland Weihra

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